Die Geschichte der Menschheit ist voll von Beweisen, dass es nicht schwer ist, eine Wahrheit umzubringen. Eine gute Lüge ist unsterblich. {Gottfried August Bürger}
Wie sich in den wiederholten Beobachtungen vom 05.09.10 gezeigt hat, sind zumindest junge Rundschwanzmakropoden in der Lage, ausreichend tiefes Wasser aktiv zu verlassen, um ein ihnen bekanntes wahrscheinlich tieferes Gewässer über schlammigem Untergrund sich bewegend gezielt! aufzusuchen.
Diese Fähigkeit ist zwar in der Gruppe der Anabantoidei durchaus vorhanden aber für die Gattung Macropodus habe ich bisher davon nichts gehört bzw. gelesen. Umso überraschender/unerwarteter war für mich die entsprechende Beobachtung.
Aber für eine Fisch von Überschwemmungsgewässern wie es die Rundschwanzmakropoden sind ist der Vorteil einer solchen Fähigkeit natürlich klar. In solchen Biotopen sollte es ziemlich regelmäßig zu analogen Situationen wie bei meiner Beobachtung kommen, nämlich dass zurückgehende Überschwemmungsgewässer etwas tiefere Mulden über schlammig trockengefallene Bereiche von dem Hauptgewässer abtrennen. Die meisten dieser Mulden dürften wohl im Laufe des Rückganges der Überschwemmungen vollständig trockenfallen und so darin zurückgebliebene Rundschwanzmakropoden dem sicheren Tod ausliefern.
Vor allem junge Fische könnten in natürlichen Überschwemmungsgebieten davon nicht selten betroffen sein, da sie sehr flache und krautige Gewässerrandgebiete bevorzugt aufsuchen dürften.
Wären diese abgetrennten Tiere nun in der Lage
dann dürfte das in einem periodischen Überschwemmungslebensraum ein enormer Vorteil sein, selbst wenn möglicherweise etliche der Auswanderer dabei leichte Beute würden. Was aber nicht unbedingt sein muss. Wenn ich obige Beobachtungen zu Grunde lege, dann sind die über Schlamm "wandernden" Fischchen nicht sehr auffällig.
Nachdem ich nun einmal in obigen Beobachtungen auf die Fähigkeit sich über Land gezielt zu bewegen aufmerksam geworden war, erkannte ich plötzlich bei den Fischvermessungsgelegenheiten einen spezifisch für solche Gelegenheiten nutzbaren Bewegungsmodus bei jungen Rundschwanzmakropoden wieder, den ich schon im Kanal bei den Tieren gesehen hatte, der mir dort aber neben dem offensichtlich orientierten auffälligen Vorwärtsschnellen nur latent ins Bewusstsein kam.
Ich habe regelmäßig in der eisfreien Zeit Jungfische gefangen und sie zwecks Längenmessens auf eine weiße Untertasse mit sehr wenig Wasser platziert. Sie versuchten natürlich immer aus dem Tellerchen zu entweichen und mussten sich dazu aus den gerade noch ausreichend tiefen Wasserbereichen hinaus bewegen Richtung trockenem Rand.
Dabei wurde mir möglich zwei Bewegungsmodi, die mir bei den Schlammwanderungen im Kanal nur am Rande auffielen genau zu beobachten:
Beide Bewegungsweisen sah ich auch bei den Beobachtungen im Teichkanal und zwar zuverlässig in den Situationen, in denen einer der Jungfische eine schwimmbare Pfütze aktiv und gezielt verließ:
Solange die Wasserhöhe es dem Fischchen ermöglichte in aufrechter brustlossengestützter Lage das "Ufer" zu erklimmen, stellte er sich, wenn er umkippte, immer wieder in diese Lage auf. War aber nur noch ein ganz dünner Film vorhanden, konnten sie sich nicht mehr aufrecht halten. In dieser Situation stellten sie auf den Seitlagen-Kriechmodus um bis sie das "Ufer" vollständig erklommen hatten. Wird der Boden aber zu trocken, dann funktioniert evtl dieser Kriechmodus nicht mehr und sie schnellen sich mit Hilfe der Schwanzflosse vorwärts.
TBD
TBD
Diesen Modus zeigen sie relativ verlässlich und spontan hineinwechseln in Situationen, wo nur noch ein dünner Wasserfilm vorhanden ist.
Der Fisch liegt vollständig auf der Seite und lässt über die Körperlänge senkrecht zum Bodengrund gerichtete Wellenbewegungen durch die Körperlänge wandern. Die Wellenlänge ist dabei kürzer als die SL des Fisches, also wie bei einer Schlange nur statt parallel zum Untergrund senkrecht zu diesem - so wie die Wellen, die durch den Fuß einer Schnecke laufen -. Dabei scheinen sie sich mit dem Kopf bzw. mit der Kopfseite am Grund festzuhalten, wo die Welllenbewegung beginnt um dann über die Körperlänge nach hinten zu laufen.
In den Untertassen waren diese Bewegungen natürlich wegen der glatten Oberfläche kaum effektiv aber trotzdem immer noch erkennbar als Forwärtsbewegung erkennbar. Dafür war der Bewegungsablauf sehr klar und deutlich beobachtbar. Im trockengefallenen Teichkanal auf dem steinig schlammigen Untergrund waren diese Bewegungen klar effektiv und ermöglichten den Fischchen aus dem Wasser heraus das "Ufer" vollständig zu "erklimmen".
In den letzten Tagen habe ich versucht zu beobachten, ob dieser Bewegungsmodus von den Rundschwanzmakropoden evtl. auch verwendet wird, wenn sie in ausreichenden Wasserverhältnissen sich in enge Verkrautungen hinein- bzw hindurcharbeiten.
Ich habe in einem Aquarium 9 halbwüchige Fische für winterliche Beobachtungen im Keller bei Zimmertemperatur.
7 der Tiere sind Nachwuchs aus dem Teich von denen ich weiß, dass sie sich mit Vorliebe in die flutenden Riccia-Wasserlinsen-Polster hineinarbeiten. Obwohl diese Polster enge Pflanzengewirre darstellen, verwenden sie aber nie diesen körperwellenförmigen Kriechmodus, um sich in diese hinein und hindurchzuarbeiten. Dies erreichen sie immer durch ruckartig stoßendes schwanzflossengetriebenes "hineinbohren".
Ich denke also, das dieser Wellenkriechmodus gezielt für die Migration über schlammigem Untergrund mit einem sehr dünnen Wasserfilm entwickelt wurde.
Über Hinweise über Arbeiten über die Fortbewegungsmodi auf trockengefallenem Land bei Labyrinthern würde ich mich freuen, insbesondere bei relativ hochrückigen, da nur für diese die Seitlage eine Bewegungsoption darstellt.
Ich werde versuchen bei Gelegenheit in einer weißen Untertasse diesen Bewegungsmodus so zu filmen, dass er gut erkennbar ist (TBD).
Die Geschichte der Menschheit ist voll von Beweisen, dass es nicht schwer ist, eine Wahrheit umzubringen. Eine gute Lüge ist unsterblich. {Gottfried August Bürger}