Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Teich

Wolkenlücken
TW: 6°C - 6°C
OW: 2cm Eis - 2cm Eis
Siehe Teichprotokoll

Aktuelle Situation im Teich

Seit dem 25.11. gibt es nun auf dem Teich Eis und seit dem 26.11. ist diese Eisdecke dauerhaft geschlossen den Teich abdeckend, also von Teich1 über den Kanal bis Teich 2. Somit befindet sich der Teich jetzt 3 Tage unter einer dauerhaft geschlossenen Eisdecke.

Die Eisabdeckung wurde ursprünglich vom starken Schneefall in der Nacht auf den 26.11. erzeugt, wodurch eine 2cm dicke gleichmäßige Schneeabdeckung auf dem Wasser entstand. Diese Schneeabdeckung ist dann bei den fallenden Temperaturen zu einer massiven Eisplatte gefroren.
Der Teich ist also jetzt mit einer vollkommen undurchsichtigen Eisplatte abgedeckt, die nur diffuses Licht ins Wasser nach unten dringen lässt.

Weil ich aber nun mal wenigstens ausschnittsweise das Geschehen unter dem Eis beobachten können möchte, habe ich diese undurchsichtig diffuse Eisabdeckung im Gatter und vor dem Gatter über der Tiefenzone mit heißem Wasser solange gleichmäßig bearbeitet bis ich sie dort in eine glasplattenähnliche recht gut duchsichtige Eisplatte umgewandelt hatte.
Da heute wieder etwas Schnee gefallen war, musste ich am frühen Morgen diese Prozedur wiederholen.
Auf diese Weise bin ich nun in der Lage auf einer Fläche von ca. 1m² zu beobachten, was sich unter dem Eis so tut.

Zusätzlich ist heute Morgen bei der Warmwasserklarsichtbehandlung in dieser Fläche ein Loch von 20cm Durchmesser entstanden, wo ich zuviel warmes Wasser verwendet habe. Dieses Loch war bis heute am frühen Nachmittag noch nicht wieder ganz zugefroren.

Beobachtungen durch das Eis

Schon bald nach dem gestrigen und heutigen Durchsichtigmachen des Eises konnte ich, wie nicht anders zu erwarten - kleine Trupps der neunstacheligen Stichlinge (Pungitius pungitius) relativ dicht unter der Eisplatte durch den Teich wandern sehen. Sie waren wie immer auf Nahrungssuche.

Worum es mir aber eigentlich geht, sind die Rundschwanzmakropoden, wie diese sich unter dem Eis verhalten, wenn sie normale wetterbestimmte Tageslichtbedingungen haben.

Heute am frühen Nachmittag

Es ließen sich zwei adulte Rundschwanzmakropoden beobachten:

  • Einer kam senkrecht aus der Tiefenzone hoch zielgerichtet auf das übriggebliebene kleine Loch mit freie Wasser nahm ein "Maul voll Luft", drehte auf der Stelle um und verschwand genauso gradlinig, zügig nach unten in die Tiefe des Teiches.
    Normalerweise ist das Lufthohlverhalten der Rundschwanzmakropoden (Macropodus ocellatus) ein extrem unauffälliges, welches die Wasseroberfläche entweder nur ganz leicht oder nur so gerade erkennbar kräuselt.
    Dieses hier war vom Ablauf eigentlich wie bei den Bergmolchen im Teich: Senkrecht hoch kommend, mit dem Maul auffällig die Wasseroberfläche durchstoßend, Kehrtwende, senkrecht runter.
  • Etwas später dann zieht ein adulter Rundschwanzmakropode mit einem kräftig rot wirkenden Schwanz von rechts her kommend in rund 15cm Wassertiefe waagerecht unter dem durchsichtigen m² Eis gleichmäßig ohne Aufenthalt nach links und verschwindet dort wieder unter dem diffus undurchsichtigen Eis.

    Jungtiere waren keine zu sehen.

    Quelle: Perönliche Interpretation bzw. Meinungsäußerung Aus den Beobachtung vom z.B MOc: 05.12.09 war schon klar, dass Rundschwanzmakropoden zumindest als halbwüchisge Jungtiere durchaus auch unter einer geschlossenen Eisdecke weiterhin aktiv sein können.
    Ich wusste aber nicht, wie es die Adulten tatsächlich halten. Dazu standen mir bisher aus der Aquaristikliteratur nur die Aussagen aus den Überwinterungsempfehlungen zur Verfügung, die im Grundtenor von einer am Boden verborgenen schlafähnlichen lethargischen Überwinterung der Rundschwanzmakropoden unter Eis ausgehen.

    Mit den heutigen Beobachtungen relativiert sich diese Sicht aber nicht nur für Halbwüchsige - ( siehe 05.12.09) -, sondern auch für adulte Tiere.
    Es scheint also keineswegs so zu sein, dass Rundschwanzmakropoden den Winter unter Eis gleichsam als unbrauchbare Jahreszeit verschlafen. Sie durchstreifen zumindest zeitweise auch unter Eis das Gewässer wozu auch immer.

    Auch bezgl. der Luftatmung im Winter zeigt die heutige Beobachtung eindeutig, dass selbst adulte Rundschwanzmakropoden in einem eisabgedeckten Gewässer Lücken in der Eisabdeckung entdecken, gezielt anschwimmen, um dort Luft zu holen.
    Damit ist die Vermutung Gewissheit, dass es bei dieser Art kein überwinterungsmäßig phasenartiges Umstellen von Luftatmung auf reine Kiemenatmung gibt, sondern dies sowohl bei Jungtieren wie den adulten rein opportunistisch geschieht: Zugang zur Luft vorhanden: Nutzen zur Luftatmung. Kein Zugang wegen vollkommen geschlossener Eisdecke: Dann eben reine Kiemenatmung.
    Es ist damit auch keine Vermutung mehr plausibel, die als Vorbedingung für den Verzicht auf Luftatmung im Winter die lethargische Winterruhe postuliert, da dadurch der Stoffwechsel soweit reduziert sei, dass der adulte Rundschwanzmakropode überhaupt mit reiner Kiemenatmung auskommen könne. Für halbwüchsige war das schon letztes Jahr klar. Für adulte ist die heutige 2. Beobachtung dazu ein Hinweis. Denn dieser (rotschwänzige) Adulte kam in einem gleichmäßigen Wandermodus von rechts (Kanalseite) unter der diffusen Eisdecke hervor und verschwand ohne Halt wieder auf der linken Seite Richtung Lavendelecke unter der diffusen genauso lückenlos geschlossenen Eisdecke. Von der kleinen offenen Fläche mit Luftzugang nahm er dabei keinerlei Notiz. Was aber wichtiger ist, er war nicht träge sondern ganz normal zügig wandernd aktiv.

    Ich rechne momentan damit, im Laufe des Winters an dieser durchsichtig gehaltenen Stelle auch weiterhin immer mal wieder Rundschwanzmakropoden aktiv unter dem Eis zu sehen.

    Was ich dabei allerdings spannend finde ist, wozu der Rundschwanzmakropode diesen Schlafzustand dann eigentlich wirklich nutzt, denn dass er ihn einnehmen kann, ist ja sicher, erstens aus der Literatur und 2. aus eigenen Beobachtungen außerhalb des eigentlichen Winters. Evtl. tauchen sie ja überhaupt nicht mehr auf, wenn es im Teich wegen einer dichten Schneedecke dunkel wird?!

  • Kommentare

    Mehrere Adulte klar aktiv...

    Nachdem ich nun obige Beobachtung notiert habe, schaue ich mal kurz wieder in den Teich:
    Stichlinge, klar, fast sofort zu sehen, aber auf Anhieb sehe ich auch im Gatter jetzt Adulte ganz normal aktiv. Normal soll heißen:
    Beweglichkeit normal geschmeidig und sie sind hängen nicht ruhig irgendwo rum, sondern sind rege aktiv, schwimmen umher!. Die Welt drumherum ist nach wie vor weiß, der Winter hat alles im Griff, kein Tauwetter!




    Wissenschaft ist der Glaube an die Unwissenheit der Experten. {Richard Feynman}