BS: Mahachai oder die Geschichte der Betta splendens Zuchtform

Quelle: Fachpublikationen

Ursprünglich am 18. Nov. 2002 von mir geschrieben im bettasplendensforum.de
Leser sollten den Hinweis unten im Kommentar beachten! B.mahachai wurde inzwischen als eigen Art anerkannt.


Der "Betta mahachai" ist in Thailand wohl ein bekannter "Kämpfer".

Die Kampffischzüchter in Mahachai betreiben die KF-Zucht noch auf traditionelle Weise,
d.h. jeder Züchter hat so seine speziellen Ecken im Betta-Biotop von Mahachai, aus dem er seine "Kämpfer" fängt.
Tiere die verloren haben, entlässt so ein Züchter üblicherweise weit entfernt von dieser Stelle wieder in die Freiheit,
während die Gewinner am Ende der Saison an den wohlgehüteten Stellen des Biotops in Freiheit entlassen werden.

Um einen besseren "Wildformkämpfer" zu erhalten, kreuzen sie dabei immer wieder den reinen Zucht-BettaSplendens-Kämpfer "Plakat Thai" in den Bestand ein,
da die Wildbetta nur max. 10 Minuten Lust auf's Kämpfen haben und der Kampf dann durch Flucht des Unterlegenen entschieden ist,
während die Zucht-Kämpfer aber bis zu 2 Stunden durchhalten.

Das es die Kämpfe seit jeher in unterschiedlichen Klassen gibt: Wildformkämpfe und Domestikationsform-Kämpfe,
versuchen sich die Wildform-Kämpfer-Züchter Vorteile zu verschaffen durch Einkreuzen der Domestikationsform.

Das wird betrieben mit Wildform Betta smaragdina, Betta splendens und Betta imbellis.
Betta splendens ist dabei die Kernform des domestizierten "Kämpfers".

Es wird also bereits seit Generationen - menschlichen - in Thailand in die Wildbestände immer wieder gezielt Betta splendens - Domestikationsform-Kämpfer - eingekreuzt.

Der Wildformbestand von Mahachai soll da einen guten Ruf als ein "Hybrider Kämpfer" haben.

Also wie schon gesagt werden die Kämpfe in Klassen durchgeführt.
Manche mögen nur Kämpfe mit Wildformen andere die mit Zuchtformen.
Weil die Zuchtformen den Wildformen aber bzgl. Kämpfen überlegen sind,
wäre ein Züchter eines Wildformkämpfers, wenn er gegen einen Zuchtformkämpfer antreten müsste, hoffnungslos benachteiligt.
Deswegen achten die Teilnehmer sehr genau darauf, ob das, was da gegeneinander antritt, auch Wildformen sind.

Nu, wie das aber so ist im Leben, wenn Prestige im Spiel ist, möchten die Züchter der Wildformkämpfer aber durchaus den Vorteil nutzen, wenn er nur nicht auffällt .
Also kreuzen sie die in der Region ansässige Wildform - im Nordosten vorwiegend Betta smaragdina, im Zentrum Betta splendens und im Süden Betta splendens und Betta imbellis - mit der Zuchtform von Betta splendens.
Und zwar nach dem Schema:
Wildform-Männchen mit Kämpferzuchform-Weibchen von Betta splendens.
Die F1 wieder mit der Wldform und die F2 auch wieder mit der Wildform gekreuzt.
Das Ergebnis ist dann äußerlich nur mehr schwer von der Wildform zu unterscheiden, gibt aber bessere Kampfresultate.

Dieses Schema gilt schon seit Ururgroßvaters Zeiten:
...the people say that they cross breed the wild caught with the Betta splendens over hundred years...1

- In Mahachai -
Die Züchter von Mahachai sind der Meinung, dass die Mahachai-Bettas ihre Hybridbettas sind.
Nun das besondere ist, viele Züchter aus Mahachai schicken ihre Fische zu den Wildform-Kämpfen im Nordosten und gewinnen dort viele Kämpfe.
Das heißt nun aber, dass die Züchter im Nordosten, wo ja Betta smaragdina die dominante Wildform ist, die Ähnlichkeit der Betta "mahachai" mit ihrer Wildform als groß genug empfinden,
um sie als ihre Betta smaragdina Form bei den Kämpfen zuzulassen.

Die traditionelle Zuchtmethode geschieht direkt in freier Wildbahn wie folgt:
Die Verlierer bei den Kämpfen werden nach einer 5-Tage-Genesungskur irgendwo wieder in die Freiheit entlassen, meist in den überfluteten Gebieten bzw. den Reisfeldern.
Die Gewinner werden in einem gut versteckten Teil des natürlichen Biotops entlassen.
Zur nächsten Saison holt man sich seinen Kämpfer wieder heraus, indem man eine Nistilfe ins Wasser am Ufer legt, die einen optimale Nistplatz für die Bettas darstellt. Die Männchen aus der näheren Umgebung werden dann alle versuchen den zu besetzen, also darum in typischer Manier konkurrieren.
Besetzen wird's dann letztlich aber der Beste der dort lebenden "Kämpfer". Laut Beschreibung ist die Nisthilfe meist schon am nächsten Tag besetzt.
Das ist die allerursprünglichste Form der Selektion.
Man bemekt, es gibt da kein Aussetzen, der Mensch bringt sich nur als deutlicher Selektionsfaktor in die natürliche Population ein.

Die etwas ausgefeiltere Methode sieht dann so aus.
An dem versteckten Platz wird ein großer Tonkrug ins Wasser gestellt,
haufenweise Pflanzen reingeschmissen und dann das Gewinnermännchen mit einem passenden Weibchen reingesetzt.
Sobald die Jungen nicht mehr betreut werden, wird einfach Wasser in den Krug geschöpft bis er randvoll ist, dann ein bisschen niedriger mit dem Krug, so dass die Fische in die Umgebung hinausschwimmen können.
Rest wie gehabt.

Die Zucht der Kämpfer wird übrigens auch bei den domestizierten Formen, also die, die nicht mehr die Freihet sehen, weder selbst noch als Nachkommen - also die typischen wie Bulldoggen aussehenden bei uns sogenannten Plakat - so betrieben, dass die Jungen immer in einem geschlossenen Pool aufwachsen, der vollständig so eingerichtet ist, wie ihre natürliche Umgebung. Ziel ist dabei, den "Kämpfer" zu zwingen, dass er seine Lebensfähigkeit unter natürlichen Bedingungen erhält, weil so agilere und schnellere Fische entstehen sollen.

Die langflossigen Formen übrigens haben mit dieser Art Zucht nichts zu tun. Deren Linien wurden auch nie gezielt auf Aggression gezüchtet, sie sind laut Beschreibung am wahrscheinlichsten als Haustiere für die Mädchen entstanden, die natürlich auch ihre Fische haben wollten. Deren traditioneller Name ist bei den Thai "Pla Kat Cheen", oder "Pla Cheen". Und in der Wohnung kommts halt mehr auf Schönheit an.

So hätten wir also unseren hübschen Kampffisch den thailändischen Mädchen zu verdanken. Die Frauen haben eben mehr Sinn für das Schöne Wink.

Betta Splendens kommt aus Thailand und die thailändische Kultur lebt mit diesen Fischen aktiv soweit man in Thailand zurückdenken kann, man könnte sagen, er ist ein Bestandteil der thailändische Kultur.
Von dort ist der Betta splendens als Kämpfer inklusive der Selektionsmethoden und Kampfregeln von Chinesischen Händlern z.B. auch nach Vietnam gehandelt worden.

Einer der wichtigsten diesbezgl. Handelsposten war übrigen Mahachai 20Km von Bankok entfernt. Er wurde früher, vor 500 Jahren, deswegen "Tha Cheen" genannt, das heißt Chinesischer Seehandelshafen.
Dort werden also viele Plakat aus ganz Thailand durchgegangen sein.
Weil Vietnam zurzeit recht isoliert ist, findet sich dort übrigens immer noch der traditionelle Plakat Morh, der so aussieht wie eine Bulldogge oder ein Panzer - sorry, das drückt meine Wahrnehmung aus, mir gefallen sie nämlich überhaupt nicht -, während in Thailand selbst dieser nicht mehr so beliebt ist und abgelöst wurde, durch eine schlankere und auch schnellere Form.
Mahachai ist eine Küstenprovinz. Es ist ein großer Mangrovenwald. Das Wasser dort ist schwärzlich und voller Schwebeteilchen.

Zu den Kreuzungen:
Aus den seit Generationen üblichen Gepflogenheiten der Züchter in Thailand ergibt sich fast zwangsläufig, dass unser domestizierter Betta splendens eigentlich ein Hybride aus den anderen lokalen Arten des Betta und dem ursprünglichen Wild-B.splendens ist mit deutlich höherem Anteil von Splendens.
Betta Splendens war die erste und Hauptform, aus der der domestizierte Kampffisch hervorgegangen ist.
Dann setzte die Hybridisierung ein, bei der die lokalen Wildformen mit Splendens angereichert wurden und diese Wildformen genetisch Einzug in die domestizierten B.splendens-Formen hielten.

Kommentare

Betta sp. Mahachai mittels mtDNA als eigenständige Art ident.

2010 wurde in einer Arbeit von Sriwattanarothai et. al1 die Fundortvariante des Betta splendens Formenkreises "Betta sp. Mahachai" als eigenständige Art identifiziert.
Die traditionelle Beschreibung der Art steht noch aus und damit eine offizielle Namensgebung.
Aus Anlass einer Diskussion möchte ich darauf hinweisen, dass diese Untersuchung aber nicht oben beschriebenem Einkreuzungsszenario in der thailändischen "Betta-Kultur" widerspricht, solange z.B. typischerweise nur die männlichen Tiere wieder ausgesetzt wurden, da die mtDNA nur über die weibliche Linie weitergegeben werden kann.

Beschreibung und Namensgebung: Betta mahachaiensis

ist inzwischen geschehen: Betta mahachaiensis
Taxon-Tag entsprechend angepasst




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