Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Aquarium

Aquarium Bestand/1529

Aquarium
Gesamtoberfläche: 100cm * 50cm
Besatz: Jungtiere Macropodus ocellatus "Inch'on Chemulpo Seoul"




Die Rundschwanzmakropden (Macropodus ocellatus) aus Korea

Am 5.4.11 habe ich ja Jungtiere der koreanischen Linie der Rundschwanzmakropoden erhalten (Bestand/1529).
Diese Tiere halte ich seitdem im Wohnzimmeraquarium, um sie beim Aufwachsen genau beobachten zu können.
Bisher fällt mir auf, dass auch diese koreanische Linie ähnlich wie die Tiere aus Guangzhou keine nenneswerte Scheu kennen verglichen mit den Kupferklan-Tieren. Während aber die Guangzhou sich nicht gerne in Krautgewirre hineinschieben, gleichen darin die Koreaner aus Inch'on eher wieder den Kupferklanern, die nichts lieber zu tun scheinen, sie schieben sich auch in Krautgewirre, wenn auch nicht so häufig. Den Guangzhou gleichen sie aber auch wieder in der Lebhaftigkeit: Sie ziehen die Bewegung dem im Kraut ruhen vor, während die Bestand/633-Tiere (Kupferklaner) das Ruhen im Kraut der Bewegung vorziehen.

Die Körpergestalt ähnelt der der Kupferklaner, also nicht hochrückig eher länglich geschmeidig, schlangenhaft. Von den Kupferklanern habe ich ein Vergleichsjungtier im Becken, ich erkenne es zwar individuell - alle unterscheiden sich natürlich individuell ein wenig, aber ansonsten würde ich sie bisher in diesem alter über die Proportionen/Gestalt nicht wirklich unterscheiden können. Im Verhalten aber ganz deutlich: Das Kupferklanerjungtier ist so gut wie nie freischwimmend zu beobachten, steckt fast immer irgendwo im Kraut, während die Koreaner fast immer freischwimmend unterwegs sind und nur ab und an im Kraut stecken.
Die Grundfärbung beim Kupferklanerjungtier ist selbst im Aquarium und obwohl es hier kleiner als die Koreaner ist immer noch dunkler als die der Koreaner.

Aber was eigentlich der Grund des Notierens ist, ist der Schreck, den die Koreaner mir heute eingejagt haben:
Am Mittag wollte ich ihnen eine neue Portion weiße Mückenlarven ins Becken geben - die "winzigen" Guppyjungen wollen sie absolut nicht fressen -. Also gehe ich gewohnheitsmäßig vorher ans Becken, um mal überall rein zu schauen, ob alles normal aussieht. Rechts hinten am Filterwassereinlauf sammelt sich immer ein dickeres Polster des Teichlebermosses (Riccia fluitans), welches durch die drin sich sammelnden Sauerstoffbläschen sich meist so bis zu 1cm über die Wasseroberfläche erhebt, und als ich in diese Ecke schaue liegt genau oben auf diesem Polster einer der größeren Koreajungtiere regunslos ca 1cm außerhalb! des Wassers wie tot.
Ich schau genauer hin, aber er regt sich nicht und ich bilde mir ein, ihm anzusehen, dass er schon leicht ausgetrocknet aussähe, kriege eine Schreck und fange an zu grübeln, was ihn denn umgebracht haben könnte.
Dass er freiwillig auf das Mosspolster aus dem Wasser gekrochen ist, um dann unfähig zu sein ins Wasser zurückzukehren konnte ich mir nicht vorstellen, also dachte ich mir, dass er sich evtl. zum Sterben in das Moospolster zurückgezogen hatte und nach seinem Tot mit dem weiter Ansammeln der Sauerstoffbläschen einfach langsam nach oben auf das Polster gehoben wurde.
Aber egal wie, er war tot und ich entschloss mich endlich, ihn herauszunehmen, um mal unter dem Mikroskop zu gucken ob mir an ihm was auffallen würde. Also will ich ihn mit den Fingern an der Schwanzflosse greifen und herausheben. Aber kaum, dass ich die Schwanzflosse berühre krieg ich schon den nächsten Schreck eingejagt: Das tote Fischlein (ca. 3cm Sl) schnellt sich mit einer sehr effizienten und für mein Auge kaum nachvollziehbaren Bewegung von meinen Fingern und dem Moospolster weg direkt ins Wasser!
Tja, er lebte und jetzt im Wasser verhielt er sich wieder nicht anders als der Rest des Koreanertrupps!

2 X Schreck = 1 X Freude, denn "Gott sei Dank", er war doch nicht an irgendetwas Unverständlichem gestorben, sondern absolut fitt und gesund.

+ Nochmal Freude, denn er hat etwas demonstriert:
Es gibt nichts in dem Aquarium, was diesen Fisch hätte aus purer Angst dazu gebracht haben könnte, das Wasser zu verlassen. Es gibt keine derartige Aggression unter den Jungfischen und selbst wären sie Adult und in Brutstimmung hätten sie in dem 250L-Becken genügend Möglichkeiten gehabt sich aus dem Wege zu gehen (auch optisch).
Es ist also sicher, dass dieser Fisch vollkommen freiwillig sich komplett aus dem Wasser begeben hat, um auf einem feuchten Moospolster 1cm über dem Wasserspiegel gemütlich und reglos rumzuliegen.
Dass die Rundschwanzmakropoden (wie manche anderen Labyrinther auch) es oft vorziehen, wenn sie die Alternative haben bequem durchs Wasser schwimmend unter einen Pflanzenstengel zu queren, lieber sich flach liegend über diesen Pflanzenstengel aus dem Wasser zu schieben, um ihn zu queren, habe ich ja schon oft in den Beobachtungen notiert.
Auch das von einem Guangzhou vor kurzem im Teich vorgeführte "Kunststück" (siehe: MOc: 02.04.11), auf ein Teichlebermoospolster hinaufzuspringen kenne ich schon. Der Guangzhou lag dabei zwar auf dem Lebermoss aber trotzdem immer noch flach von einem Wasserfilm bedeckt. Die Beobachtung von vor einigen Tagen in Teich1/2, als sich einer zum Sonnen mit dem Kopf soweit aus dem Wasser schob, dass nur noch die Kopfunterseite/Kiemenunterseite mit dem Wasser in Berührung kam konnte ich auch schon notieren.

Das hier ist jetzt aber qualitativ etwas ganz anderes:
Hier hat sich der Rundschwanzmakropode freiwillig in eine zwar feuchte aber vollkommen außerhalb des Wassers befindliche Örtlichkeit begeben: Zwischen ihm und der Wasseroberfläche war ein Abstand von ca 1cm! Seine Kiemen und erst recht sein Labyrinthorgan, sind in dieser Situation mit Sicherheit vollkommen ohne Kontakt zu umspülendem Wasser, nur der Erhalt der Feuchtigkeit ist auf der Seite gesichert, die auf dem feuchten Moospolster aufliegt, die abgewandte Seite der Kiemen sind aber dabei vollkommen ohne jeden direkten Kontakt zu Feuchtigkeit, der nicht über die Schleimhäute vermittelt wird!
Dummerweise habe ich keine Ahnung, wie lange dieser Rundschwanzmakropode es sich schon dort außerhalb des Wassers gemütlich gemacht hatte. Als ich ihn ausmachte lag er vollkommen reglos, so dass er auf mich - zusammen mit der Tatsache vollkommen außerhalb des Wassers zu sein - den sicheren Eindruck machte, tot zu sein. Bis zu dem Moment, wo ich seinen "Landurlaub" störte, um ihn unters Mikroskop zu legen - irgendwas so zwischen 1/2 Minute und 1 Minute -, machte er jedenfalls keinerlei Anstalten seinen Landurlaub abzubrechen, weil es ihn evtl. unter irgendeinen Stress wegen Trockenheit oder Problemen beim Atmen bringen würde. Er war wohl vollkommen mit der Situation zufrieden.

Was sagt mir das nun:

  • Die Art Macropodus ocellatus verlässt ab und an freiwillig und offensichtlich aus reinem Komfortaspekt - denn Beutemachen oder Angst war definitv nicht der Grund auf dem Moospolster rumzuliegen - das Wasser vollständig in eine nur feuchte "Außerhalbwasserumgebung".
  • Ihr Atemsystem (Kiemen und Labyrinth) kann sie für diese Aufenthalte - leider kenne ich nicht die Dauer - offensichtlich soweit mit Sauerstoff versorgen, dass es für sie keinen Stress bedeutet - sonst müsste schon ein wichtiger lohnenswerter Grund für diesen Einsatz vorliegen, wie Flucht, oder Beutebezahlung, aber sie legen sich nur gemütlich hin -. Und das, ohne dass Kiemen oder Labyrinth von Wasser umspült werden. Sollten sie also in dieser Situation außerhalb des Wassers sich mit Hilfe des Labyrinths mit Sauerstoff versorgen, so kann das nur der mitgenommene Luftvorrat sein - Dauer des Aufenthalts wäre spannend? - oder sie sind in der Lage ohne Hilfe des Wassers den Luftvorrat im Labyrith auszutauschen.

    Damit haben mir die Koreaner schon die erste wirklich interessante Beobachtung ermöglicht.






    Beobachtung im Teich

    Grau bedecktWolkenlückenNormaler Regen
    TW: 13°C - 13°C
    OW: 13°C - 18°C
    Siehe Teichprotokoll

    Im Teich 1/2 scheinen die Männchen langsam mit Revierbildungen zu beginnen.

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    Bilder vom Vortag




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