Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Teich

Sonnig, strahlendes SonnenwetterStarker Regen bis SchüttenGrau bedeckt
TW: 18°C - 18°C
OW: 20°C - 20°C
Siehe Teichprotokoll



Das heutige Geschehen bei den Rundschwanzmakropoden in Teich1/2

Trotz des wolkenbruchartigen Regens am Mittag, welcher den Wasserstand in den Teichen um gut 2cm hat ansteigen lassen, und des darauf folgenden grau verhangenen Resttages, waren um 18:00h weiterhin die Rundschwanzmakropoden bei der Werbung und beim Nestbau zu sehen.
In Teich 2 an der Hausseite bei der Wasserpfefferminze war ein Männchen unter flutenden Wurzelgeflechten der Wasserpfefferminze mit Nestbau beschäftigt. Zum ersten Mal habe ich damit tatsächlich ein Männchen der Macropodus ocellatus gesehen, welches ein Schaumnest anlegt. Bei allen! bisherigen Beobachtungen, sowohl im Aquarium wie auch in den Teichen bauten die Männchen nicht einmal andeutungsweise ein Schaumnest, keiner dieser Männchen machte auch nur Anstalten eine einzige Schaumblase zu schöpfen und abzugeben. Dieses Männchen heute aber war eindeutig mit Schaumblasen erstellen beschäftigt und zwar wenigstens ein halbe Stunde lang.
Immer wieder kam es unter dem Nestplatz hervor, schöpfte tief Luft, drehte um und verschwand für einige Zeit unter dem Nestplatz, bevor er wieder herauskam, um mit weit geöffnetem Maul die nächste Luftportion zu holen.
Da ich 2009 Gabelschwanzmakropoden (Macropodus opercularis) sommers im selben Teich hatte, die dort auch ein Nest gebaut hatten (und erfolgreich in diesem Teich mit Stichlingen zwei Jungfische durchbrachten, nicht viel aber immerhin) haben ich einen direkten Vergleich zwischen dem heute Schaumnestbauenden Rundschwanzmakropoden und dem damaligen Gabelschwanzmakropoden: Und der Unterschied ist drastisch: Der Gabelschwanzmakropoden investierte einen gewaltigen Aufwand in den Bau und Erhalt seines Schaumnestes. Es war ein hektisches eilige Gependel aus Luftschöpfen unmittelbar neben dem Nest, umdrehen, Blasen abgeben, Luftschöpfen. Die Aktivitätshektik war derart hoch im Teich, dass es mir leicht viel, obwohl eigentlich gut versteckt unter dicht ins Wasser wuchernder wilder Wicke, den Nestplatz zu identifizieren.
Bei dem Rundschwanzmakropoden heute aber war das ein recht gemütlich beschauliches geschehen, dass außerdem so vorsichtig und unauffällig unter dem Nest hervorkommend durchgeführt wurde, dass ich es nie bemerken würde ohne genaues und ausdauerndes Absuchen des Teiches mit dem Fernglas.
Kurz: Obwohl ich damit heute den ersten Rundschwanzmakropoden selbst beobachten konnte, welcher tatsächlich ein Schaumnest baute war der von dem Tier darin gesteckte Energieaufwand verglichen mit einem Gabelschwanzmakropoden kaum nennenswert.

Es gab bei diesem Männchen noch eine andere bemerkenswerte Beobachtung:
Es gab offensichtlich 3 Weibchen, die sich für dieses Schaumnest bauende Rundschwanzmakropodenmännchen interessierten. Von diesen 3 waren zwei zitronengelb gefärbt und eines in etwas dunklerer Normalfärbung. Folgendes geschah:

Ein gelbes Weibchen war direkt neben dem Nest, schaukelte schwanzflosseunten und wurde offensichtlich von dem zweiten gelben Weibchen abgelenkt, welches etwas weiter weg stand und sich schanzflosseunten leicht schaukelnd rückwärts schwimmend auf das erste Weibchen zu bewegte, dann wieder vorwärts wegschwamm und wieder rückwärts auf diese zu. Irgendwann dann bekamen sich die zwei in die Haare und das nestnähere trieb das rückwärtsschimmende weg in die Pfefferminze in 1.5m Entfernung. Das Männchen interessierte sich diese Zeit über weder für das erste gelbe noch das zweite gelbe, sondern pflegte gemütlich sein Nest mit weitere Schaumblasen.

Bald darauf kam dann eines der gelben, ich vermute das erste nestnähere von der anderes Seite aus dem Kraut zurück zum Männchen und wedelte. Diesmal nahm das Männchen jedoch das Weibchen war, unterbrach seine Schaumbauerei, spreizte die Kiemendeckel, griff das gelbe Weibchen an und vertrieb es in die Pfefferminze.
Von der anderen Seite kam dann das zweite gelbe Weibchen, dem es auch nicht anders erging. Das Männchen vertrieb es weit in die Kräuter und pflegte sein Nest weiter. Nicht lange, da kamen dann beide gelben Weibchen aus den Kräutern von der Lavendelseite wieder zum Nest des Männchens während diesmal von rechts - Rohrkolbenseite - her gerade das abgedunkelt normalgefärbte Weibchen wohl auch auf dem Weg zu diesem Männchen und dessen Nest war. Die drei trafen in rund 20cm vom Nest aufeinander und sofort spreizte das braune Weibchen gegenüber den zitronengelben seine Kiemendeckel - das Männchen nahm keine Notiz -. Nun nahmen die gelben auch Drohgebärde an mit Flossenspreizen, was vom braunen Weibchen mit Flossenspreizen erwiedert wurde, dann gab's wenige wechselseitige Schwanzflossen-Wasserschläge als dann das braune Weibchen übergangslos in Überfallmodus wechselte, worauf beide gelben Weibchen die Nerven verloren und fluchtartig das Weite suchten eine kurze Strecke von dem braunen Weibchen verfolgt. Als die gelben am Lavendel in den Kräutern verschwunden waren, kehrte das braune Weibchen wieder zum Nestbereich zurück, hielt sich einige Zeit unbehelligt vom Männchen in der Nähe auf bevor es weiterwanderte aus meinem Sichtfeld fort. Von da an habe ich die gelben Weibchen die ganze Zeit nicht mehr am Nest gesehen, wurde allerdings auch von einem großen Teichfroschweibchen an der Wiesenseite des Teiches 2 abgelenkt.

Das Teichfroschweibchen - ich bin mir relativ sicher, dass es das selbe ist, welches vorgestern dem Topfpaar mit seinen ausdaurnden und gezielten Jagdversuchen auf das Brutmännchen direkt am Nest womöglich die erfolgreiche Brut vereitelt hat.
Dieses Weibchen saß die ganze Zeit über am wiesenseitigen Ufer im flachen Wasser auf Ansitz, als es plötzlich mit einem riesigen Satz hinüber zwischen eine Wasseriris am Lavendel springt. Dort dreht es nahezu sofort um und springt gegen Teichmitte in's Wasser mit weit geöffnetem Maul ins Wasser beißend eintauchend. Dann kommt der Kopf wieder aus dem Wasser und ich sehe seitwärts aus dem nicht mehr schließbaren Maul etwas bräunliches rundliches hervorschauen. Das Froschweibchen hat definitiv irgendein Wirbeltier gefangen und das ging so schnell, dass ich nichtmal gesehen hatte was dort im Wasser schwamm und gepackt wurde. Von dem rundlich braunen Etwas, das seitlich zwischen dem geöffneten Maul aus dem Rachen hervorschaute könnte es ein jungadulter Rundschwanzmakropode oder ein junger Grasfrosch sein. Gliedmaßen konnte ich keine erkennen.
Der Frosch hatte mit dem endgültigen Hinunterschlingen sichtlich Mühe, streckte und bog sich immer wieder, strich mit den Vorderbeinen am Maul entlang. Das zog sich einen längere Zeit so hin. Irgendwann schaffte er dann das Maul richtig zu schließen, bog und würgte zwischendurch aber immer mal wieder. Irgendwie muss die Beute es dann aber geschafft haben wieder etwas hervorzukommen, weil das Maul wieder nicht mehr richtig zuging und zwischendurch sogar einmal etwas schmaleres braunes rechts aus dem Maul rutschte. Ich konnte das auch dummerweise wieder nicht richtig erkennen. Am plausibelsten scheint mir aber dass es ein Fuß war, was dann zu meiner "Beruhigung" bedeuten würde, dass es wohl ein Grasfröschchen war und kein Fisch. Sicher bin ich aber nicht.
Was dieser Frosch aber gewiss gezeigt hat, dass er sehr erfolgreich und blitzschnell Wirbeltiere, die an oder dicht unter der Wasseroberfläche schwimmen erbeuten kann. Und vorgestern hat er deutlich gezeigt, dass er bereit ist unter Wasser einem Fisch nachzusetzen. Schon erstaunlich diese Teichfrösche.

Wie steht's bei den Rundschwanzmakropoden aus Guangzhou in Teich 3?

Von den Guangzhous gab's seit längerem keine Berichte aus dem einfachen Grund, dass sie in ihrem jungen Teich 3 nicht mehr oder nur noch als Geister zu sehen sind. Das wird begünstigt durch das schwebealgentrübe Wasser - mangels höherer Pflanzen -.
Nur mit extrem viel Geduld sind von den ursprünglich kaum scheuen Fischen geisterhafte Lebenszeichen zu beobachten. Irgendwann sieht man, dass die Wasseroberfläche kurz durchbrochen wird, irgendetwas in Rundschwanzmakropodengröße senkrecht von unten hochschießend auf der Stelle kehrt macht und wieder senkrecht nach unten ins Nichts verschwindet. Das geht alles so schnell, dass von dem Akteur nur ein schemenhafter Eindruck bleibt und die einzige real erscheinende Wirkung, die des sich wellenden Wassers bleibt. So bin ich mir also sicher, dass sie noch im Teich sind. Keine ihrer damaligen Bruten ist aber erfolgreich gewesen - auch mit größter Mühe keine Jungtiere zu entdecken -. Und neuen Brutversuche hat es wohl nicht gegeben. Die Guangzhous scheinen in dem Teich nur noch am Teichgrund zu leben. Die Nähe der Wasseroberfläche meiden sie wie die Pest und ich denke nicht, dass es an meiner beobachtenden Gegenwart liegt.

Heute sitze ich nun geduldig an diesem Teich 3, weil ich mir einen Eindruck machen wollte ob denn noch alle da sind, und etliche Male erscheint irgendwo im Teich dieser geisterhafte Spuk der lufthohlenden Fische aber nie bleibt einer auch nur in der Nähe der Oberfläche. Der Zahl der Spukerscheinungen nach scheinen mir aber alle noch da zu sein. Vor mir in meiner Nähe sitzt ein Teichfrosch auf einem Stück Holz im Wasser, da erscheint auf einmal etwa 30cm entfernt ein kurzer Luftholspuk so schnell, dass ich es kaum verfolgen kann und ebenso schnell mit bewundernswerter Reaktionsgeschwindigkeit und Zielgenauigkeit hechtet dieser Frosch genau auf diese Wasserwellung und taucht mit dem Fisch ab. Das einzige, was ich von diesen Hochgeschwindigkeitsreaktionen mitbekomme ist, dass der Frosch mit seinem geöffneten Maul nur wenige Millimeter den Fisch verfehlt!
Da wird mir bewusst, was ich ja die ganze Zeit im Teich 1/2 beobachtet habe, nämlich die ausdauernden Jagdversuche nach den Brutmännchen der Rundschwanzmakropoden und mir fällt auf, das in diesem Teich 3 sich drei große Teichfroschweibchen dauerhaft herumtreiben. Die Wasserfläche ist vorwiegend, weil jung angelegter Teich, frei, so gut wie kein die Wasseroberfläche durchbrechender oder flutender Pflanzenwuchs, dafür aber überall gute Froschansitze und mir geht ein Licht auf - wie ich glaube -:
Ich denke die Ursache für das auf den Teichgrund verlagerte Leben der Guangzhou-Rundschwanzmakropoden und ihr nur noch geisterhaft kurzes Erscheinen an der Wasseroberfläche sind diese drei großen Teichfrösche, die sofort auf jeden Rundschwanzmakropoden Jagd machen, der sich in Sprungreichweite - und die ist zielsicher weit - auch nur kurz blicken lässt.
Die Guangzhous haben's schlicht gelernt, dass die Nähe zur Wasseroberfläche lebensgefährlich geworden ist, nachdem die Teichfrösche den neuen Teich entdeckt hatten.
Ich glaube in einem Lebensraum, den sich Rundschwanzmakropoden mit großen Wasserfröschen teilen, haben diese Fische keine Chance an einem Brutplatz in Ansitzreichweite und freier Sprungbahn auch nur eine einzige Brut erfolgreich hochzubringen, wenn nicht sogar Brutmännchen an einem solchen Platz regelmäßig im Bauch der großen Wasserfrösche im Laufe der Zeit landen. Der Frosch in Teich 2 jedenfalls hat bisher gezeigt, dass er den Brutplatz im Topfrevier genau kennt und scheint's auch nicht so schnell vergisst, weiß, dass es dort statt kleiner Insekten dicke fette sehr lohnenswerte Beute gibt.
Und ich bin jetzt überzeugt, dass die Guangzhous im Teich 3 keine Brutversuche mehr machen werden, um nicht in Reichweite der Frösche zu kommen.

Daher habe ich heute Abend noch umgesetzt:

Änderungen an dem jungen Teich 3 auf Grund der Beobachtungen an den Teichfröschen (Rana kl. esculenta)

In Teich 1/2 brauche ich nichts zu ändern. Er ist gut bewachsen und bietet genügend vor Teichfröschen sprungsichere Brutplätze.
Wenn ich aber von den Guangzhous keinen verlieren will und dieses Jahr noch Chance auf Nachwuchs im Teich, denke ich muss ich die fehlende Sicherheit durch verkrautete Bereiche künstlich herstellen.

Was die Wasserfrösche brauchen ist Ansitze mit freier Sprungbahn ins Wasser hinein. Also muss ich ihnen das vermiesen.
Dazu habe ich an beiden Schmalseiten des Teiches mit Totholzästen ein auf der Wasseroberfläche fast bis ganz aufliegendes Gewirr erstellt, so dass von der Teichfläche nun 50% von kreuz und quer gewirrten Ästen abgedeckt ist. Da hat kein großer Frosch mehr eine Chance von einem Ansitz aus hinein zu springen. Sie können sich dort nur noch im Wasser schwimmend auf Beutezug begeben, womit ihnen der Winkel für die Jagd auf Fische zu flach und die Schnellkraft und Reichweite zu gering wird. Zusätzlich habe ich noch etliche Wasserpfefferminzstengel aus Teich 1/2 abgeschnitten und senkrecht durch dieses Zweiggewirr ins Wasser gesteckt. Sie werden dann in den nächsten Tagen dort im Wasser wurzeln bilden und so zwischen und unter den Ästen ein Wurzelgeflecht entstehen lassen.
Damit sollten die Guangzhous nun erstens in 50% der Teichfläche absolute Ruhe vor den Teichfröschen haben und zusätzlich statt der bisherigen spärlichen zwei nutzbaren Nestplätze eine große Auswahl an geeigneten Brutplätzen bekommen.
Morgen werde ich noch ein Foto machen und ergänzen.

Mal sehen, ob meine Vermutung sich bestätigt und so die Guangzhous wieder zu ihrer alten "Zahmheit" und Sichtbarkeit zurückfinden.
Die erhoffte Wirkung auf die Teichfrösche ließ sich schon gleich heute feststellen:
Alle drei haben die Bereiche mit den Zweiggewirren an der Wasseroberfläche verlassen und sich in den Bereich und den Ansitzen an der verbliebenen freien Wasserfläche zurückgezogen. Paddelten sie rum, machten sie immer halt an der Grenze zum Astgewirr. Nur ein jüngerer der irgendwann auftauchte und noch deutlich kleiner war schwamm unter den Ästen hindurch in diese Zone. Es war aber deutlich, dass er dort keine Chance mehr hat einen Jagdversuch auf Fische zu machen. Entsprechend ist er zwar zu dem bisher beliebtesten Ansitz gepaddelt, blieb aber davor im Wasser zwischen dem Astgewirr liegen und stieg nicht hoch. Irgendwann hat er dann kehrt gemacht und ist raus ins frei Wasser. Das funktioniert also schonmal.
Bleibt nur noch abzuwarten, ob die Rundschwanzmakropoden lernen, dass diese Gewirrzonen nun froschsicher sind. Mal sehen ...

Es ist schon erstaunlich:
Da hab ich die Teiche 1/2 extra mit Stichlingen besetzt, damit es wenigstens auf die jungen Rundschwanzmakropoden einen Beutedruck gibt gegen denen sich die Brutpaare durch entsprechend gefordertes Brutpflegeverhalten durchsetzen müssen, und da zeigt sich dieses Jahr ganz unerwartet statt der Stichlinge die inzwischen angewachsene Froschpopulation als die Hauptherausforderung für die Macropodus ocellatus:
Einmal zu Winterende die Braunfrösche, deren Laichballen sich als eine regelrechte anziehende Todesfalle für junge Rundschwanzmakropoden unter 2cm SL heraustellten. Eis und Kälte haben ihnen nichts anhaben können aber diese kuscheligen Laichballen der Grasfrösche habe sie dann reihenweise umgebracht.
Und jetzt mit Beginn der auffälligen und wasseroberflächengebundenen Brutphase bei den Rundschwanzmakropoden zeigt sich, dass die großen Teichfrösche einen unverkennbaren und wenigstens brutvereitelnden Jagddruck auf die adulten großen Brutmännchen ausüben, die sich ungeschickterweise einen zwar attraktiven aber von den Fröschen gut erreich- und erspringbaren Laichplatz aussuchen.

Es dürfte also im Laufe des Sommers noch spannend bleiben.
Jetzt freue ich mich umso mehr, dass sich die Frösche in den Teichen eingefunden und so die Lebensvielfalt erhöht und damit die Beobachtungen interessanter gemacht haben.

Kurz notiert:
Die Bergmolche sind übrigens immer noch in den Teichen. Halten sich gut versteckt in den fadigen Algenaufwüchsen auf.




Verzweifelter Bürger: „Was ist Religion?“ - Religion ist das Produkt des Wahnsinns am Bewußtsein. {Elmar Kupke}