Der Hexenwahn vom 15. bs zum 17. Jahrhundert war keine Ausgeburt des finsteren Mittelalters, war keine kollektieve Manie, es war stattdessen eine von Gelehrten! kräftig propagierte Theorie.
Das Verbreitungsgebiet des Rundschwanzmakropoden (Macropodus ocellatus) erstreckt sich von Nordost-China über Korea und Japan (angesiedelt?) zwischen dem Heilong-Jiang- (Amur-)Entwässerungssystem im Norden bis in die Provinz Zhejiang südlich von Schanghai und möglicherweise sogar bis runter zu den Flüssen Zhu-Jiang (Guangzhou nördlich von Hong-Kong) im Süden. Es wird vermutet, dass die Vorkommen aus dem europäischen Teil des Amur-Entwässerungssystems auf Aussetzungen zurückgehen.
Das Ursprungsgebiet der Art Macropodus ocellatus dürfte in diesem riesigen Flachland zwischen Korea und China zu lokalisieren sein (Mit der Maus in obiger Karte links von Korea auf das gelbe Meer zeigen lässt dieses Eiszeitliche Flachlandgebiet erscheinen). Es wurde bestimmt durch ein einziges gewaltiges Flusssystem, das des Huang He, welcher über die Bohai-Bucht und durch die Länge des jetzigen Gelben Meeres seine Wassermassen in den Ozean entlud. Selbst der Jangtse war zu dieser Zeit nur ein Zufluss des HungHe! Im Norden südlich des Amur floss der SonghuaJiang statt wie jetzt bei Harbin nach Norden in den Amur schwenkend weiter südlich und bildete einen Zufluss des LiaoHe, welcher sein Wasser weiter in den Süden transportierte, bis er es in der Bohai-Bucht als Zufluss dem HuangHe hinzufügte. Von Osten her lieferten alle westkoreanischen Flüsse ihre Wasser beim HuangHe ab mit Ausnahme des nördlichsten, dem Apnok. Der Apnok floss statt wie jetzt in die koreanische Bucht nach Norden auf der jetzigen Spur des Songhua Jiang in den Amur. Im Süden endlich floss dann der Jangtse als letzter in den Ur-HuangHe. Die Rundschwanzmakropoden vor 10 tausend Jahren konnten in diesem riesigen Flachlandfeuchtgebiet, welches von der Mandschurei nördwestlich von Harbin bis hinunter zum Jangtse reichte nahezu vollkommen frei migrieren, wodurch sich ihre jetzige relative Einheitlichkeit von Korea bis zum Jangtse zwanglos erklären könnte. Als dann der nacheiszeitliche Meeresspiegel auf das heutige Niveau anstieg, verloren sie den größten Teil ihre Lebensraumes und wurden in dessen ursprüngliche Randgebiete zurückgedrängt, wo sie heute in scheinbar immer getrennten Flusssystem im Norden bei Harbin, im Westen von Korea und in China weiterhin anzutreffen sind.
wobei beide Arten sich die selben Lebensräume in der Profinz She-Jian teilen sollen. Bewegt man sich in dieser Profinz nach Norden - also weiter in die klimatisch gemäßigten Gebiete, nimmt die Häufigkeit von Macropodus ocellatus zu und die von Macropodus opercularis ab und umgekehrt.
In chinesischen Foren von Zierfsch- und Naturliebhabern ist die Verbreitung der M. ocellatus von der Jangtse-Linie (hier vertreten durch Shanghai) bis hoch nach Harbin mit Fangfotos von Rundschwanzmakropoden recht glaubwürdig absicherbar. Aus südlicheren Gebieten wie bis runter nach Guangzhou konnten ich keine absichernden Fangfotos in solchen Foren finden. Ein so weit nach süden behauptetes Vorkommen finde ich also nur in hiesiger Literatur, was ich als fraglich empfinde, wenn durch Recherche in chinesischen Foren, wo gezielt nach fotodokumentierten Fangnachweisen durch die Mitglieder gesammelt wird, keine so südlichen Vorkommen bestätigt werden können. Die bei mir gepflegte Teichpopulation der Macropodus ocellatus "Mimbon Guangzhou 2010" wurde von Mimbon über Guangzhou importiert. Dies bedeutet nicht! zwangsweise, dass diese Wildfänge aus der Guangzhou-Region stammen, aber aus Wirtschaftlichkeitsüberlegungen heraus darf plausibel angenommen werden, dass für den Fang kurze Transportwege eingehalten werden und diese Tiere also mit recht hoher Wahrscheinlichkeit aus den südlichsten Verbreitungsgebieten dieser Art stammen, also wenigstens aus dem südlichen Entwässerungssystem des Jangtse. Die fragliche Verbreitung bis Guangzhou wird in folgender Tabelle durch "-----" ausgedrückt, während die gesicherte Verbreitung durch "====" dargestellt ist.
| =====|| | ||||||||||||||||||||||||
Unterer Jangtse |
Unterer HuangHe |
Songhua Jiang |
||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
bei HongKong |
(Jangtse-Linie) |
(Jiangsu) |
(Shangdong) Regio JiaYue |
(Deutschland) War sehr kalt |
||||||||||||||||||||
| Min | Max | Min | Max | Min | Max | Min | Max | Min | Max | Min | Max | Min | Max | Min | Max | |||||||||
| Mittelw. | ||||||||||||||||||||||||
| Mittelw. | 10°C | 21°C | 2°C | 11°C | -4°C | 6°C | -2°C | 3°C | -8°C | 3°C | -14°C | -5°C | -18°C | -7°C | ||||||||||
| Mittelw. | ||||||||||||||||||||||||
| Mittelw. | 9°C | 17°C | 0°C | 7°C | -1°C | 5°C | -7°C | 4°C | -6°C | 1°C | -10°C | 2°C | -19°C | -8°C | -24°C | -11°C | ||||||||
| Mittelw. | ||||||||||||||||||||||||
| Mittelw. | 27°C | 33°C | 25°C | 30°C | 23°C | 30°C | 21°C | 30°C | 13°C | 25°C | 19°C | 29°C | 16°C | 27°C | 14°C | 26°C | ||||||||
Aufgrund der Temperaturtoleranzen dieser Art, die selbst wochnenlanges Leben unter geschlossener Eisdecke ermöglicht, und nicht zuletzt auch aus den wiederholten Erfahrungen der aquaristischen Haltung, die gezeigt hat,
dass die Art Macropodus ocellatus bei zu gleichmäßig warmer Haltung ohne Überwinterung bei niedrigeren Temperaturen krankheitsanfällig und kurzlebig wird,
sollte man annehmen, dass ihr Herkunfts- bzw. Entwicklungsgebiet im gemäßigten Klima liegt.
Seine südliche Grenze sollte mit den südlichen Zuflüssen des Jangtse nach Süden begrenzt sein, also am Übergang vom gemäßigten zum subtropischen Klima.
Aktuell wird das Verbreitungsgebiet der Art aber bis hinunter zum Perlfluss (Guangzhou/Honkong) angegegeben.
Laut Paepke1 beschreibt Kimura 1935 in "The Freshwater Fishes of the Tsung-Ming-Island" das Verbreitungsgebiet noch entsprechend obiger Erwartung als von der Mandschurei bis hinunter zum Einzugsgebiet des Jangtse.
Südlichere Vorkommen scheinen ihm also nicht bekannt gewesen zu sein.
Laut Prof. Chen Yiyu an H. Paepke soll das heutige Verbreitungsgebiet sich aber südlich bis zum Perlfluss (~Guangzhou) ausdehnen inklusive Taiwan.
Nun, aufgrund KIMURA 1935 und der Tatsache,
dass der Rundschwanzmakropode auch heute noch oft mit anderen Makropodenarten verwechselt wird,
sowie auf Grund seiner klimatischen Spezialisierung betrachte ich seine natürliche Verbreitung bis in das Perflusssystem als unsicher.
Ich hatte daher schon 2009 die chinesischen Fischseiten und Foren nach Fotografien von Rundschwanzmakropden durchforstet,
die vom jeweiligen Autor im Perlfluss-Gebiet gefangen wurden.
Das Foto mit dem südlichsten Vorkommen, das ich finden konnte, war aber aus dem Gebiet Jinhua,Provinz Zhejiang und damit aus den südlichen Zuflüssen des Jangtse.
Ich hatte nur Aussagen mit Foto berücksichtigt, um auszuschließen, dass eine Verwechslung mit einer gabelschwänzigen Makropodenart vorliegt.
Die Fotos auf Basis eigener Fänge der Autoren die ich damals finden konnte umfassten
ein Gebiet mit den Grenzen:

Der Hexenwahn vom 15. bs zum 17. Jahrhundert war keine Ausgeburt des finsteren Mittelalters, war keine kollektieve Manie, es war stattdessen eine von Gelehrten! kräftig propagierte Theorie.
Kommentare
Separation M.opercularis, M.ocellatus nach höherer Lage
Dort wo M.opercularis und Macropodus ocellatus überschneidende Verbreitung haben separieren sie sich oft nach:
M.opercularis : Höhere Flusslagen
M.ocellatus : Niedrigere Flusslagen.
Ein Grund für diese beobachtete Separation könnte z.B. schlicht in der unterschiedlichen Endgröße dieser beiden Arten liegen.
So ist mit einer SL bis zu 6cm der Rundschwanzmakropode ein gutes Stück kleiner als der Gabelschwanzmakropode mit eine SL bis zu 7cm und auch von der Statur ist der Gabelschwanzmakropode hochrückiger und damit klar voluminöser als der Rundschwanzmakropode.
Nach Wolter, Arlinghaus1 und anderen Untersuchungen wächst die absolute Schwimmgeschwindigkeit mit der Körpergröße und kleinere Fische kommen bei Höchstgeschwindigkeit schneller in den anäroben Bereich als größere Fische2 (außer ganz kleine wie Larven, diese bleiben immer im äroben Bereich).
Auch ist die darüber mitbestimmte Schwimmperformance ökologisch wirksam, indem sie Restriktionen für die besiedelbare Fließgeschwindigkeit eines Gewässers für eine bestimmte Fischart/Fischgröße setzt.
Niedrigere Flusslagen sind typischerweise langsam fließender als höherer Flusslagen.
Rundschwanzmakropoden sind kleiner und weniger voluminös als Gabelschwanzmakropoden.
Entsprechend könnten die Rundschwanzmakropoden über ihre durch die geringere Körpergröße geringere Schwimmperformance bei Strömungsgeschwindigkeiten schon an ihr ökologisches Limit stoßen, wo die Gabelschwanzmakropoden immer noch gut zurecht kommen.
Die Gabelschwanzmakropoden sollten daher die oberen Flusslagen für sich haben.
Damit allerdings die Rundschwanzmakropoden, wie scheinbar beobachtet - sie separieren sich über diese Lagen -, die unteren Lagen für sich haben bräuchte es etwas, was den Rundschwanzmakropoden dort einen Vorteil gegenüber den Gabelschwanzmakropoden verschafft. Die Schwimmperformance hilft da nicht.
"Navigation impacts on freshwater fishe assemblages, the ecological relevance of swimming performance",
Reviews in fish biology and fisheries, vol. 13, 2003.
"Limits to exhaustive exercise in fish",
Comparative Biochemistry and Physiology , vol. Part A 126, 2000.