Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Allgemeines zum Verhalten der Rundschwanzmakropoden (Macropodus ocellatus)

Verhaltensbeschreibungen bei Labyrinthfischen beschränken sich oft wie selbstverständlich auf die meist auffälligen Verhaltensäußerungen während der Fortpflanzung. Dabei wird die Bedeutung bzw. Funktion der herausgestellten Verhaltenselemente bevorzugt unter den Maßgaben der Auffälligkeit/Attraktivität für den Halter, des quantitativ maximierten Zuchterfolges und der Vergesellschaftungsmöglichkeiten in einem beengten Aquarium interpretiert.
Dieses ist jedoch nicht das Hauptziel dieses "Kapitels".

Was ich hier versuche ist,
1. zu beschreiben wie differenziert das Verhalten der Rundschwanzmakropoden ist und zwar auch in weniger auffälligen oder für die Aquaristik nicht relevanten Bereichen
2. zu verstehen, welche Funktion es für diese Art haben könnte.
Folgerungen für die Aquaristik sind dabei für mich Nebensache, nicht Hauptthema.
Kurz ich möchte Versuchen mir ein Bild dieser Art auf Basis meiner Beobachtungen und für mich erreichbarer Sachliteratur zu machen.


Rundschwanzmakropoden zeigen sich bei mir sowohl im Aquarium als auch im Teich - in letzterem deutlicher erkennbar - als relativ gesellige Tiere. Nicht in dem Sinne von Schwarmfischen, die sich z.B. spätestens in unsicheren Situationen zusammenfinden, um in der Gruppe besser vor Fressfeinden geschützt zu sein. Rundschwanzmakropoden finden sich nur zusammen, wenn sie sich nicht gefährdet fühlen. Sobald sie glauben in Gefahr zu sein, schießen alle meist in unterschiedlichen Richtungen in die nächstbeste Deckung Richtung Gewässergrund davon (zumindest bei Gefahr von außerhalb des Wassers. Kommt die Gefahr aus dem Wasser so werden sie zu rasanten Springern).

Fühlen sie sich aber sicher, so kann man oft beobachten, wie sie sich in kleineren lockeren Gruppen sammeln. Zwei besondere Beobachtungen dazu sind:

  • MOc: 25.06.10: wo ein kleiner Trupp im Gänsemarsch koordiniert anhält und weiterschwimmt und damit zeigt, dass sie nicht einfach so zufällig in gleicher Richtung unterwegs sind oder
  • MOc: 17.07.10: wo ein Kleiner Trupp sich im freien Wasser trifft und wie eine kleine Menschengruppe beim Tratsch - Achtung! bildlich, nicht überinterpretieren - mal diese mal jene miteinander kommunizieren.

    Auch sonst wird im Teich bei einzeln schwimmenden Fischen, die sich zufällig treffen oft die ein oder andere Gestik ausgetauscht was bis zu sich gezielt berührendem aneinander Vorbeischwimmen gehen kann wie in der Beobachtung MOc: 04.06.10 sehr deutlich war und zwar ohne durch eine besondere Stimmung wie Laichen oder Balz verursacht zu sein.

    Ernsthafte Auseinandersetzungen sind im Teich sowohl während der Brutpflege wie auch außerhalb der Brutstimmung selten.
    Außerhalb der Brutstimmung kommen sie eigentlich im Teich aber auch im Aquarium bei mir gar nicht vor. Alle Uneinigkeiten werden mittels einfacher ungestresster Gestiken abgeklärt wie Bauchzeigen, kurzes entspanntes Kiemenspreizen. Werden sich zwei gerade mal nicht einig, wer den Vorrang haben sollte, dann wird ein wenig parallelimponiert evtl. mit Schwanzflossenschlagen, was schon nach kurzer Zeit wie gelangweilt wieder eingestellt wird und beide beschäftigen sich wieder mit dem Alltagsgeschehen ohne einen wesentlich vergrößerten Abstand eingenommen zu haben.

    Dieses gesellige allgemein friedliche Verhalten ändert sich nur im Fortpflanzungskontext während der vorbereitenden Revierabgrenzung, des Laichens und der Brutpflege.
    Hier bestimmt nun die Notwendigkeit ein Brutrevier konkurrenz- und Bruträuberfrei zu halten die Interaktionen zwischen dem Brutpaar und anderen Rundschwanzmakropoden. Während das Männchen und Weibchen des Brutpaares je nach Phase des Fortpflanzungsprozesses miteinander sich aktiv koordinierend unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen, wandelt sich das Verhältnis zu anderen Rundschanzmakropden drastisch (nicht so deutlich zu artfremden Fischen): Sie werden sowohl vom Männchen wie auch vom Weibchen für die Dauer des Laichens und der Brutpflege nicht mehr im Brutrevier geduldet und zumeist ohne rituelle Drohungen sofort und heftig angegriffen und vertrieben. Für das Weibchen gilt dies allerdings wie sich im Teich gezeigt hat nur für den Bereich des Brutreviers, welcher sich bis auf 2m ausdehnen konnte. Bewegt sich das Brutweibchen aus diesem Bereich hinaus verhält es sich zu den anderen Rundschwanzmakropoden nicht viel anders als außerhalb der Brutstimmung: Man zieht miteinander in aggressionsfreier mehr oder weniger geselliger Weise umher. Das Brutweibchen kehrt aber immer schon bald gezielt wieder in das Brutrevier zurück und übernimmt wieder die Rolle des Außenbereichsverteidigers.

    Das Männchen konzentriert sich in fast allen Phasen auf die Pflege der Eier aber auch auf die Betreuung der freischwimmenden Larven, welche gesammelt und an unterschiedlichen Orten zumeist in der Nähe von Verkrautungen auch in tieferen Wasserschichten aus dem Maul entlassen werden.

    Sobald die Betreuung der Eier und Larven beendet ist hört auch die Revierverteidigung auf und die Revierorientierung löst sich vollkommen auf. Das Männchen zieht wieder weitschweifig und teilweise mit anderen Rundschwanzmakropden durch das Gewässer. Sind die Wetterverhältnisse derart, dass das Männchen weiter in Brutstimmung bleibt, so wird es in dieser mehr oder weniger geselligen Phase mit Weibchen denen es begegnet versuchen zu Balzen. Dies geschieht aber revierungebunden. Erst, wenn es sich mit einem Weibchen soweit einig geworden ist, dass das Ablaichen bevorsteht, wird die Werbung wieder Reviergebunden. Erst mit dem oft einen Tag später stattfindenden Ablaichen beginnt wieder eine intensive Verteidigung des Brutreviers und zwar durch das Weibchen.

    Macropodus ocellatus ist also, soweit ich bisher beobachten konnte, ein in lockeren Gruppen gesellig und miteinander auch außerhalb von Brutaktivitäten kommunizierender Fisch, welcher nur zur direkten Bruttätigkeit ein zeitlich begrenztes Brutrevier verteidigt. Zwischen dem Brutpaar kommt es nie zu wirklich ernsthaften Auseinandersetzungen (unter quasi- bis natürlichen Bedingungen). Zu verletzenden Attacken kommt es eigentlich nie auch nicht zwischen Männchen.
    Bei Angriffen auf Reviereindringlinge reagieren die Eindringlinge immer schnell genug, sodass es auch dabei trotz des teilweise spektakulären Jagens (manchmal gar mit weitreichenden Fluchtsprüngen der Verfolgten über Wasser) nicht zu Verletzungen kommt.


    Auf den Unterseiten dieser Kapitelseite werden einzelne Verhaltenskontexte immer spezifischer beschrieben. Viel Spaß beim Schmökern! Meldungen/Kommentare zu eigenen Beobachtungen der Leser sind willkommen genauso wie begründete Hinweise zu Fehlinterpretationen und ähnliches.



  • Wissenschaft ist der Glaube an die Unwissenheit des 'Wissenschaftlichen Konsenses'. {frei nach Richard Feynman}