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Erlebt ein wild lebender Rundschwanzmakropode typischerweise nur eine Fortpflanzungsperiode?

Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung
FAQ: 
nein

Nein, mehrerer Fortpflanzungsperioden dürften das typische für Macropodus ocellatus (Rundschwanzmakropoden) sein

Aus meinen Beobachtungen unter quasi-natürlichen Bedingungen in meinen Teichen lässt sich eine solche Annahme nicht belegen.
Wenn der Raubfeinddruck nicht ungewöhnlich hoch ist oder andere ungewöhnliche Situationen bemüht werden können, so leben Rundschwanzmakropoden unter natürlichen Bedingungen mehr als ein Jahr als adulte.
Tiere die bei mir in den Teichen aufgewachsen sind leben mindestens 2 Jahre als adulte. Nur wenn ich subadulte oder adulte aus Zooläden oder anderer relativ warmer Winterhaltung bekommen hatte überstanden die meisten davon den ersten Sommer nicht. Sie starben/verschwanden meist noch vor Spätherbst im Spätsommer. Der Normalzustand in den Teichen ist aber, dass ich immer sowohl letzt- oder vorjährige Adulte und mehrjährige sehr große adulte sehe.

Im Gegenteil denke ich sogar, dass sie die Strategie des "Wegschlafens", die sie nicht nur im Winter nutzen, sondern auch sonst bei aus ihrer Sicht wohl unwirtlicheren Bedingungen - auf dieser Seite auch an anderer Stelle drüber berichtet - verwenden, um nicht ihre Lebenspanne zu schnell zu verbrauchen, sondern diese über möglichst viele Brutepisoden ziehen zu können.

So müssen die M.ocellatus als Fische des gemäßigten Klimas bereit sein auf das launische Wetter in diesen Gebieten schnell zu reagieren (Brutmöglichkeiten schnell nutzen), während sie tunlichst vermeiden sollten, unnötig Ressourcen in ungünstigeren Zeiten zu verbrauchen (Schlafen für längere Zeiten auch außerhalb des Winters).
Hier glaube ich liegt einer der größten Nutzen, den ihnen die Schlafstrategie liefert - darüber schon früher auf dieser Site spekuliert -.
Die unterbrochenen Schlafperioden im Winter scheinen mir nur die konsequente Nutzung dieser Strategie, keine spezielle Anpassung für die Überwinterung, die wird da eben mitgeliefert.
Deswegen denke ich unterbrechen sie auch sehr schnell und spontan selbst unter Eis diesen Schlaf, wenn die Sonne kräftig genug durch das Eis scheint.

Einer wie der Macropodus ocellatus, der offenbar Sonnenlicht direkt ins Wasser scheinend (nicht Temperatur sondern Licht) als zwingende zusätzliche Voraussetzung für Bruten hat, muss außer der Saisonalen seine Brutepisoden auch noch zeitlich kleinräumig chaotisch nutzen und unter Umständen aufschieben. Die Wahrscheinlichkeit ein Jahr vollkommen leer auszugehen ist nicht gering und dann im nächsten Jahr nicht mehr mitspielen zu können, weil man sich im laufenden Jahr verbraucht hat, heißt dann schlicht und einfach gar nicht mehr mitspielen. Diese Linie fällt mit großer Wahrscheinlichkeit mittelfristig aus dem Rennen. Nur wer schafft, solche ab und an auftretenden längerfristigen Brutausfälle abzuwarten, kann weiter mitgehen in dem Spiel des Lebens.
Es ist also von Vorteil Strategien zu haben, die erlauben, möglichst solange auszuharren bis wenigstens eine Brutepisode im Laufe des Lebens genutzt werden konnte.




'Es spielt keine Rolle, wie schön deine Theorie ist. Es spielt keine Rolle, wie klug du bist. Passt sie nicht zu den experimentellen Ergebnissen/Beobachtungen, dann ist sie falsch!'. {nach Richard Feynman, Nobelpreis für Physik 1965}