Mesocricetus auratus (Goldhamster)

Quelle: Fachpublikationen

Der Syrische Hamster (Mesocricetus auratus (Waterhouse 1839))
oder auch Goldhamster

gehört zur Gattung der Mittelhamster. Sein nächster Verwandter ist der Kaukasisch-Gregorische Hamster Mesocricetus raddai. Der Goldhamster ist heimisch in der fruchtbaren und vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Hochebene bei Aleppo in Nordsyrien.

Diese Region ist durch ein Kontinentalklime geprägt mit dafür typischen größeren Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und im Jahresverlauf. Das Niederschlagsaufkommen ist gering, weswegen die Felder auf denen diese Hamster leben von den Bauern bewässert werden müssen. Die Tagestemperaturen schwanken im Sommer z.B. zwischen 38°C am Tag bis 6°C vor Sonnenaufgang. Der Winter bringt nasskalte Tage und im Mittel 35 Frosttage mit absoluten Minimaltemperaturen bis zu -9°C. Diese kalte Zeit verbringt der Goldhamster im verschlossenen Bau, lebt von den gespeicherten Vorräten und wird von Zeit zu Zeit auch in Winterschlaf fallen.
Goldhamster


Lebensraum

Der Goldhamster ist ein Tier der fruchtbaren steppenartig offenen Landschaft. Dort lebt er bevorzugt in den wasserhungrigen Kulturen mit Getreide, Erbsen, Linsen, Melonen, Gurken usw. Wegen des sommer-trockenen Kontinentalklimas müssen diese Felder aufwendig bewässert werden. Er lebt nicht in Halbwüsten oder Steinsteppen, wie in der (Hobby)-Literatur oft behauptet wird.

Verhalten

Goldhamster sind Einzelgänger, die außer zur Paarung, in ihren Bauen und Revieren alleine leben. Finden Revierbesitzer Baue fremder Goldhamster in ihrem Revier, so plündern sie diese Baue, tragen also den Vorrat in den eigenen Bau ein und zerstören daraufhin gezielt die Fremdbaue, indem sie mit den Vorderpfoten Erde unter den Bauch schieben und diese mit den Hinterpfoten nach hinten schieben. Auf diese Weise transportieren sie Erde in die Fremdbaue und verfüllen deren Kammern und Gänge.

Begegnen sich Goldhamster im freien Feld, so gehen sie sich aus dem Weg oder es gibt Streit.

Die Weibchen leben mit ihren Jungen im Bau bis der Nachwuchs ca. 4 Wochen alt ist. Aber nicht die Jungen verlassen den Bau zu dieser Zeit, sondern die Mutter überlässt den Bau ihren Jungen und gräbt sich selbst anderswo einen neuen.

Die Aktivitätszeit der wild lebenden Goldhamster beginnt 2 bis 3 Stunden vor Sonnenuntergang. Dann durchstreift er sein Revier auf Nahrungssuche. Weibchen ziehen sich während der Nacht dann wieder in ihren Bau zurück, während die Männchen die ganze Nacht auf den Beinen bleiben und nach einer Partnerin suchen. Dabei durchstreifen sie die Reviere mehrerer Weibchen. Morgens, wenn die Sonne aufgeht, kommen die Weibchen wieder für einige Zeit aus ihrem Bau, dann geht's wieder zurück, um den Rest des Tages bis zum Nachmittag im Bau zu verschlafen.

Der Erdbau des syrischen Hamsters

Der Bau des Goldhamsters ist verglichen mit dem europäischen Feldhamster einfach strukturiert. Er wird in tiefgründig lehmigem Boden angelegt und die flachsten haben eine Tiefe von rund 40cm während die tiefsten bis ca. 1m Tiefe ausgemessen wurden. Im Mittel sind die Baue 60cm bis 80cm tief. Alle Baue haben einen einzigen Ein- bzw. Ausgang, welcher als Fallröhre mit einem Durchmesse von rund 5cm gestaltet ist. Diese Fallröhre führt 18cm bis 45cm senkrecht in die Tiefe und mündet über einen leicht schräg weiter in die Tiefe führenden Gang direkt in die Nestkammer. Die Mittlere Länge des vollständigen Gangsystems beträgt 2m und kann sich in Extremfällen bis zu einer Länge von 9m ausdehnen. Außer der Nestkammer besitzt der Bau noch wenigstens eine Vorratskammer. Die Nestkammer selbst misst zwischen 10cm und 20cm im Durchmesser und befindet sich typischerweise in einer Tiefe von rund 60cm. Sie enthält ein kugeliges Nest, welches aus trockenem Pflanzenmaterial erstellt ist. Von der Nestkammer führen wenigstens 2 Tunnel fort. Einer davon ist als blinder Tunnel (Sackgasse) ausgelegt und dient als Urinat. Die anderen Tunnel führen weiter in die Tiefe und zumeist zu Vorratskammern.

Ein bewohnter Bau ist normalerweise durch einen Erdpfropfen in der Fallröhre bei einer Tiefe von etwa 22cm zu erkennen.




Niemand köpft leichter als jene, die keine Köpfe haben. {Friedrich Dürrenmatt}