Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf. {Theodor Fontane}

TW: 3°C - 3°C
OW: 0°c - 0°C
Eisabdeckung: 2cm Eis bis auf den "Schaufensterbereich" nach wie vor flächendeckend
Siehe Teichprotokoll
Heute vormittags 11:00h hat das Tauwetter den Schaufensterbereich (relativ gut durchsichtige, daher dunkle Eisfläche) eisfrei getaut.
Folge ist, dass ich jetzt nicht nur wie gestern und in den vergangenen Wochen erkenne kann was relativ dicht unter der Oberfläche passiert, sondern bis zum Teichgrund hinunter schauen kann.
Bis auf diesen Schaufensterbereich sieht es im Teich wie folgt aus:
.
Die Wassertemperaturen sind 3°C am Teichgrund und 0°C in der Oberflächenwasserschicht.
Stichlinge sind weiterhin unterwegs, Frösche krakseln in den Valisnerien, eine kommt hoch zum Luftholen und taucht wieder ab,
da schwimmt von rechts unter der weiß diffusen Eisplatte her ein adulter Macropodus ocellatus mit roten Flossen am Teichgrund in den Schaufensterbereich ein und verschwindet zwischen den Riesenvalisnerien.
Seine Bewegung war gemächlich schwanzflossengetrieben.
so 15 Min. später sehe ich am Grund einen weiteren aus den Valisnerien auftauchen und in den Bereich unter die diffus weiße Eisplatte verschwinden. Er ist wirkt richtig dick, weniger farbig als der erste. Es ist wohl ein Weibchen gewesen während der erste ein wahrscheinlich ein Männchen war. Auch der zweite ist gemächlich schwanzflossengetrieben unterwegs und wie der erste ohne Halte geradlinig.
Nun, damit haben sich nun auch adulte Rundschwanzmakropoden in 3°C kaltem Wasser mitten im Winter aktiv gezeigt.
Trotz langer Geduld konnte ich allerdings keinen dabei sehen, dass er an der heute eisfreien Schaufensterfläche hoch gekommen wäre, um Luft zu holen. (Die Frösche wie oben gesagt allerdings schon und so als kleinen Abschweif kamen waren diese jeden Tag an dem das "Schaufenster" halbwegs durchsichtig war, dabei zu sehen, wie sie hochkrakselten bis der Kopf ans Eis stieß. Darauf kehrten sie wieder um. Keiner von denen gab sich etwa die Mühe nach einem Loch im Eis zu suchen.)
Ich bin's erstmal zufrieden. Meine Erwartungen aus den unregelmäßig eingelegten Schlafperioden der Rundschwanzmakropoden außerhalb des Winters, dass Rundschwanzmakropoden solche Schlafphasen nutzen, um allgemein ungünstige Perioden zu verschlafen, dieses Verhalten also kein spezifisch für die Überwinterung entwickeltes ist, sondern da eben auch nur opportunistisch vorteilhaft eingesetzt wird ohne aber zwingend für die Überwinterung zu sein, ist damit bestärkt. Kaltes Wasser bis zu 0°C hinunter hindert sie nicht an der (wenigstens zweitweisen) Aktivität. Selbst recht kleine Juntgtiere von 2cm bis 2.5cm SL zeigen sich in 0°C kaltem Wasser aktiv, wenn auch im Gegensatz zu den adulten in der schnellen Bewegung erkennbar behindert, aber das gilt auch z.B. bei den Stichlingen in meinem Teich.
Wann geschlafen wird und wann man aktiv ist variiert aber sehr stark zwischen einzelnen Individuen, es scheint da keine individuenübergreifende synchronisierte Phasen zu geben: machen schlafen weiter, andere werden aktiv.
Licht scheint einer der Merkmale zu sein, welches die Schlafbereitschaft halbwegs reproduzierbar auslöst bzw. beendet: Hell im Wasser => eher nicht schlafen, stark dämmerig eher Schlafen. Und dieser Zusammenhang scheint relativ unabhängig von der Wassertemperatur oder Eisabdeckungen sowohl im Sommer wie im Winter zu gelten.
Eisabdeckung mit Schneefall allerdings resultiert fast immer in deutlich abgedunkelten Verhältnissen unter Wasser wodurch ein Scheinzusammenhang mit Überwinterung unter Eis und Schlafperioden bei den Macropodus ocellatus in Beobachtungen entstehen kann.Eine Schlafphase senkt auf jeden Fall den Ressourcenbedarf und ich könnte mir vorstellen, dass dieser verringerte Bedarf im Falle der Sauerstoffressource im Winter unter Eis genau dann einen deutlichen Vorteil darstellt, wenn in den typischerweise organisch stark belasteten Totarmen und Überschwummungsgewässern es gelegentlich zu stark sauerstoffarmen Zuständen unter geschlossener Eisdecke kommt. Solche Phasen könnten sie dann möglicherweise mit Hilfe dieses Schlafzustandes überstehen und so in diesen Gewässertypen dauerhaft als Art überleben, ohne sich im Winter in die tieferen durchströmten Gewässerregionen zurückziehen zu müssen. Dazu würde auch eine Beobachtung passen, die mir von einer Teichhaltung per Email mitgeteilt wurde. (Werde nachfragen, ob ich's hier unter Beobachtungen einstellen darf.)
Es wäre dann nicht die allgemeine Überwinterungsfähigkeit unter Eis, die dem Rundschwanzmakropoden mit Hilfe des Schlafzustandes ermöglicht wird (meine Beobachtungen weisen ja darauf hin, dass er dies nicht wirklich benötigt), sondern das Überstehen von sporadisch auftretenden stark sauerstoffverarmten Phasen unter Eis und damit das erfolgreiche Erschließen von nährstoffreichen Winterlebensräumen, die den meisten anderen Kaltwasserfischen verschlossen bleiben.
Auch im Aquarium bei den Gunagzhou-Tieren gab's heute was Neues: MOc: 23.12.10 Aq
Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf. {Theodor Fontane}