Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Teich

Sonnig, strahlendes SonnenwetterHeiter
TW: 11°C - ./. - 12°C
OW: 11°C - 14°C - 19°C
Siehe Teichprotokoll

Die Rundschwanzmakropoden aus Guangzhou

Heute Mittag bei 14°C Oberflächenwassertemperatur (OW) und 11°C Tiefenwassertemperatur (TW) aber bei strahlend sonnigem Himmel ließ sich zum ersten Mal dieses Jahr bei den Rundschwanzmakropoden im Teich echte Balzstimmung, die zudem eindeutig revierorientiert war beobachten:
Ein Guangzhou-Männchen (Macropodus ocellatus) kam aus der rechten Ecke des Teiches 3 (der für die Guangzhou-Tiere) - dort ist ein größere Bereich mit flutendem Riccia-fluitans, dem Teichlebermoos bedeckt und eine Teichrandpflanze lässt einige Triebe auf dem Wasser schwimmen - ca 1,5m durch das freie Wasser nach links geschwommen und suchte dort ein am Rand nach Nahrung suchendes Weibchen gezielt auf. Das Weibchen wurde darauf längere Zeit breitseitpräsentierend und schaukel-wedelnd vom Männchen angebalzt, antwortete selbst erst gar nicht, nach einiger zeit aber leicht positiv mit eigenem spreizen und nachlässigem Schaukelwedeln. Diese leicht positive Antwort wurde dann vom Männchen als positives Signal angenommen. Es drehte und schwamm flossengespreizt übertrieben aufwendig sich bewegend gradlinig vom Weibchen unter die ins Wasser hängenden Triebe der Uferpflanze. Entsprechend der nur nachlässigen Antwort des Weibchens folgte dieses aber nicht dem Männchen sondern blieb bei seiner gemütlichen Futtersuchebeschäftigung.
Das Männchen hat sich also eindeutig bereits ein Revierzentrum festgelegt und ist in klarer Balzstimmung. Man beachte dabei, dass es die Tiere aus dem Mimbon-Import aus der Guangzhou-Region sind, also wahrscheinlich aus dem südlichsten Verbreitungsgebiet der Art Macropodus ocellatus und diese Tiere trotz einer Wassertemperatur von 14°C! bei ausreichend Sonneneinstrahlung bereits soweit in Brutstimmung geraten, dass das Männchen Ein Revier bildet und mit Werbung und Führungsschwimmen sein Weibchen versucht dorthin zu locken.
Allerdings zeigen weder das Männchen noch das Weibchen eine sehr dunkle Körpergrundfärbung und nur wenn insbesondere ein Weibchen diese sehr dunkle Färbung zeigt, ist das Weibchen wirklich bereit, sich auf eine Brut einzulassen. Vorher beschränkt sich das Werben in seiner Wirkung vorwiegend auf sowas wie eine gegenseitige Bestätigung, dass man als Paar zusammen bei nächster geeigneter (Wetter/Stimmung) Gelegenheit tatsächlich eine gemeinsame Brut durchführen wird. Entsprechend nachlässig war ja auch die Reaktion dieses zu hell gefärbten Weibchens. Auch in dieser Beobachtung zeigt sich wieder, das Rundschwanzmakropoden die Brutpaarbildung mehr oder weniger weit vor dem Termin der eigentlichen Brut durchführen und dass immer das Weibchen den eigentlichen Termin der Brut festlegt, nie das Männchen!

Was aber noch im Kontext des Vergleiches im Verhalten der südlichsten Populationen und weiter nördlich gelegener bemerkenswert ist:
Die Guangzhous - als wahrscheinliche Vertreter der südlichsten Populationen in meinen Teichen - sind in der Brutstimmung am weitesten fortgeschritten (Nochmal: bei 14°C Wassertemperatur!) verglichen mit den Tieren in der Anlage aus Teich1/2, die seit Jahren ihre "Eiswintertauglichkeit" beweisen haben und derzeit in den Teichen die beste Annäherung für Vertreter der nördlicheren Populationen darstellen. (Ich habe inzwischen auch Tiere aus einer nachweislich nördlichen Region Korea aber dieses sind noch Jungtiere, die bisher auch noch keine eigenen Teich haben - Die Guangzhous waren schneller Wink - und deswegen bisher leider in dieser Beziehung noch nicht zum Vergleich herhalten können.)

Die Tiere aus Teich1/2 haben zwar auch schon Werbungen gezeigt (siehe frühere Beobachtungseinträge) aber bisher ist bei ihnen noch keinerlei Andeutung von Revierbildungen vorhanden. Alle hier ablaufenden Werbungen gehören also in eine noch viel frühere Phase des vorbereitenden Paarzusammenfindens.

Es gibt allerdings einen Unterschied in den Teichen:
Der neue Teich der Guangzhou-Tiere bekommt deutlich mehr Sonne ab, hat weniger Schattenphasen als die Teiche1/2.
Und ich vermute, dass dieses den Vorsprung der Guangzhou-Tiere im Teich 3 erklärt, denn direktes Sonnenlicht ist für die Rundschwanzmakropoden, wie ich aus meinen Beobachtungen bisher ableite, viel wichtiger als Bestimmungsfaktor ihrer Aktivität als die tatsächliche Wassertemperatur.
Nichtsdestoweniger zeigt heute aber diese Beobachtung, dass selbst die südlichsten Populationen schon bei 14°C Wassertemperatur in fortgeschrittenere Brutstimmung gelangen können.

Rundschwanzmakropden im Teich1/2

Diese Macropodus ocellatus (Kupferklaner und Grauklaner) sind seit einigen Tagen bei sonnigem Wetter sehr lebendig und aktiv:
Es wird viel geschwommen und dabei nahezu ununterbrochen nach Nahrung Ausschau gehalten. Könnte sein, dass diese hohe Nahrungssuchende Aktivität darauf zurückzuführen ist, dass die Anzahl der adulten Stichlinge und Rundschwanzmakropoden mit geschätzt 20+35 Tieren nun die Produktivität der Teichanlage ausschöpft?!

Ein Indiz, dass zumindest die Stichlinge mit ca. 20 adulten Tieren ihre Grenze in dieser Teichanlage erreicht haben ist die Tatsache, dass an allen Ecken schon seit längerem fleißig gebrütet wird und ich schon vor mehr als einer Woche wenigstens eine Schwarm Jungtiere gesehen habe, der das Nest verlassen hatte und sich noch unter sorgfältiger Bewachung und! Betreuung des Vaters frei im Umfeld des Nestes bewegte. Zur Zeit aber ist nicht mehr auch nur die Andeutung von irgendwo frei schwimmenden Stichlingen zu sehen und das Brutgeschäft ist längst in die zweite Stichlingsrunde gegangen!
Das interpretiere ich momentan vorsichtig als Indiz, dass wohl so gut wie keiner der vielen Jungstichlinge der ersten Welle das Verlassen der väterlichen Obhut überlebt hat, sondern fast alle wohl in den Mägen der adulten Stichlingsweibchen und evtl. adulten Rundschwanzmakropoden verschwunden sind.

Wenn dem so ist, bin ich gespannt, wie sich die Situation am Ende des Jahres für die Rundschwanzmakropoden herausstellen wird.

Status der letztjährigen jungen der Macropodus ocellatus im Teich

Ansonsten kann ich zur Zeit (gegen Ende April) bzgl. der überwinternden Jungen der Rundschwanzmakropoden vom letzten Jahr feststellen:
Aktuell sind davon gerade mal soviel übrig (aktiv zu beobachten), dass ich denke, sie zur Bestandssicherung im Teich zu benötigen.
Wie war nun der Weg von den vielen Jungtieren zum Ausgang des letzten Sommers bis zu der gerademal bestandsichernden Anzahl jetzt gegen Aprilende?

Wenn man durch die Beobachtungsnotizen liest, dann lässt sich der Ablauf wie folgt zusammenfassen:

  • Die adulten haben im letzten Sommer bei unterschiedlichen Wetterlagen erfolgreich und reichlich Bruten hochgebracht. Wesentlich schien immer nur zu sein, ob 2 bis 3 Tage Sonnenschein verfügbar waren, die Wassertemperaturen an der Oberfläche brauchten nicht sonderlich hoch liegen, irgendwo so zwischen 18°C und 21°C war offensichtlich vollkommen ausreichend, wichtig war, so scheint's, nur wenigsten 1 bis 2 Tage ungehinderte strahlende Sonne.
  • Gegen Sommerende war der zahlenmäßige Bruterfolg der Rundschwanzmakropoden deutlich größer als der Stichlinge
  • Mit dem ersten Eis gingen die nicht erkennbar geschmälerte Zahl der Juvenilen in dem Winter und da bis kurz vor dem kalten Wetter noch erfolgreiche Bruten im ungemütlichen Herbstwetter hochgebracht wurden, bewegten sich die unters Eis gehenden juvenilen in den Größenklassen von 15mm SL bis 25mm SL. Einige der 15mm-Tiere hatte ich mir unter der Annahme, das juvenile Macropodus ocellatus in diesem Reifegrad wahrscheinlich den Winter unter Eis nicht überleben würden für die winterliche Aquarienbeobachtung herausgefangen.
  • Im Winter zeigte sich dann, dass die Winzlinge von 15mm SL diejenigen Tiere waren, die ich vor allem unter der geschlossenen Eisdecke am häufigsten aktiv sehen konnte! Im Winterlich kalten Wasser ist die Bewegung aller juvenilen klar zäh gewesen. Sie waren also nicht in der Lage in diesem kalte Wasser ausreichend physiologische Reserven zu mobilisieren, um ein halbwegs normales Bewegungsmuster aufrecht zu erhalten (Im Gegensatz zu den adulten Tieren, die auch bei 3°C kaum Bewegungseinschränkungen zeigten, sie wirkten nur ein wenig karauschiger in ihrer Bewegung!).

    Aber schnell wurde auch klar, dass unter dem Eis bzw. im winterkalten Wasser es gerade die juvenlien waren, die am seltensten in Schlafruhephasen gingen. Bei guter Sicht war eigentlich mit ziemlicher Gewissheit auch irgendwo ein Juveniler - meist aus der 15mm-Größenklaasse - aktiv zu sehen. Und es wurde eindeutig klar: Alle juvenilen Rundschwanzmakropoden wenigstens ab einer Größenklasse von 15mm SL haben mit dem Winter ob ohne Eisabdeckung oder Monatelanger geschlossenere Eisdecke nicht auch nur eine Andeutung von Überlebensproblem auf Grund der Temperaturen und sie sind unter solchen Bedingungen durchgehend aktiver als die adulten.
  • Das Bild setzte sich dann in der ersten Phase nach dem Verschwinden des Eises aber weiterhin winterkaltem Wasser fort
  • Erst, als das Wasser begann öfter mal wieder wärmere Phasen zu bekommen uns ich so im Mittel zwischen 6°C und 10°C bewegte gab es bei den Juvenilen 2 oder 3 Ausfälle. In dieser Phase schien für die Juvenilen also erst eine Belastung zu entstehen und ich glaube auch zu wissen, wodurch diese verursacht war: Es ist eine Übergangsphase, das Wasser beginnt wärmer als 6°C zu werden und kurbelt damit wohl den Stoffwechsel der juvenilen Rundschwanzmakropoden an. Gleichzeit "schläft" im Teich aber nach wie vor die Produktivität der Nahrungsorganismen, so dass sich möglicherweise ein Schere leicht öffnet zwischen Nahrungsbedarf der Juvenilen und der Verfügbarkeit. Dieser Schere fallen dann wohl einige schwächlicheren zum Opfer. Insgesamt war der Verlust in dieser Phase aber nicht wirklich nennenswert und die Zahl der juvenilen ging nahezu ungeschmälert von der Überwinterung in die Froschbrutzeit über.
  • Hier tat sich nun unerwarteterweise eine echte quantitative Hürde für die juvenilen Rundschwanzmakropoden auf: Ab dem Moment, wo die ersten Laichballen der Frösche vorhanden waren, zeigten diese massiven Gallertballen ihre Eigenschaft als Todesfallen für juvenile Rundschwanzmakropoden im Größenbereich von 20mm SL. Auf alle Juvenilen wirkte die Gallerte offensichtlich als sehr attraktiver Verankerungsplatz zum Schlafen ( Rundschwanzmakropoden - zumindest die des Teiches1/2 - schlaffe so gut wie nie, außerhalb von Höhlen oder am Liebsten weichen knäueligen Pflanzenfasergewirren und ähnlichem. Sie verankern sich darin feste bis sie am nächsten Morgen wieder aufwachen oder nach einer längeren Schlechtwetter-Verschlafphase von der Sonne geweckt werden. Sind dies - nicht selten - flutende frei driftende Faserpolster, so verdriften sie schlicht, ohne etwas dagegen zu unternehmen, mit diesen "Schlafbetten".

    Die Eigenschaften der Gallertklumpen des Froschlaiches scheinen nun für die Rundschwanzmakropoden sie als ganz besonders attraktive Betten erscheinen zu lassen. Entsprechend arbeiteten sich ab dem Moment, das diese Klumpen existierten die Juvenilen unter größtem Ehrgeiz und Anstrengung reihenweise in diese Gallertklumpen hinein. Steckten sie aber erst einmal auch mit dem Schwanz innerhalb der Gallerte verloren sie die Fähigkeit - mangels Armen und Beinen wie bei den Bergmolchen - zur Vorwärtsbewegung mit der Folge, dass sie nicht mehr raus kamen und am nächsten, zur Bewegungslosigkeit verdammt, in der Gallerte erstickt waren. Folge dieser überall verteilten Fallen war dann, dass inzwischen der Anzahl der letztjährige juvenilen auf eine gerademal bestandserhaltende Anzahl zusammengeschrumpft ist. Und in den aktuell beobachtbaren Juvenilen ist ein deutlich erkennbares Loch in der Größenklasse zu erkennen: Die meisten sind erstaunlicherweise dei 15mm SL Tiere, wenige aus der Größenklasse ab 20mm und ansonsten nur noch Tiere aus der Frühsommerphase des letzten Jahres, die sich jetzt als subadulte präsentieren.

    Zusammenfassend

    kann ich also zur Überwinterungsfähigkeit juveniler Rundschwanzmakropoden sagen, dass wenigstens ab einer Krötenklasse von 15mm SL die Juvenilen soweit ausgereift sind, dass sie vollkommen problemlos selbst durch einen Winter mit monatelanger Eisabdeckung gehen können und dabei sehr häufig unter Eis weiterhin aktiv sind. Wenn sie im Winter überhaupt Probleme haben sollten, dann wohl nur in der Gegenwart winteraktiver Fischräuber, da ihre Winterbeweglichkeit deutlich zäh ist. (Ausfälle bei den adulten gab es gar keine erkennbaren).
    Erst die Übergangsphase zwischen Winter und Frühling stellt für die Jungtiere eine dezimierende Hürde dar: Einmal, wenn der Nahrungsbedarf schneller anläuft als im ungemütlichen Übergangswetter die Produktivität der Nahrungsorganismen und eine wirklich drastische, falls sie sich den Lebensraum mit in Gallertballen laichenden Fröschen teilen.
    Wobei in meiner Teichanlage diese drastische Dezimierung aber auch in keiner Weise bestandsgefährdend war. Sie hat nur die Folge, dass ich den Anfragern, denen ich noch im Frühjahr einige Jungtiere geben wollte, wenn genügend übrig sind leider erst im Herbst wieder Tiere geben kann.




  • Es ist gerecht, alle Religionen ohne Unterschied zu dulden, wenn sie nur nichts weiter verlangen als Gewissensfreiheit und sich nicht an den bürgerlichen oder politischen Gesetzen vergreifen wollen. {Pierre Bayle}