Psilopsiagon aymara (Aymarasittich)

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Quelle: Fachpublikationen

Der Aymarasittich (Psilopsiagon aymara)

Lebensraum[f1]

Der Aymarasittich lebt im Bereich der Osthänge der Anden in Höhen bis 4000m, also an der Grenze der Höhenstufe Tierra fria (Kaltes Land, gekennzeichnet durch aperiodische Fröste und arktische Vegetationselemente, frostempfindliche Pflanzen kommen nicht mehr vor) zur Höhenstufe Tierra helada(Gefrorenes Land mit Jahresmitteltemperaturen von 2°C bis 7°C, hier ist landwirtschaft nicht mehr möglich).

Entdeckt für die wissenschaftliche Beschreibung wurden sie "1830 von Alcide d'Orbigny in den Cordilleren auf der Reise von Tacna in Peru nach Paz in Bolivia, in einer Höhe wo die Nächte schon empfindlich kalt waren." "Neuerdings", so schreibt Finch 1868, "fand ihn Burmeister in der Umgebung von Mendoza in den La Plata-Staaten. Ein Exemplar im Museum Heine trägt die Bezeichnung »Schneeregion Bolivias." Die Bezeichnung Schneeregion Bolivias zeigt deutlich die Temperatur-Spannbreite der von den Aymarasittichen genutzten Lebensräume.1.

Im Winter wandern sie in tiefere Regionen in die Höhenstufe Tierra templada (gemäßigtes Land) auf bis 1500m hinab. Vermutlich, wie die meisten wandernden Vögel, nicht den Temperaturen ausweichend, sondern den benötigten Nahrungsressourcen folgend.
In Mendoza (Argentinien), welches auf 700m Höhe liegt können in den Wintermonaten durchaus immer noch -7°C absolut als Nachttemperatur erreicht werden (am 23. Jul 2013 lag die Tiefsttemperatur z.B. bei -6°C).
Nach einem Klimadiagramm für 22°,6 S; 65°,35N mit einer Höhe von 3440 m (Schäbitz 2000) erreichen die mittleren minimalen Temperaturen im Juni/July -10°C mit absoluten Tieftemperaturen von -18°C. Die Tag-Nacht-Temperaturschwankungen liegen bei 17°K im Sommer und 23°K im Winter. Das bedeutet, dass eine Nacht z.B. bei -18°C liegen kann, während es am Tag 5°C wird. In diesen Höhenlagen müssen die Organismen also mit gewaltigen Tages-Nacht-Temperaturschwankungen zurecht kommen. In den Sommermonaten wie Januar können die absoluten Nachttemperaturen immer noch um -2°C liegen.
Zur Illustration bei welchen Temperaturen diese Sittiche in ihrer Heimat leben findet sich unter folgendem Link ein Foto eines weiblichen Aymarasittichs in freier Wildbahn auf einem dick vereisten Zweig sitzend: Aymarasittich auf vereisten Zweigen.

Sein Verbreitungsgebiet zieht sich von Bolivien bei Tipuani nördlich von La Paz über Chile und Argentinien südlich von San Rafael unterhalb Mendoza und dort östlich bis zur Cordoba-Linie. In seiner Nord-Süd-Ausdehnung erstreckt es sich also über etwa 2500 km und eine Fläche von 383,000 km²[f3].
Bevorzugt werden trockene Dornbuschgebiete im Bergland wo man ihn meist in kleinen Gruppen sehen kann. Sie ernähren sich vermutlich von Samen, Früchten, Knospen, Blätter und möglicherweise Insekten[f2].
Als Bruthöhlen nutzen sie gerne Felshöhlen in Felswänden an Flüssen und Bächen.

Wegen seines sehr großen Verbreitungsgebietes und seines allgemeinen Vorkommens gilt die Art als nicht gefährdet[f2]!

Beobachtungsregionen

  1. Bsp.: Paramo-Region

    In der Trockenzeit gehen die Tagestemperaturen bis 25°c und die Nachttemperaturen auf -7°C
    in der Regenzeit geht die Tagestemperatur bis 10°C, die Nachttemperatur bis -4°C

Merkmale

Die Geschlechter können mit Übung optisch unterschieden werden: So ist die weiße Kehle und das Brustgefieder des Hahnes mit einem bläulichen Schimmer. Das Weibchen hat mehr und breiter Grau im Brustgefieder. Männchen haben immer fleischhelle(rosa) Füße, Weibchen könnnen dunkle Füße haben.

Morphologische Charakteristik

Körperlänge etwa 20cm;
Matt-Grasgrün;
Oberkopf und Ohrgegend oliven-mattbraun bis dunkebraun - geschlechtsabhängig -;
Kehle und Kropf weißlich bis mattgrau - geschlechtsabhängig -;
Brust, Bauch und untere Flügeldecken grau bis grünlichgelb verwaschen;
Füße fleischhell bis dunkler grau - geschlechtsabhängig -.

Nahrung in freier Wildbahn

Nur Vermutungen, Erfassungen nicht bekannt. Allerdings findet man viele Fotos aus freier Wildbahn, die sie zeigen, wie sie Distelsamen fressen. Distelsamen dürften also eine gern genommene Nahrung sein.

Haltung

Aymarasittiche könne paarweise oder bei genügend Platz zu mehreren Paaren gehalten werden.
Zum Schlafen "benötigen" sie eine Höhle, die auch Tagsüber immer mal aufgesucht wird (Im Freiland brüten sie wohl auch in Felshöhlen.
Anders als viele andere Sittiche, die auch in ungünstigen Witterungsbedingungen brüten, wenn ihnen eine Nesthöhle zur Verfügung steht, stellen Aymarasittiche ihr Brutgeschäft bei unpassenden Wetterbedingungen ein. So beginnen sie ihr Brutgeschäft in Außenvolieren trotz auch im Winter verfügbarer Schlafhöhle typischerweise erst gegen Ende März.

Diese Sittiche kommen mit kühlen besser zurecht als mit hohen Temperaturen, weswegen es wichtig ist, dass sie an heißen Sommertagen schattige und luftige Rückzugsmöglichkeiten haben, was ihrem Lebensraum in den Höhen der Anden bis in die Nachtfrostgrenze hinein entspricht.

Allgemein sind es stimmlich ruhige aber neugierige kleine südamerikanische Sittiche, deren hohe Zwitscherlaute eher an einheimische Sperlingsvögel als an Sittiche erinnern.
Wenn sie in einer großen Voliere auch keinen so hohen Flugdrang, keine so hohe Flugaktivität zeigen wie eine Kleingruppe von Wellensittichen, so sind sie aber doch rasante Flieger, die mehrmals am Tag ausgedehnte Flugaktivitäten in hoher Geschwindigkeit genießen wollen. Viel häufiger aber sieht man sie damit beschäftigt im Grünen nach allerlei Essbarem zu suchen, wobei sie eine große Neugier und Probierfreudigkeit zeigen, die sie schnell bisher unbekannte/ungesehene Futterquellen entdecken und nutzen lässt.

Aymarasittich
Catita Serrana Grande
Gray-hooded Parakeet
Aymarasittichmännchen

Männchen

Aymarasittichweibchen

Weibchen

Aymarasittichpärchen

Pärchen

Kladde: Neoaves
Ordnung: Papageien
Familie: Eigentliche Papageien
Unterfamilie: Neuweltpapageien
Tribus: AMOROPSITTACINI
Gattung: Ziersittiche
Art: Aymarasittich
Psilopsiagon aymara
Kuhl, 1820







Fußnoten




Es ist gerecht, alle Religionen ohne Unterschied zu dulden, wenn sie nur nichts weiter verlangen als Gewissensfreiheit und sich nicht an den bürgerlichen oder politischen Gesetzen vergreifen wollen. {Pierre Bayle}