MOc: 25.03.10 Eipflege ohne Schaum oder Klumpung

Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Aquarium

Aquarium Bestand/623
WT: 24°C
Vorgestern war Wasserwechsel auf 15°C :MOc: Aq:21.03.10

Aufteilung
In zwei Abteile aufgeteiltes Aquarium: links A-Abteil, rechts B-Abteil
Gesamtoberfläche: 100cm * 50cm
Ganz links: Filterschwamm
Mitte: Abteiltrennwand aus Filterschwamm oben an der Frontschweibe mit dem einzigen schmalen Durchgang.
Besatz: 2.2 Macropodus ocellatus,das Pärchen aus den zwei größeren Tieren ist das A-Abteil-Pärchen, die zwei kleinere Tiere sind das B-Abteil-Pärchen.
Die Tiere sind alle über Körperform oder Grundfärbung gut individuell unterscheidbar. So unterscheidet sich das A-Weibchen in Nichtimponierfärbung von B-Weibchen deutlich durch viele sommersprossenartig über den Körper verteilten rußig dunklen unregelmäßigen Flecken.
Der Boden ist flächendeckend dicht mit einer 25cm-30cm hohen Krautdecke bewachsen. Dorthin ziehen sich die Weibchen meist vor den Männchen zurück.





A-Männchen schwimmt in A-Abteil die gesamte Wasseroberfläche abpatrouillierend.
Zeigt sich das Weibchen, wird es mit Nachdruck aber ohne Rammen oder Beißen wieder in die Büsche nach unten getrieben.
Die Farbe des Männchens ist ein hellerer Ton. Keine Imponierfärbung. Er zeigt diese auch nicht beim Spreizen und Vertreiben des Weibchens.
Vorwiegend und kontinuierlich sucht er die Wasseroberfläche ab. Dort schwimmen weißlich trübe Eier die er rege aufsammelt, mehrmals "durchkaut" und wieder an die Wasseroberfläche spuckt.

Der Vorgang läuft dicht an der Wasseroberfläche wie folgt ab:
die Eier in einem Umkreis von 10cm

  1. werden gesammelt,
  2. danach und teilweise schon während des Sammelns wird deutlich Luft aufgenommen in länglichen Zügen
  3. dann wird mehrmals "durchgekaut"
  4. eine größere Luftportion wird nach hinten aus den Kiemen entlassen
  5. die Eier werden ohne oder mit 3, 4 -wenigen- Bläschen ausgespuckt:
    Zumeist, aber nicht immer, entlässt er sie direkt unter einer Wasserpflanze (Riesenvalisnerienblatt). Da diese Blätter immer leicht schräg liegen, rollen die Eier dann sofort hoch zum Rand des Blattes, bis sie an der Wasseroberfläche/Blattrand liegen bleiben.
  6. er zieht in das nächste! ~10cm Segment und alles wiederholt sich dort.

Folgendes ist dabei bemerkenswert:

  • Die Eier werden - aus welchem Ursache auch immer -
    nicht! an einen Platz zusammengetragen,
    sondern so ca. in jedem 10cm*10cm Segment gibt's eine eigene kleine Eiansammlung, frei treibend oder an Pflanzen angelehnt
  • Es wird so gut wie kein nennenswerter Schaum erzeugt. Die meisten Bläschen, die mit den Eiern ausgespuckt werden, platzen nahezu augenblicklich. In wenigen Fällen erzeugt das Männchen Bläschen die länger bestehen bleiben. Da es aber an dem jeweiligen Ort nur mit geringer Wahrscheinlichkeit neue Bläschen erzeugt, bildet sich dort kein andauernder Schaum.
  • Der Großteil der aufgesaugten Luft wird nach dem "Durchkauen" der Eier nach hinten als jeweils eine wirklich große Luftblase aus den Kiemen entlassen. Beim Ausspucken der Eier, was unmittelbar darauf folgt, ist so gut wie kein Luftanteil des vorher aufgesaugten mehr beteiligt.
  • In einigen Fällen werden auch die Eier nach hinten aus den Kiemen entlassen, wobei aber immer noch einige nach vorne ausgespuckt werden.
  • Am meisten und eiligsten kümmert sich das Männchen um Eier die sich schnell bewegen - z.B. durch Wasserverwirbelungen -
  • Die Eiersammlung klebt nach dem Ausspucken nicht zusammen. Sie treiben alle vereinzelt. (Ursache?!)

    Was im Vergleich zu der Sammeltätigkeit vor zwei Tagen am 23.03.10 deutlich auffällt ist:

  • Jungfische sammeln:
    Vor zwei Tagen zog er genau so eilig durch's Becken, und sammelte freischwimmende Jungfische ein. Allerdings weiträumige bis ins B-Abteil und nicht an der Wasseroberfläche alleine suchend, sondern in allen Wasserschichten.
  • Eier sammeln heute:
    Die rege Sammeltätigkeit ist vollkommen begrenzt auf A-Abteil und immer nur mit der Nase Richtung Wasseroberfläche diese absuchend. Nie bewegt er sich in tiefere Wasserschichten.
  • Jungfische entlassen:
    Die gesammelten Jungfische hat er in in tieferen Wasserschichten entlassen
  • Eier entlassen:
    Die gesammelten Eier entlässt er immer! an der Wasseroberfläche bevorzugt aber unterhalb eines treibenden Blattes.

    Was ich gerade noch während des Schreibens beobachten kann:
    B-Männchen versuchte mehrmals aus B-Abteil herüber ins A-Abteil zu kommen. A-Männchen hat das Sammeln sofort unterbrochen und B-Männchen augenblicklich wieder zurück in B-Abteil gejagt. Anders als aber vor zwei Tagen beim Jungfischpflegen blieb er jetzt jedesmal abrupt am Ausgang von A-Abteil stehen und folgte dem B-Männchen nicht ins B-Abteil, so als wolle er vermeiden die Eier aus den Augen zu verlieren.
    Die ganze Zeit ist er ohne Unterlass mit der Sammel-Kau-Spuck-Tätigkeit beschäftigt Nase schräg nach oben - zumeist übrigens an der Frontscheibe, was ich ausgesprochen zuvorkommend finde Smile -. Er lässt sich erstaunlicherweise auch nicht aus dem Konzept bringen, wenn ich mich direkt davor setze.

    B-Männchen in B-Abteil ist wie die letzten Tage zumeist mit Weibchen-Imponieren beschäftigt. In B-Abteil konnte ich trotz inzwischen geeichter Aufmerksamkeit bisher aber keinerlei Eier oder Jungtiere entdecken, die von diesem Männchen gehegt würden.

    Damit hat das A-Pärchen inzwischen schon wenigstens 3 Bruten um sich herum:
    - ca 3mm lange dunkler pigmentierte
    - ca 2mm lange weißliche (nicht glasig durchsichtig)
    - und die Eier

    Inzwischen (26.03) habe ich die Bilder aufbereitet:

    Was man nun erkenne kann - und was ich vorher mit bloßem Auge nicht erkannte, ist der ganz spezifische Reifzzustand dieser Eier.
    Es sind Eier unmittelbar vor dem Schlupf bzw grade geschlüpfte Larven die in der Form noch mehr einem Ei gleichen und nur in den Bildern mit Nahaufnahme aus 1cm Abstand als Larven mit Schwänzchen erkennbar sind. Sie sind "unbeweglich". Keine Ahnung wie der Fachbegriff für dieses Stadium ist. Ich nenne die Eier mit Schwänzchen einfach mal Eilarven und die gequollenen Eier noch ohne Schwänzchen Eier vor dem Eilarvenstadium.

    Auf den Fotos sieht man, dass es auch noch einen anderen Typ von Eiern gibt. Sie sind deutlich kleiner und bilden tatsächlich die erwartete Klumpung, wie sie Dr. Vierke beschreibt.

    Hier zuersteinmal das A-Männchen wieder, dem ich dieses Beobachtungen verdanke Smile
    Zwei Eier im Üergang zwischen dem gequollenen Eistadium und dem Eilarvenstadium
    Auf diesem Foto sieht man links ein gequllenes Ei und ein fertiges Eilarvenstadium. Ganz rechts kleine ungequollene Eier in einem echten Eiklumpen vereint. Es ist gut die deutlich unterschiedliche Größe der im Klumpen gebundenen Eier zu dne gequollenen vor dme Eilarvenstadium zu erkennen,
    Auch hier nochmal der Eiklumpen und direkt daneben die viel größeren gequollenen Eier unmittelbar vor dem Eilarvenstadium
    Gequollene vereinzelte Eier, Rechts schon mit ganz kleine Schwanzspitzchen
    Rechts sieht man sehr schön das sich heraustrennden Schwänzchen während links die Schwänzchen noch in die Eikugel eingebettet sind
  • Kommentare

    Was könnte die Ursache für die vereinzende Eipflege sein?

    Quelle: Perönliche Interpretation bzw. Meinungsäußerung
    Mögliche Ursachen für diese ungewöhnliche und unerwartete Beobachtung der frei driftenden vereinzelnden Pflege der Eier durch das A-Männchen, die mir durch den Kopf gingen:

  • Für Blasenbildung ungeeignete Wasserwerte (Das ist ein Problem, welches oft bei Betta splendens für schnell zerfallende Blasen sorgt und so den Aufbau eines anständigen Schaumnestes verhindert: Wasser ist nicht weich genug. Dies wird oft in Bettaforen angesprochen und wurde mir heute Morgen auch als mögliche Hypothese in einer Email vorgeschlagen.) Auch mir ging schon während der Beobachtung dieser Gedanke durch den Kopf. Da ich aber sah, das das Männchen ab und an auch mal Blasen erzeugte, die wirklich lange bestehen blieben statt nahezu augenblicklich zu zerfallen, hatte ich dabei ein Gefühl von "unplausibel". Warum sollte die Wasserchemie mit diesen ab und an dauerhaften Blasen eine Ausnahme machen?
  • Das Männchen könnte durch die offensichtlich mehrfach hintereinander durchgeführten Bruten irgendwie erschöpft sein und diese Erschöpfung sich in ein "nachlässigeres" Bilden von Blasen, Eiklumpen und dem anständigen Sammeln an einen zentralen Brutplatz niederschlagen. Allerdings wirkt er auf mich nicht erschöpft?!
  • Da diese Tiere des Bestand/623 aus einem alten DDR-Bestand stammen sollen, also nicht aus relativ jungen Wildimporten, könnte es sein, dass sie über eine enge Inzucht schlicht Ausfallerscheinungen im Brutpflegeverhalten aufweisen.
  • Mit A-Männchen habe ich evtl. einfach das Pech, dass es einen individuellen Defekt im Brutpflegeverhalten aufweist.
  • Es ist echtes natürliches Verhalten des M.ocellatus die Eier vereinzelt driftend über einen größeren Wasseroberflächenbereich in Grüppchen verteilt zu pflegen. Aber welchen Vorteil sollte das bringen?

    Es gibt bestimmt noch mehr vorstellbare Ursachenannahmen.
    Nachdem ich aber heute die Bilder aufbereitet/ausgewertet habe zeigte sich:
    Er ist durchaus in der Lage, dauerhafte Eiklumpen zu bilden. Die blasen- und klumpenverhindernde Wasserchemie ist damit aus meiner Sicht aus dem Rennen.
    Die Klumpenbildung betrifft laut den Bildern aber nur kleine Eier, die noch nicht kurz vor dem Schlupf im aufgequollenen Zustand sind,
    während die vereinzelt in verstreuten Kleingruppen gepflegten und dauernd durchgekauten Eier immer aufgequollene Eier bzw. schon Eilarven waren!

    Nun, das Genausfallerscheinungen (Genpool-Verengung(Inzucht)) oder sich in engem Genpool in menschlicher Obhut durchgesetzte Gendefekte sich derart Zweckmägikeit nahelegend differenziert auswirken, dass sie kleine Eier in klumpenbildender Pflege erlauben, während diese nur für gequollene Eier verloren gegangen ist, scheint mir so Wahrscheinlichkeitstheoretisch extrem unplausibel.
    Und auch der letzte Fall, dass es einfach im natürlichen Repertoir liegt, dass M.ocellatus eben nicht an einem zentralen Nestplatz alle Eier versammelt als Klumpen oder schaumgebunden ist damit aus meiner Sicht raus - war sowieso nur der "Vollständigkeit" halber trotz seiner Unplausibilität von mir aufgeschrieben Smile -.

    Für mich sieht es momentan nach sowas aus:

    Das Brutpflegeverhalten der Art M. ocellatus differenziert nach den unterschiedlichen Reifestadien der Eier bzw. Larven.

  • Frisch gelegte Eier werden wie bei allen Makropoden bzw. Schaumnestbauern im Schaumnest aufgesammelt bis zum Ende des Laichens ( Lt. Literatur. Ich selbst konnte genau diese Phase noch nicht beobachten. A-Männchen war dazu bisher zu schlau Wink ).
  • Nach dem Laichen werden die unreifen kleinen Eier in Form von kompakten Eiklumpen gepflegt - Literatur: Dr. Vierke -. (Nach dem wie ich sie bisher kennengelernt habe könnte ich mir sogar vorstellen, dass dies nicht in genau einem Eiklumpen, sondern in mehreren handlichen kleineren an unterschiedlichen in der Nähe liegenden Orten geschieht.)
  • Eier, die in das Reifestadium "Aufquellen" übergehen, sowie Eilarven werden vom Männchen nicht mehr geklumpt, sondern gezielt vereinzelt und in kleineren Gruppierungen unter treibenden Pflanzenteilen an verschiedenen Orten platziert. Die Pflege dieser Reifestadien folgt dann dem oben beobachteten intensiven immer wiederholten aufsammeln, intensiv duchkauen, lokal gruppieren.
  • Freischwimmende Larven bis zu sogar schon größeren sich dunkel pigmentierenden Larven werden in allen Wasserzonen ab und an eingesammelt und in Dutzendgrüppchen an unterschiedlichen Orten in unterschiedlichen Wassertiefen bevorzugt in näherer Umgebung feinfiedriger Strukturen platziert.

    Und diese Differenzierung behandelt scheinbar nicht die gesamte Brut summarisch nach einem mittleren Reifegrad, sondern geht nahezu individuell auf die Eier und Larven in ihren jeweiligen Reifegraden ein, so das also vom Männchen kleine unreife Eier der selben Brut weiterhin geklumpt werden (Bilder oben), während gleichzeitig aufquellreife Eier gezielt vereinzelt und in einem größeren Bereich an Pflanzenteilen an der Wasseroberfläche verteilt werden.

    Welchen Vorteil könnte ich mir Vorstellen:

  • Kleine Eier können leicht in einem Klumpen kompakt zusammengehalten und überwacht werden (Siehe Dr. Vierkes Ausführungen dazu auf Fischreisen.de).
  • Aufquellende Eier und Eilarven benötigen möglicherweise mehr direkten Oberflächenkontakt zu freiem Wasser (Erhöhter Gasaustauschbedarf?). Sie müssen deswegen vereinzelt gepflegt werden. Das macht's aber schwierig die Grundstrategie "Leichtes Überwachen in kompakten Klumpen" durchzuhalten. Es könnte dann von Vorteil sein, sie nicht mehr zentral bei dem Klumpen der unreifen Eier zu pflegen, sondern in kleineren Grüppchen im Revierzentrm verteilt. Möglicherweise ist dadurch die Gefahr kleiner, das die vereinzelten Quelleier von Fressfeinden einmal entdeckt alle auf einmal gefressen werden können?! Hmm...
  • Freischwimmende Larven einsammeln und in unterschiedlichen Zonen in der Nähe von feinfiedrigen Pflanzen platzieren?
    Junglarven in den ersten Tagen nach aufgebrauchtem Dotter sind extrem auf eine ausreichend Dichte an Futtertieren angewiesen, so dass sie ihre Fangerfolge schnell verbessern können und nicht Gefahr laufen für den Fangaufwandt mehr Energie zu verbrauchen, als der Fang einbringt. Ich vermute tropisch dauerwarme Überschwemmungsflachwasserzonen sind deutlich produktiver bzgl. der Nahrungstierchendichte als Flachwasserzonen gemäßigter Breiten, wo wirklich warme Zeiten kurzperiodisch abgewechselt werden mit kühleren Phasen?! In dem Fall könnte dieses eine Transportstrategie sein, die die Jungfischchen immer wieder an neue Nahrungsplätze (feinfiedrige Pflanzen) transportiert aber ohne die Ennergiebilanz der Larven sondern stattdessen die robustere des Erwachsenen Elters zu belasten. Oder es werden die Jungtiere aus ungeschützten Bereichen in die Nähe besser schützender Strukturen gebracht. Zu letzterem passt aber nicht, dass sich das A-Männchen teilweis regelrecht durch das Moospolster grub, um dort Jungfische aufzusammeln, die es dann an anderer Stelle des Polsters wieder entließ.

    PS:
    Die Vereinzelung könnte natürlich auch statt Folge einer anderen behandlung durch das Männchen von den Eiern in diesem Reifegrad selbst verursacht werden? Sie also selbts verhindern, dass sie aneinander haften bleiben?

    Wenn jemand mir Literatur zukommen lassen/verweisen könnte über die Eientwicklung bei Schwimmeiproduzenten oder ganz genial bei M.ocellatus würden ich mich freuen.




  • Und denn, man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum oben auf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist. -Oft lehrt man auch Wahrheit und Irrtum zugleich und hält sich an letzteren. {Johann Wolfgang von Goethe}