Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Großlibellenlarve, Kaulquappe, Stichling, Rundschwanzmakropode

Eine Großlibellenlarve sitzt im Ansitz an der Teichwand als eine Erdkrötenkaulquappe vorbeischwimmt. Als die Kaulquappe auf ca 20cm heran ist, düst die Libellenlarve los, fängt sich die Kaulquappe und kehrt mit ihr zu ihrem Ansitz zurück. Hier beginnt sie nun die Erdkrötenlarve zu futtern.

Ein Rundschwanzmakropode kommt vorbei, sieht die Libellenlarve mit der zappelnden Kaulquappe und schwimmt sofort zu dieser hin, wohl um zu prüfen was diese da frisst. Er bleibt so 6cm entfernt stehen und beobachtet die Libellenlarve mit der Kaulquappe genau. Nach einiger Zeit kommt er dann wohl zu dem Schluss, dass das Zappelnde eine Erdkrötenlarve ist und ihm daher nicht mundet. Der Rundschwanzmakropde dreht ab und lässt die Libellenlarve hinter sich.

Kurz darauf kommt ein Stichlingsweibchen vorbei. Auch dieses sieht die Libellenlarve und möchte prüfen, was diese denn da frisst. Also geht's zu der Großlibellenlarve hin und auch der Stichling bleibt etwa 6cm davor stehen und inspiziert, was da gefressen wird. Da auf Stichlinge aber alles was sich verletzt oder ungewöhnlich bewegt eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt, entschließt sich das Weibchen nach einiger Zeit auf die zappelnde Kaulquappe loszugehen, obwohl die Stichlinge im Teich die Kaulquappen sonst links liegen lassen. Das wiederum, nämlich ein Stichling der ihr das Fressen streitig macht, gefällt aber offensichtlich der Großlibellenlarve nicht, denn kurz bevor der Stichling in Reichweite der Kaulquappe kommt, krümmt die Libellenlarve, die seitlich zum Stichling steht, ihren länglichen Hinterleib schlagartig auf den Stichling zu und hätte ihn um Haaresbreite sogar getroffen. Das Stichlingsweibchen macht darauf einen Satz zur Seite und überlässt die Beute der Libellenlarve.

Was ist für mich das Bemerkenswerte:
Eine Aeshna (Großlibellenlarve) hat in ihrem Verhaltensrepertoir die Möglichkeit, ihren länglichen Hinterleib als sowas wie eine Peitsche einzusetzen, womit sie unliebsame Annäherungen - hier die des Stichlings - durch gezielte Schläge abwehren kann!

9-Stacheliger Stichling, Bergmolch

Im Teich 1 in der rechten zaunseitigen Krautecke hat ein Stichlingsmännchen sein Revier und sein Nest.
Da kommt aus dem tieferen Wasser ein Bergmolchmännchen hoch an diese Krautecke und überschreitet damit die Reviergrenze des Stichlingsmännchens. Wie nicht anders zu erwarten und wie es auch der Stichling bei einem Rundschwanzmakropoden oder Gelbrand gemacht hätte, eilt er herbei und versucht das Bergmolchmännchen zu vertreiben.
Nun aber die Überraschung!
Der Bergmolch sah das überhaupt nicht ein und ging tatsächlich ganz klar und aggressiv zum Gegenangriff über. Als Folge entwickelte sich nun ein regelrechtes Gerangel zwischen dem Bergmolch und dem Stichlingsmännchen, bei dem dieses sich genötigt sah, seine weiß leuchtenden Bauchstachel aufzustellen, und es ging relativ gleichberechtigt mal 20cm hin, mal 20cm her, also mal war der Bergmolch ein Stück auf der Flucht, mal das Stichlingsmännchen und mal kreiselten sie regelrecht.
Ich hatte bisher noch nie einen Bergmolch derart aggressiv und unter Strom/Spannung gesehen. Während die Strategie des Stichlings war, durch Bisse oder Stacheleinsatz mit dem Bergmolch zu kämpfen, bestand die des Bergmolches darin, den Stichling in die Seite anzugreifen. Dazu setzte er Maul und Vorderfüße! ein, indem er mit seitlich am Kopf vorgestreckten Vorderfüßen den Stichling seitlich Angriff. Sobald er den Stichling berührte - ob er ihn mit dem Maul versuchte auch zu beißen konnte ich nicht erkennen - bewegte er die vorgestreckten Vorderfüße hastig und offensichtlich unter aggressiver Anspannung mehrmals am Körper des Stichlings von oben nach unten, das hatte optisch was von Kratzen oder Fassversuchen. Das resultierte dann immer darin, das der Stichling versuchte, auszuweichen und dem Molch wieder mit gespreizten Stacheln von der Seite zu komme (Resultat: Gegenseitiges Umkreisen) oder einfach die Flucht zu ergreifen.

Insgesamt sah aber alles für mich recht ausgeglichen in den Kräfteverhältnissen aus und auch das Stichlingsmännchen und der Bergmolch schienen irgendwann zu dieser Überzeugung zu kommen. Nach längerem Hin und Her schlief die Aktion langsam ein und beide Seiten ignorierten sich, wobei der Bergmolch fast länger aggressiv den Stichling verfolgte. Zur Ruhe kam dann alles immer noch innerhalb des Stichlingsreviers, aber der Stichling zog sich mehr ins Zentrum zurück und der Bergmolch drang nicht tiefer ein, sondern wanderte im äußeren Bereich weiter.

Also, ich hätte einem Bergmolch eine derartige Aggressivität gegenüber einem Stichling bisher nicht zugetraut und vor allem wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass der Bergmolch seine Vorderbeine in aggressiven Auseinandersetzungen (gegen Fische) einsetzt.

Im zeitigen Frühjahr als die Bergmolche gerade eingetroffen waren, hatte ich zwar oft beobachten, dass ein Bergmolch meterlange Strecken hinter Stichlingen herschwamm und diese offensichtlich dem Bergmolch versuchten teilweise fluchtartig auszuweichen. Auf Seiten des Bergmolches sah das aber eher wie eine schlichte Belästigung durch direktes Zuschwimmen aus. Das diese zwei Arten regelrecht miteinander kämpfen können und dann auch noch alles ausgeglichen endet hätte ich nie gedacht.




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