Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung





Beobachtung im Teich

Grau bedecktLeicht bewölkt
TW: 15°C - 15°C
OW: 14°C - 23°C
Siehe Teichprotokoll






Heute konnte ich eine interessante Beobachtung provozieren

Da es so gut wie den gesamten letzten Monat, mit Durchschnittswassertemperaturen im Teich die 3°C bis 4°C unter denen der letzten 2 Jahre lagen, fast durchgehend windig regnerisch graues Wetter herrschte und nichts von irgendeiner erfolgreichen Brut bei den Rundschwanzmakropoden zu erkennen ist - ganz anders bei den Stichlingen die inzwischen zahlreichen Nachwuchs schwimmen haben und selbst die Guppies konnten im Teich Nachwuchs hochbringen - habe ich mich heute Abend getraut, einige flutenden Algenpolster mit dem Kescher abzuschöpfen, weil sie mir beim Beobachten im Wege waren.

Mit einem der Algenbüschel habe ich unbeabsichtigt einen Halbwüchsigen des letztjärigen Teichnachwuchs erwischt. Es muss einer der ganz kleinen des Frühjahrs gewesen sein, denn er war erkennbar erst halbwüchsig in der Größe.

Nun weiß ich inzwischen ja aus meinen Beobachtungen, dass Macropodus ocellatus durchaus freiwillig unter Umständen gänzlich aus dem Wasser kommt, um sich zu sonnen. Ins Wasser zurück kamen sie immer durch kurze schnelle Sprünge, wenn sie gestört wurden oder einfach nur durch Abtauchen nach unten durch das flutenden Pflanzenpolster, dass sie als Sonnenplatz nutzten.
Aus den Beobachtungen damals im Kanal an den Jungfischchen weiß ich auch, dass sie sich über feuchten Schlamm mehr oder weniger auf der Seite liegend orientiert vorwärtsbewegen können.

Mir kam nun der Gedanke, an dem Halbwüchsigen zu beobachten was er macht, wenn er außerhalb des Wassers liegt. Evtl. konnte ich ja so an dem größeren Fisch genauer erkennen, wie er sich auf der Seite liegend genau vorbewegt?

Also habe ich ihn aus dem Kescher auf eine zusammenhängende Gruppe von großen Seerosenblättern schnellen lassen. Dort hat er sich dann zweimal eben wie ein Fisch an Land hochgeschnellt, aber unorientiert, wordurch er auf den Blättern blieb. Ein Seefrosch hat's aber bemerkt und kam sofort heran, so dass ich ihn nach rechts verscheuchen musste. Der Rundschwanzmakropode blieb ab da auf der Seite vollkommen ruhig auf dem Seerosenblatt liegen. Sein Kopf schaute nach rechts. Ich blieb ruhig stehen und beobachtete den unbeweglichen Rundschwanzmakropoden, immer ein Auge auf die Seefrösche, um sie davon abzuhalten sich eine Happen zu holen.
Der M.ocellatus bewegte sich nicht, lag vollkommen reglos und ich wartete vollkommen reglos, um genau mitzubekommen, wenn er evtl. auf der Seite liegend mit Wellenbewegungen versucht sich vom Seerosenblatt runter zu arbeiten - diesen Fortbewegungsmodus hatte ich bei den 15mm-20mm SL juvenilen oft auf dem Teller beobachten können, wenn ich sie dort zum Vermessen platziert hatte.

Es geschah nichts, er blieb reglos, und in meinem Kopf fing es schon an zu arbeiten, ob ich das Seerosenblatt nicht mit dem Fisch nach unten unter Wasser drücken sollte. Glücklicherweise sagte mir meine rationale Selbstkontrolle Wink aber, dass ich ja genau weiß, dass sich ein Rundschwanzmakropode in dieser Lage nicht wirklich unwohl fühlt, sich ja oft selbst in eine solche bringt, und so bleib ich halt auch reglos und stierte von oben den Fisch an, um ja nicht die kleinste Bewegung zu verpassen.
Und tatsächlich nach einer längeren Geduldsprobe dann passierte es und obwohl ich ja konzentriert den Macropodus ocellatus nicht aus den Augen ließ war ich trotdem nicht in der Lage den genauen Bewegungsablauf der plötzlich begann zu verfolgen.
Aber ich konnte genug erkennen, um wieder überrascht zu sein von diesen Fischen:
Zuerst schnellte er sich aus der mit dem Kopf nach rechts schauenden Seitenlage um 180° herum in genau entgegengesetzte Richtung und wie als wüsste er, dass die Plattform aus Seerosenblättern zu groß ist, um mit einem hochschnellenden Satz ins Wasser zu kommen oder weil er halt unbedingt nach rechts - dort hatte ich ihn übrigens auch herausgefischt - an seinen ursprünglichen Standplatz im Teich wollte, war das aber der einzige hochschnellende Bewegungsablauf.
Statt fischig weiter herumzuschnellen, ging die 180°-Wende unmittelbar in eine mit dem Auge kaum auflösbare zappelnd schlängelnde unheimlich schnelle Bewegung über, mit der sich dieser Fisch vollkommen geradlinig über eine Strecke von nachgemessen 30cm Länge über die Seerosenblattplattform in Richtung seines ursprünglichen Standplatzes zurück ins Wasser fortbewegte. Und das wirklich Besondere war, obwohl ich die zappelnde Bewegung im Detail nicht mit den Augen auflösen konnte war doch absolut eindeutig erkennbar, dass er dabei keinen Moment auf seiner Seite lag, sondern aufrecht, also auf dem Bauch liegend diese 30cm extrem schnell und geradlinig, also koordiniert über die Seerosenblätter (außerhalb des Wassers!) zurücklegte.
Ärgerlich, dass ich keine Möglichkeit habe, soetwas zeitlich hochauflösend bzw.überhaupt zu filmen.

Nun, so gibt es bisher und möglicherweise dieses Jahr zwar keine Jungen aber als Trostpflaster diese informative Beobachtung.

Rundschwanzmakropode




Verzweifelter Bürger: „Was ist Religion?“ - Religion ist das Produkt des Wahnsinns am Bewußtsein. {Elmar Kupke}