Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Teich

Heiter
TW: 7°C - 9°C
OW: 7°C - 9°C
Siehe Teichprotokoll

Heute war im Teich 1 ein wunderschönes Rundschwanzmakropodenmännchen unterwegs. Es war am Hinterkörper dunkelbraun mit einem leuchtend roten Schwanz. Aber trotz dieses leuchtend roten Schwanzes löste es sich vor dem Hintergrund fast ins unsichtbare auf, als es über Eichenfalllaub schwamm. Über dem bräunlich roten Laub löste der dunkelbraune Rücken und der rote Schwanz die Körperkontur in ein Nichts auf.

Juvenile Rundschwanzmakropoden (Macropodus ocellatus) aus den 15mm bis 20mm SL Größenklassen waren auch einige unterwegs, sowohl in Teich 1 wie in Teich 2.

Froschlaich tötet juvenile Rundschwanzmakropoden

Heute gab's eine ziemlich überraschende Entdeckung!
Wie am 25.03.11 geschrieben wunderte ich mich, warum bei Eis mehr Jungfische der Rundschwanzmakropoden im Teich zu sehen waren als jetzt im wärmeren Wetter. Das Phänomen hat sich heute wohl geklärt.

Die Rundschwanzmakropoden suchen zum Schlafen - ob zur Nacht oder wegen ungünstigen Wetters - schlammige, weiche oder engkrautigen Massen auf wie Bodenmulm, matschige Algenwatten oder ähnliches. Dort bohren sie sich mit Schwanzschlägen hinein, um darin verankert unsichtbar und unzugänglich für andere zu schlafen. Als die Frösche gelaicht hatten konnte ich einen 15mm SL juvenilen Rundschanzmakropoden dabei beobachten, wie er versuchte sich in diese Masse hineinzuarbeiten. Offensichtlich fand er den schwabbeligen Froschlaich als einen attraktiven Schlaf- und Ruheplatz. Er war aber zu schwach, um die Masse zu durchdringen und ließ es dann sein.

Heute habe ich mir nun an einer Stelle den Froschlaich genauer ansehen wollen, um festzustellen, wie weit die Kaulquappen drin schon entwickelt sind. Da sehe ich auf dem Laich einen toten juvenilen Rundschwanzmakropoden liegen. "Schade", dachte ich, "da ist einer der kleinen gestorben und vom Wind hier raufgeschwemmt worden". Als ich ihn vom Laich nehmen will, merke ich, er hängt daran fest. Ich muss also genauer ran und da sehe ich auf einmal im Froschlaich noch mehr junge Macropodus ocellatus, und zwar mitten drin. Mit viel Mühe puhle ich alle die ich in diesen 10cm*10cm sehe aus dem Froschlaich heraus. Es sind 8! Stück, alle tot!
Ich hab' sie alle ausgemessen: Jeder so ziemlich genau 20mm SL lang. Keine der kleineren von 15mm SL und auch keine größeren.

Damit erklärt sich nun die klare Abnahme bei den juvenilen M. ocellatus gegenüber der Zahl die erfolgreich durch den Winter gekommen sind.
Wie ja schon geschrieben, sehe ich kaum noch juvenile in der Größe um 20mm meist nur noch kleinere, also um 15mm oder größere.

Wie erkläre ich mir das nun?
Wie oben gesagt: Der Froschlaich wirkt auf die Rundschwanzmakropoden als ein sehr attraktiver Schlafort, in den sie versuchen sich hineinzuarbeiten und zum Schlafen zu verankern.
Problem ist nur, das sind keine matschigen Algenwatten oder wabbeliger Schlamm/Mulm. Stecken sie einmal drin, können sie ihre Schwanzflossenschläge nicht mehr in Vortrieb umsetzen, um sie herum wabbelt dann nur noch die zähe Schutzmasse des Froschlaichs und das war's dann für den M.ocellatus. Selbst ich habe die toten nur mit großer Mühe aus der Masse entfernen können.

Nun scheint es so zu sein, dass die Jungfische mit 15mm, wie von mir beobachtet, noch zu schwach sind, sich überhaupt erfolgreich in diese Masse hineinarbeiten zu können, wodurch sie nicht in dieser Falle enden. Die 20mm großen haben offenbar aber genügen Kraft, ihren Traumschlafplatz zu erobern, bezahlen diesen Traum dann aber mit ihrem Leben, weil sie nicht mehr raus kommen.
Warum ich keine noch größeren darin finde oder gar adulte liegt möglicherweise daran, dass sie schon genügend Kraft und Länge haben, sich rückwärts wieder herauszuackern, wenn der Kopf weit genug drin steckt, um zu merken, dass es kein kuscheliger Schlafplatz sondern eine besitzergreifende zähe tötliche Masse ist. Oder ihre Körpergestalt ist bereits so hochrückig, dass sie deswegen nicht mehr in die Masse vordringen können.

Einmal drin hätten sie nur eine Chance wieder rauszukommen, wenn sie Beine hätten wie es die Bergmolche vormachen. Diese arbeiten sich nämlich auch in diese Masse hinein, um die Kaulquappen aus ihren Schutzhüllen herauszufressen. Sie setzen dazu aber ihre Beine erfolgreich ein. Aber auch für die Bergmolche ist dieses erkennbar ein ziemlicher Kraftakt, der sich aber wohl lohnt.
Die Rundschanzmakropoden haben aber nur ihre Flossen und stecken damit hilflos fest.

Es gibt aber immer noch jungen Rundschwanzmakropoden, die bisher nicht in diese Kuschelfalle gegangen sind.
Ich bin gespannt wieviele bis Ende April letztlich dann diese Falle vermeiden konnten, genauso wie ich gespannt bin, wieviele Kaulquappen dem Bergmolchappetit entgehen werden und danach dem der Großlibellenlarven und des Gelbrandes. Es werden wohl genügend sein wie bisher auch. Und auch bei den Rundschwanzmakropoden gehe ich davon aus, dass einige der Jungen der Froschlaichfalle entgehen werden.

Aber es ist schon erstaunlich zu sehen, dass entgegen der Erwartung selbst 15mm SL kleine Rundschwanzmakropoden überhaupt kein nennenswertes Problem mit zugefrorenem Wasser haben und zahlreich durch diesen langen Winter gekommen sind, um dann wieder genauso unerwartet in nun recht warmem Wasser von 7°C bis 10°C, wo sie komfortabel auskommen könnten zahlreich den Tot im Froschlaich zu finden (aus 10cm X 10cm Froschlaich habe ich 8 Stück herausgepuhlt).

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Bilder zum Thema Froschlaich

finden sich unter: MOc: 27.03.11




Die dümmsten Märchen nennt man Religion. {Erhard Blanck}