Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Aquarium

Aquarium Bestand/623

Aufteilung
In zwei Abteile aufgeteiltes Aquarium: links A-Abteil, rechts B-Abteil
Gesamtoberfläche: 100cm * 50cm
Ganz links: Filterschwamm
Mitte: Abteiltrennwand aus Filterschwamm oben an der Frontschweibe mit dem einzigen schmalen Durchgang.
Besatz: 2.2 Macropodus ocellatus,das Pärchen aus den zwei größeren Tieren ist das A-Abteil-Pärchen, die zwei kleinere Tiere sind das B-Abteil-Pärchen.
Die Tiere sind alle über Körperform oder Grundfärbung gut individuell unterscheidbar. So unterscheidet sich das A-Weibchen in Nichtimponierfärbung von B-Weibchen deutlich durch viele sommersprossenartig über den Körper verteilten rußig dunklen unregelmäßigen Flecken.
Der Boden ist flächendeckend dicht mit einer 25cm-30cm hohen Krautdecke bewachsen. Dorthin ziehen sich die Weibchen meist vor den Männchen zurück.





Seit gut einer Woche hat sich das Verhalten des A- und B-Paares (MOc: 27.02.10) geändert:

  • A-Paar:
    Das relativ symmetrische Verhalten - A-Männchen und A-Weibchen beide schön dunkel imponiergefärbt, beide spreizen sich an und beide zeigen gleichzeitig das Schwanzunten-Schwanzwedeln wie ein Tanz - hat sich vollständig aufgelöst.
    Das Weibchen ist nicht mehr imponiergefärbt, es hält sich so gut wie gar nicht mehr im A-Abteil auf.
  • B-Paar:
    Das B-Männchen ist jetzt wohl auch soweit herangewachsen, dass es zum A-Männchen konkurrenzfähig geworden ist. Es ist jetzt wie das A-Männchen meist mehr oder weniger imponiergefärbt und behauptet jetzt den Platz im B-Abteil, d.h. das A-Männchen kommt nicht mehr selbstbewusst ins B-Abteil zu Besuch, sondern recht Vorsichtig.
  • Die normale Verteilung sieht jetzt also so aus:
    A-Abteil mit A-Männchen meist allein.
    B-Abteil mit B-Männchen und den 2 Weibchen.
    Die Weibchen nicht mehr imponiergefärbt halten sich fast nur in der unteren Hälfte des Wasserraumes auf zwischen den dicht wachsenden Bodendeckerpflanzen. Nach oben trauen sie sich meist nicht mehr.
    Beide Männchen sind inzwischen relativ grob, rauh den Weibchen gegenüber. Das "freundlich" einladende Verhalten des A-Männchens hat sich nun dem vom B-Männchen schon immer gezeigten "Rüpelverhalten" den Weibchen gegenüber angeglichen.

    Beide sind nun fest etabliert in ihrem jeweiligen Abteil.
    Gestern waren an der gesamten Wasseroberfläche des A-Abteils Luftblasengrüppchen unregelmäßig verteilt. Es könnte sein, dass sie vom A-Männchen erzeugt wurden - sehen konnte ich es dabei aber nicht - oder sie stammen schlicht aus der Assimilation des Moses links?
    Da nun offensichtlich das Verhalten der 4 auf Grund der Enge in dem Meterbecken sich auf das elementarste Grobverhalten reduziert hat, werde ich wohl, sobald das Teichwasser eine akzeptable Temperatur aufweist und die "Alt"-Insassen sich vom Winter "erholt" haben das A-Pärchen in den Teich aussiedeln.
    Dann hat das B-Pärchen das Becken für sich allein, so dass beide sich optisch gut in den jeweiligen Abteilen zurückziehen können.
    Ich gehe davon aus, dass sich das Verhalten dann wieder differenzierter zeigen wird und ich vielleicht bis zum Frühsommer noch einige interessante Beobachtungen machen kann. Evt. wieder gemeinsames Schwanzwedeltanzen und - das wäre die Höhe - eine Brutpflege mit erkennbarer Eiklumpenpflege wie sie von Herrn Dr. Vierke beschrieben wird.
    Spätestens im Frühsommer kommen sie dann aber auch in den Teich, um sich bis zum Winter darin eingerichtet zu haben.
    Von den Teichjungen werde ich dann jeden Winter ein Paar in Aquarium nehemen zwecks Nahbeobachtungen, die im Teich nicht machbar sind.

  • Anschreien:
    Eben konnte ich eindeutig wieder das zumindest "optische" Anschreien beobachten:
    Das A-Männchen kam zum Eingang ins B-Abteil, blieb kurz stehen und schlich sich dann die Matte entlang nach hinten in diese fremde Abteil, während das B-Männchen mal wieder beschäftigt war über den Pflanzen die Weibchen, die rausgucken in die Büsche zu scheuchen.
    Als es damit fertig war sah es das A-Männchen in seinem Abteil. Sofort wurden die Flossen von beiden Gespreizt und das A-Männchen kam zögernd Mutig auf das B-Männchen spreizend zugeschwommen. B-Männchen war aber der Meinung, das Spreizen nicht mitmachen zu wollen und richtete sich in einem Knick mit Kopf auf das A-Männchen zu aus und spreizte beide Kiemendeckel.
    Kurz darauf zog sich A-Männchen schnell in die entfernteste Ecke des B-Abteils hinten oben links zurück. Beide spreizten weiter
    und dann plötzlich kam das A-Männchen aus dieser Ecke links oben hinten gradlinig auf das B-Männchen mittig rechts vorne durch die ganzen Abteilbreite zugeschossen und rammte dieses entweder in die Seite oder aber blieb unmittelbar vor der Berührung plötzlich stehen - war nicht genau zu erkennen -. In dem Moment des abrupten Stehenbleibens drehte es dann spitzwinklig ab, wie reflektiert, und eilte sofort in sein eigens Abteil weg.
    Was sehr deutlich zu sehen war:
    Beim Stoppen im spitzen Winkel stiegen wieder deutlich eine Reihe Luftblasen in kurzem Abstand aus seinem Maul. Wie als habe er die Luft verwendet für einen kurzen "Anschrei"!
    Es ist schade, dass ich kein geeignetes und dauerinstalliertes Mikrofon habe. Ich bin nahezu überzeugt, dass diese Luftblasen mit einem Geräusch verbunden sind, welches die M.ocellatus als ein Drohen zur Einschüchterung verwenden.
    Bisher war es auch immer so, dass es im Moment des abrupten Stoppens nach einem hochbeschleunigten frontalen Angriffs-"lauf" wie als Abschusssignal ausgestoßen wird.



  • Wissenschaft ist der Glaube an die Unwissenheit der Experten. {Richard Feynman}