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Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Es sind 4 Channa aff. gachua "assam" bei mir eingezogen: Bestand/1775.

Was sich so in der ersten Zeit im Aquarium beobachten ließ:
Sie waren im Aquarium nicht alleine. Mitbewohner, die schon vorher drin waren sind Schnecken, Wasserasseln, Egel, Planarien.
Ihr neues Zuhause besteht aus 3 Aquarien die mittels kommunizierender Röhren wie folgt verbunden sind:
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Sie wurden in's rechte entlassen und werden - so die Hoffnung - irgendwann die Rohrwege in die anderen Aquarien gelernt haben.

In der ersten Stunde haben sie sich vorwiegend mit der Erkundung des Beckens beschäftigt. Dazu schwammen sie anfänglich vorwiegend als vollständige Gruppe umher, lösten sich bald in zwei Zweiergruppen auf, die der Eintütung im Versandpaket entsprachen, also die zwei größere zusammen und die zwei kleineren zusammen.
Später dann löste sich Duo vollständig aus der Gruppierung und zog fast nur nach eigenem Gutdünken umher, während die anderen 3 nun als Gruppe zogen.
Duo, der größte und nun Alleinumherzieher entdeckte dann schon bald, dass überall im Aquarium Wasserasseln herumlaufen.
Die restlichen drei ignorierten das rumlaufende Futter noch ziemlich lange und der kleinste von ihnen erschrak sogar regelmäßig, wenn er irgendwo am Boden rumstand und dann eine Assel ihn krabbelnd berührte Smile.
Duo jedenfalls fing schon bald an diese Asseln zu beobachten, wozu er sich oft auf seine Brustflossen stützte - und bei genauem Hinsehen streckt er auch die winzigen Bauchflosse, die sonst immer fast unsichtbar beim Schwimmen eng angelegt sind, dabei oft wie kleine Ständer nach unten auf den Boden.
Dabei biegt er dann den Kopf nach unten mit dem Maul, den Nasen dicht an den sich bewegenden Boden oder die sichtbare Assel und fixiert sie so eine längere Weile. In dieser Haltung hat er mich extrem an die Bergmolche in meinem Teich erinnert die nahezu exakt in dieser Haltung und Manier auch ihre Beute unter Wasser fixieren bis sie zupacken - auch meine Tochter hatte sofort diese Assoziation:"Die sehen aus wie die Molche".
Irgendwann dann beißt er in die Assel bzw. den sich bewegenden Bodengrund und frisst die fixierte Beute.

Zwei Dinge waren dabei interessant zu registrieren:
1. Bissen sie in den Bodengrund, welcher aus Lehm besteht, konnte man hübsch anhand der Lehmwolke sehen, wie sie dann den ungewünschten Lehm durch das Maul nach vorne - die scheint's immer offenstehende Runde vorne - in einem dünnen Strahl ausdüsten. Zu den Kiemen hinten kamen dabei keine Lehmwölkchen heraus, waren also dicht.
2. Dann wurden die Asseln mit etlichen weiten hektischen "Kaubewegungen" im Maul irgendwie verarbeitet bis dann geschluckt wurden. Dabei wurde überdeutlich ein Unterschied zwischen Channa und den Anabantoidei bzgl. ihres Luftatmungsorgans demonstriert: Frisst ein Labyrinthfisch, selbst bei einer etwas größeren Beute, so frisst er sie halt, verliert dabei aber normalerweise keine Luft. Dauert es länger bis sie aufgenommen ist, schwimmt er evtl. zur Wasseroberfläche, um an der aus dem Maul hängenden Beute irgendwie wieder Luft vorbei einzuziehen, was meistens auch ganz gut gelingt und beschäftigt sich weiter mit dem verschlingen. Hier aber bei den C. gachua war jeder, aber auch jeder Fressvorgang den ich beobachten konnte mit dem vollständigen Verlust des Atmungsluftvorrates in großen Blasen nach vorne aus dem Maul sowie hinten aus den Kiemen verbunden. Dass dieser Verlust vollständig war ließ sich aus der Menge und Größe der Luftblasen annehmen und wurde immer! von dem jeweiligen Channa dadurch bestätigt, dass er unmittelbar nachdem die auffälligen "Kaubewegungen" beendet und die Assel verschluckt war Schwierigkeiten zu haben schien sein Höhe im Wasser zu halten und sichtlich gedrängt und eilig dann direkt zur Wasseroberfläche auftauchte, um einen neuen Luftvorrat aufzunehmen.

Je nachdem was für eine Beute sie fressen tragen sie also eine richtiges Handicap mit sich herum, regelrecht gezwungen zu sein, so schnell wie möglich nach dem Fressen neue Luft holen zu müssen. Der ursächliche Unterschied zu den Labyrinthfischen liegt da in dem nicht verschließbaren Suprabranchialorgan der Channe, während die Labyrinthfische dieses Organ verschließen können. Wenn ein Channa frisst ist unvermeidbar immer mehr oder weniger des Atemluftvorrats betroffen, indem die Nahrung während sie durch das Maul und den Rachenraum wandert immer Atemluft verdrängt und zu dessen Verlust führt.

Ich weiß bisher aus Beobachtung nicht wie es abläuft, wenn sie etwas weniger krabbeliges als eine Wasserassel fressen. Bei so krabbeliger beute wie den Wasserasseln führt es aber ganz deutlich immer zum Totalverlust der Luft mit Zwang zum unmittelbaren Luftholen hernach.

Gegen Ende der Erkundungszeit haben zwei der 4, Duo und später noch einer, dann das Verbindungsrohr zum anderen Aquarium gezielt - nicht zufällig hineingeratend - erkundet: Beide schwamm dazu in dem Rohr bis nach oben, drehten dort nach einiger Zeit und kehrten wieder um, um weiter die Gegend zu erkunden. Wenn sie auch jetzt nicht ins andere Aquarium vordrangen, so haben sie damit gezeigt, dass sie nicht nur zufällig, sondern aus aktiv diese Rohre erkunden und so dann die hoffentlich Hoffnung sich als berechtigt erweist, dass sie diese Rohre als Wege in die anderen Aquarien erlernen können.

Irgendwann nach der Stunde vorwiegenden Erkundens und Asseljagens hat dann Duo der Große den Großen markiert, sich abgedunkelt und die anderen geärgert. Auch das war für mich dann wieder interessant weil jedesmal in der Reihenfolge der Hauptthemen ziemlich ritualisiert wirkend:
Zuerst treffen sich zwei, schubsen sich evtl. mit dem Maul, dann wird sich seitenverkehrt parallel stehend mit dem Vorderkörper flach nach unten meist am Boden und dem Schwanzteil schräg nach oben weisend mit der Schwanzflosse gegenseitig Wasser an den Kopf geschmissen.
Irgendwann legen sie sich dann in der ganzen Länge am Boden ab, lassen sich leicht auf die jeweils abgekehrten Seiten kippen und hebe so die zugekehrte Brustflosse auf Kopfhöhe des andere an. Dazu manövrieren sie sich dabei so, dass die Brustflosse jeweils mit etwas Abstand vor dem Kopf des anderen positioniert ist und erzeugen dann mit dieser angehobenen Brustflosse einen ziemlich kontinuierlichen recht gebündelten Wasserstrom, der dem anderen ins Gesicht gerichtet ist. Woher ich das so sicher weiß: Wie gesagt, das Aquarium hat Lehmbodengrund, der wird bei diesen Aktivitäten aufgewirbelt und macht die genauen Wasserbewegungen wirklich richtig hübsch und deutlich sichtbar! Bin richtig froh, dass in diesem Becken Lehmboden ist Smile.
Diesen brustflossengetriebenen Wasserstrom erzeugen sie recht lange. Irgendwann kehrt dann alles zu dem Schwanzflossen-Wasserschemeißen zurück. Das wiederholt sich dann alles etliche Male. Hört keiner auf, packen sie sich dann mit dem Maul gegenseitig und scheinen sich nach unten zu drücken/zu halten. Kam es dazu, endete es jedesmal am Schluss in einer aufwirbelnden kurzen Attacke des Gewinners gegen den Verlierer, der dann das Weite suchte (so 20cm bis 30cm),um dort Luft zu holen. Die Verfolgung des Unterlegenen war also bisher recht schnell zu Ende.
Das Schauspiel wiederholte sich im Laufe des frühen Nachmittags mit unterschiedlichen Teilnehmern, wobei immer Duo der Gewinner blieb.

Interessant war noch der erste dieser Kämpfe:
Er wurde von Duo und einem der anderen angefangen. Kaum war der Kampf begonnen und wurde von dem Kleinsten aus der Vierergruppe registriert, so kam dieser Kleinste hinzu, positionierte sich immer irgendwie zwischen die beiden Kontrahenten und schien sie zu beobachten. Er machte wirklich aller Drehungen dieser mit, und versuchte die Position zwischen ihnen so zu halten, dass er sie beim Brustflossen-Wasserströmen immer im Auge hatte.
Als dann irgendwann das Gerangel zwischen den beiden Beobachteten wie oben beschrieben endete, und Duo zu diesem Rangelausgangsplatz zurückkehrte, übernahm der kleine doch tatsächlich aktiv den Rangelplatz des Vertriebenen und versuchte sein Rangelglück in gleicher Manier. Er hielt allerdings die Wasserwerf- und Wasserströmungsrituale nicht so lange wie der erste durch bis er floh.
Am Abend dann schienen die Verhältnisse ausreichend geklärt und alles war wieder friedlich genauso wie übrigens heute am Samstag, da ich alles aufschreibe. Inzwischen sind alle hübsch dunkel bräunlich gefärbt und beschäftigen sich damit mit hochgestütztem Vorderkörper aus Höhlen herauszuschauen, umerzuschwimmen und ab und an eine Assel zu ergattern, letzteres gilt inzwischen für alle.
Und seh' ich sie nicht direkt beim Asselerbeuten, so kann ich es immer indirekt sicher daran feststellen, dass irgendwo am Boden plötzlich eine kleine Lehmwolke entsteht, manchmal mit einem hörbaren Geräusch verbunden, und bald darauf ein Channa gachua hektisch an die Wasseroberfläche eilt und auffällig Luft holt. Das Luftholen ist ganz was anderes als dieses fast vollständig an der Wasseroberfläche unbemerkbare Luftholen der Macropodus ocellatus. Die Channas mit ihrem dabei aufklappenden breiten Maul sind dabei genauso auffällig wie die Bergmolche im Teich, die das von oben auf's Wasser geschaut zum Verwechseln ähnlich machen.

So,
das sind die ersten Beobachtungen zu den bei mir eingezogenen Channas.
Mal sehen wie es weitergehen wird.




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