Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht. {William Shakespeare}

TW: 8°C - 10°C
OW: 9°C - 11°C
Siehe Teichprotokoll
Juntiere und adulte Rundschwanzmakropoden (Macropodus ocellatus) waren wie bisher auch scheu aber aktiv unterwegs.
Das Besondere des Tages:
Am Abend im Dunkeln mit der Taschenlampe ein adultes Männchen aus dem Teich keschern können, welches an der Wasseroberfläche stehend schlief.
Hab's für eine halbe Stunde mit rein genommen, um zu sehen von welchem Bestand es ist, wie es aussieht, na das Übliche halt.
Im Licht hab' ich's dann schnell als das alte B-Männchen aus dem Aquarium unzweifelhaft wiedererkannt (Wer sich wundert wie das geht, der schaue seine Tiere mal genau an. Sind es welche die in den Flossen oder am Körper unregelmäßig rußige Flecken aufeisen, wird er feststellen die sind individuell. Ein Foto dieser Flecken macht's auch nach einem Jahr noch erkennbar).
Zum Vergleich habe ich ihn die halbe Stunde in's Aquarium zu den Guangzhou-Tieren gesetzt.
Was nun sehr auffällig war, ist die Körpergrundfarbe des B-Männchens:
Zu Aquarienzeiten war die Körpergrundfarbe egal in welcher Stimmung eine Variante eines rußig schmutzigen Grautones, weswegen ich sie dann irgendwann Grauklan genannt habe. Einen ähnlichen Grauton präsentieren auch die jetzigen Tiere aus Guangzhou.
Das B-Männchen aber, das jetzt im Aquarium neben den Guangzhou-Tieren schwamm hatte - außer seinen Rußflecken - nichts mehr von Grauklan an sich. Es hatte eine glänzende schwer zu beschreibende Grundfarbe, weswegen die ganze Familie ihr Urteil abgeben musste
.
Das Ergebnis war je nach Beobachter etwas zwischen gelblich-grünlich-bräunlich blass. Auf jeden Fall nicht mehr grau. Es hob sich klar und farbig von den Guangzhou-Tieren ab, die jetzt im Vergleich die viel besseren Grauklan-Vertreter waren.
Heute konnte ich im Teich eines der adulten Grauklaner in der Nähe eines der Kupferklanadulten sehen. Im Teich sind sie immer noch recht gut zu unterscheiden, wenn sie nebeneinander sind. Die Kupferklaner bleiben in der Grundfärbung mehr ins braun-kupferne und sind nach wie vor geschemeidiger in den Bewegungen.
Fazit: Der selbe Rundschwanzmakropde kann je nach Lebensumfeld sich in der neutralen Grundfarbe so anders präsentieren, dass man , wenn man nicht weiß, dass es das selbe Tier ist, denken könnte, es seien Fundort-Lokalformanpassungen. Macropodus ocellatus scheint aber bzgl. der Körpergrundfärbung eine sehr variable Art zu sein und nicht nur zwischen unterschiedlichen Tieren sondern im selben Tier je nach Lebens-/Haltungsumgebung.
Ich denke, man könnte Fotos der selben Tiere in unterschiedlichen Lebensumgebungen zu und diese dann oberflächlich plausibel für farbliche Variationen unterschiedlicher Fundorte halten.
Hier Fotos die den Farbunterschied verdeutlichen, auch wenn sie einfach miserabel sind. Er wollte nicht still halten.
Auch sind die Farben verfälscht. Da sie aber im Vergleich mit den grauen Guangzhou stehen vermitteln sie trotzdem den deutlichen Unterschied zum ehemals grauen auftreten des B-Männches:
| Im Vordergrund ein Guangzhou mit der zu Aquarienzeiten auch von dem B-Männchen gezeigten Körpergrundfarbe. Im Hintergrund den nun farbigen Körper des B-Männchens. Auch wenn die Farbtöne etwas verfälscht sind, die Differenz zum Guangzhou ist korrekt. | |
| Hier nochmal der Farbunterschied. Worum es aber eigentlich hier geht, ist der Rückenflossenzipfel, welcher deutlich über die Schwanzflosse hinausragt. Bisher gab's also keine Verkürzung, die im Frühjahr zur Brutsaison wieder verlängert werden müsste. |
Was war an dem B-Männchen noch feststellbar:
Wir sind jetzt mitten im November und schon lange aus der Brutsaison raus. Viele Tage mit Wassertemperaturen bis 4°C runter sind schon vorbei, aber
Möglicherweise setzt das Einschmelzen der Flossenzipfel ja nur unter diesem Dämmerlicht ein, also wenn die Rundschwanzmakropoden unter Eis und Schnee sind. Wenn sie in dieser Situation ihre Aktivität vollkommen einstellen, insbesondere die Nahrungsaufnahme, dann dient das Einschmelzen evtl der Rückgewinnung. Mal sehen, dann müsste ich eigentlich solange keine lichtundurchlässige Eis-Schneebedeckung auf dem Teich ist, die Männchen weiterhin mit ausgezogenen Zipfeln sehen, im Frühjahr nach dem Auftauen aber mit kurzen.
Ach und was mir noch zum Thema B-Männchen einfällt:
Es hatte schon damals MOc: 06.04.10 im Aquarium keinerlei Chance auf Fortpflanzung, weil kein einziges Weibchen seine Werbung akzeptiert hat und so ist es nach meinem Wissen bis jetzt auch im Teich geblieben!
Alle Männchen die ich je im Teich aktiv bei der Fortpflanzung gesehen haben waren entweder A-Männchen oder irgendeines der Kupferklan-Männchen. B-Männchen war zwar auch werbend im Laufe des Jahres zu sehe, aber jede solche Sichtung wurde im Teich von den Weibchen, egal ob das Weibchen neutral gefärbt oder kräftig dunkel - also auf Partnersuche - gefärbt, auf gleiche Weise quittiert: So als sei dieses Männchen nicht da oder eben nur lästig und man müsse halt einige cm Abstand zu ihm bringen, um nicht weiter belästigt zu werden.
Sonst war das B-Männchen auch nie in irgendeiner Sichtung territorial geworden - zu erwarten, da es nie ein Weibchen gefunden hat - es streifte immer weitschweifig überall umher mit Werbeversuchen, die schon nach kurzer Zeit abbrachen, weil die Weibchen sie durch Fortschwimmen ignorierten. Es sah zwar gestern hübsch im Aquarium aus, dürfte aber ziemlich sicher auch im Teich vollkommen ohne Nachwuchs geblieben sein. Keine Ahnung, was die Weibchen an ihm stört? In menschlich geführter Zucht hätte er sich sichrelich vermehrt, da er für meine Augen recht hübsch aussieht. Die Weibchen sahen das aber klar anders.
Die Guangzhou-Tiere haben gestern ihren ersten Abkühlungswasserwechsel im Aquarium (22°C runter auf 15°C) erhalten.
Als Tiere - von der Konstitution her - aus dem gemäßigten Klima erleben sie in Freiheit ähnliche Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht täglich. Außerdem sind sie draußen - selbst bei mir im Teich - durch die Temperaturschichtung sowie Sonnen- und Schattenbereich jederzeit in der Lage wenn ihnen oben zu heiß wird unten sich zu kühlen oder umgekehrt. Sie können also in geschichtetem Wasser ihre eigene Körpertemperatur aktiv kontrollieren. Selbst in so einem flachen Teich wie bei mit gibt es dazu ausreichende Schichtungen und Schattenzonen. Vor allem zwischen dichten Pflanzenbeständen sinkt bei mir im Teich sommers schon wenige Zentimeter eingetaucht die Wassertemperatur deutlich ab. Diese Temperaturdifferenzen des täglichen Tag-/Nacht-Zyklus sind es, die ich mit den 1- bis 2-wöchigen deutlichen Temperaturabsenkungen wenigstens ansatzweise den Tieren nachempfinde. Soweit ich das beurteilen kann, fördert es die Gesundheit der Tiere.
Dem Wetter nach nicht verwunderlich war heute im Teich richtig was los unter den Macropodus ocellatus.
Adulte waren immer irgendwo mal wieder zu sehen, eines der Gatter-Jungadulten "fand das Wetter so gut", dass er ein recht kontrastreiches Fischgrätenmuster über die ganze Länge der oberen Körperhälfte zeigte (vermutlich also ein Männchen). Er erinnerte so von obe betrachtet etwas an eine Barsch.
Die Adulten außerhalb des Gatters sahen alle sehr kräftig aus.
Jungtiere tauchten zahlreich auf, so dass ich heute 4 Stück für einen versprochenen Tausch aus dem Kanal keschern konnte.
Das besondere dabei war nun wieder:
Ich habe schon wieder einen winzigen gefunden.
Und da nun schon viele Tage mit 4°C bis 5°C Wassertemperatur vorbeigegangen sind und dieser Winzling trotzdem lebt, glatt, gesund und fit wirkt, rücke ich erstmal von meiner letzten Vermutung, dass so kleine Rundschwanzmakropoden den Eiswinter möglicherweise nicht schaffen wieder ab.
Alle 5 gefangenen Tiere natürlich wieder fotografiert und gemessen, den Winzling aber nicht als 4. für den Tausch genommen, sondern einen größeren. Der Winzling durfte wieder zurück in seinen Teich und ich bin jetzt mal gespannt, ob nächstes Jahr nach dem Eis solche Winzlinge wieder auftauchen.
Hier nun die vermessenen herausgefangenen Jungtiere für den Tausch:
| 16mm SL | |
| 11mm SL, das ist der überraschende Winzling, den ich wieder in'n Teich entlassen habe | |
| 17mm SL | |
| 17mm SL | |
| 18mm SL | |
Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht. {William Shakespeare}