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Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Teich

Sonnig, strahlendes Sonnenwetter
TW: 14°C - 16°C
OW: 13°C - 19°C
Siehe Teichprotokoll

Heute hat das kühle aber sonnige Wetter die Macropodus ocellatus (Rundschwanzmakropoden) aus ihren Verstecken gelockt. Überall waren adulte sowohl vom Grauklan wie vom Kupferklan unterwegs zu sehen.

In den letzten Tagen sind sie so gut wie nicht sichtbar gewesen.
Da ich nicht in der Lage bin, zu überprüfen, was die Adulten in den Tagen machen an denen sie verschwunden sind, habe ich - wie ja am 04.09.10 notiert ein Kunststoffgatter im Teich eingerichtet, in dem ich die letzten Jungadulten aus dem Aquarium als Kontrollgruppe gesetzt habe.
Wenn die im Teich frei schwimmenden Rundschwanzmakropoden in die Unsichtbarkeit verschwinden, kann ich nur vermuten, was sie zu dieser Zeit tun. Ich kann auf Grund der Beobachtung am 09.05.10 vermuten, dass sie in einem schlafähnlichen Zustand das schlechte Wetter überbrücken, es könnte aber auch sein, dass sie weiterhin aktiv sind, nur scheuer oder tiefer im Wasser oder sonstwie schaffen trotz Aktivität nicht mehr sichtbar zu sein.
Da es zu verführerisch ist, anzunehmen, sie seien inaktiv und das entsprechend den zuverlässigen Beobachtungen des Verschwindens bei grauem Wetter gibt es jetzt seit Monatsanfang die Kontrollgruppe im Gatter, die leicht zu Beobachten ist.
Da diese Tiere im Teich unter gleichen Bedingungen - bis auf die eingeschränkte Bewegungsfreiheit - existieren wie die frei schwimmenden, kann ich in´m Gatter beobachten, ob die verschwundenen frei schwimmenden in einem Schlafzustand gegangen sind oder nicht, denn dann dürften wohl die Tiere im Gatter auch in einen solchen wenigstens zum Teil verfallen.
Sind die Freischwimmer also verschwunden, und die im Gatter weiterhin aktiv, so ist es wohl plausibel, dass auch die verschwundenen Freischwimmer nicht "schlafen" sondern aktiv sind und ihre Aktivität einfach so verlegt haben, dass sie nicht mehr beobachtbar sind, also tieferes Wasser, größere Scheuheit, deckungsbedachtere Bewegung.

Bisher hat sich in diesem Monat eigentich immer die Kontrollgruppe aktiv gezeigt. Sie waren nie inaktiv, jedoch ei schelchtem Wetter tatsächlich Deckungsorientierter.
Damit gilt also, dass die Annahme in früheren Notizen, dass sie Schlechtwetterphasen recht zuverlässig inaktiv überbrücken wahrscheinlich nicht richtig. Die einzige verlässliche und sichere Beobachtung einer Schlafphase war bisher die vom 04.09.10!
Es ist also nach wie vor nicht klar, warum sie damals sich zum Schlafen in Algen verankert hatten! Sonne ja/nein ist dafür zu einfach und stimmt entsprechend nicht.

Was aber gilt ist, dass Sonne sie sichtbarer und weniger schreckhaft aktiv macht.

Sonst gilt auch heute:
Keine Revierorientierung oder Balzhandlung zu erkennen.

Aber etwas anderes lässt mich wundern:
Ich habe heute Abend gleich so ca. 10 junge Rundschwanzmakropoden von 10mm SL am Ufer unterwegs gesehen.
Zwei habe ich gefangen und dabei festgestellt, dass die 15mm - 20mm SL großen Jungfische voll beweglich und sehr schnell flohen während die Tiere von 10mm SL stark schlängelnd flohen und sichtlich vom 13°C - 15°C kühlen Wasser behindert waren!
In dieser Größe vertragen sie das kühle Wasser also noch schlecht.
Wie können aber jetzt noch so kleine Jungfische rumschwimmen?
Seit 46 Tagen (46d) am 03.08.10 habe ich kein Anzeichen mehr von Revieren oder Balz gesehen!

Ich habe von Rundschwanzmakropoden leider keine temperaturbezogenen Wachstumsdaten aber aus Paepke1 Anhaltspunkte für Macropodus opercularis (Paradiesfisch).
Unter der Annahme, dass bei ausreichend Futter das Wachstum von der Temperatur bzw. die Größe von der jeweiligen Temperatursumme abhängt - im Juvenilalter - und die Verhältnisse bei Gabelschwanz- und Rundschwanzmakropoden vergleichbar sind, kann ich daraus die für 10mm Länge benötigte Temperatursumme berechnen:
ca. 13d * 24°C = 312°Cd bei 10mm Länge.

Laut den protokollierten Temperaturwerten im Teich haben wir über die letzten 30 Tage eine mittlere Tageswassertemperatur von 14°C.
Wenn die jetz 10mm Langen Fischchen im Teich dazu also eine Temperatursumme von ca. 312°Cd benötigt haben,
dann müssten sie vor rund:
22d ~ 312°Cd / 14°C
aus dem Nest gekommen sein.
Das wäre dann am 27.08.10!
Erstaunlicherweise verzeichnet das Temperaturprotokoll auch vom 22.08.10 bis zum 27.08.10 eine kurze Warmphase mit Wassertemperaturen zwischen 18°C und 23°C wobei der 27.8.10 der letzte Tag mit 20C Tageswassertemperatur war.
Ich habe in dieser Zeit zwar keinerlei Anzeichen von Revierverhalten oder Brutpflege/Balz gesehen aber von den Wassertemperaturen passt der zurückgerechnete Termin über die Temperatursumme erstaunlich gut und ist absolut plausibel.

Sie dürften also dieses kurze Aufflackern der Wassertemperatur auf 18°C bis 23°C für knapp 5 Tage tatsächlich sofort für eine Brut genutzt haben.
Allerdings denke ich, dass die Tiere dieser letzten Brut, wenn das Wetter nicht noch für länger deutlich wärmer wird nur eine geringe Chance haben den Winter zu überstehen.
Es zeigt aber, dass Macropodus ocellatus in der Lage ist selbst nur ganz wenige Tage mit sonnigem Wetter in eine erfolgreiche Brut umzusetzen.

Sie benötigen also wirklich keine besonders warmen Sommer oder besonders lange sommerliche Warmphasen. Eine lurze Periode von 4 oder 5 Tagen mit 22°C - 23°C Lufttemperatur (wie am 27.08.10) inmitten eines sonst feucht kühlen unfreundlichen Wetters reicht zur Vermehrung.
Wichtig scheint nur zu sein, dass diese Phasen ausreichend früh im Jahr verfügbar sind, damit die Jungtiere bis zum Wintereintritt 15mm - 20mm SL erreicht haben.

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Bilder

8mm SL
9mm SL



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