Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung





Beobachtung im Teich

Heiter
TW: ./.
OW: ./.
Lu: 12°C ⇒ 23°C (28.4.12)

Siehe Teichprotokoll






Umzug der Rundschwanzmakropoden (Macropodus ocellatus) in neue Teiche

Zum Ende April sind wir in ein anderes Haus gezogen.
Das bedeutete aus unterschiedlichen Gründen, dass wir vom 28.4.12 bis zum 29.4.12 den Umzug der 3 Teiche mit den Rundschwanzmakropoden abgeschlossen haben mussten.
Für die alten Teiche - gemietetes Haus - bedeutete das einebnen, für die neuen ausheben und mit Folie wassertauglich auskleiden, genaueres zum Aufbau dieser neuen Teiche findet sich unter Schema der Teichanlage ab Mai 2012.
Fische fangen, Teiche leeren und einebnen sowie die Fische in die neuen Teiche einsetzen mussten also in zwei Tagen über die Bühne gehen.
Auf Grund dieser Eile und dem typischen Versteckverhalten der Rundschwanzmakropoden vermute/weiß ich, dass etliche der Rundschwanzmakropoden insbesondere viele juvenile aus dem Bestand der Koreaner von mir nicht gefunden wurden.

Mit dem Ausheben der neuen Teiche - Spaten und Muskelkraft Wink - konnte ich zwei Wochen vorher anfangen und es so einrichten, dass ich sie tatsächlich am 27.4.12 wasserbefüllt hatte und zwar alle 3 neuen Teiche. Jeder 2m breit und ca. 7m lang.

Zuerst wurde der Teich der Macropodus ocellatus "Mimbon Guangzhou 2010" entleert.

Da der Teich recht klein und jung war - wenig versteckgeeigneter Schlamm - war das Ergebnis des Ausräumens exakt die Tiere, die zu Herbstende in den Winter gegangen waren,
also 11 Tiere. 10 davon waren letztjährige Juvenile und 1 adulter.
Alle anderen adulten waren im Laufe des Sommers bis Sommerende bereits spurlos verschwunden. Auf welche Weise kann ich tatsächlich nicht sagen. Möglicherweise gefressen von wem auch immer oder von selbst gestorben und dann von Schnecken und sonstigen Teichbewohnern verdaut bevor ich sie in dem recht dicht zugewachsenen Teich auffinden konnte. Wie ich in den Beobachtungen berichtet hatte, könnten auch die großen Wasserfrösche bei ihrer Fischjagd erfolgrich gewesen sein. Ich tendiere aber eher zum "selbst gestorben" und der Vermutung, dass die Tatsache, dass diese Tiere lange Zeit bei Kölle-Zoo im warmen Wasser gehalten wurden und auch ich sie, nachdem ich sie bei Kölle gekauft hatte warm im Aquarium überwintert hatte einen Lebenszeit verkürzenden Effekt hatte. Sie waren zu der Zeit wohl schon zu alt - subadult -, um eine warme Überwinterung ohne lebensverkürzenden Effekt mitzumachen.

Nun ja, jedenfalls ging nur ein Adulter aus dieser Gruppe im Teich letztlich in den Winter, der Rest waren Juvenile.
Und jeden einzelnen konnte ich also auch nach der Überwinterung unter dem Eis wieder herausfangen, womit ich hier für die Guangzhous eindeutig feststellen konnte, dass der Winter zu keinem einzigen Verlust bei diesen wohl aus dem südlichsten Verbreitungsgebiet stammenden Tieren geführt hat.
Der Teich der Guangzhous war in einem halben Tag erledigt, also bis zum Mittag und bot keine nennenswerten Überraschungen.

Der Teich der Koreaner war dann der nächste.

Die Koreaner sind mit einer großen Zahl Juveniler aus dem Winter unter dem Eis hervorgekommen. Ein Großteil allerdings wirklich noch recht klein so von 15mm bis 20mm.
Es zeigte sich als besonders schwierig, diese kleinen juvenilen aus dem leerlaufenden Koreanerteich herauszufinden. Dieser Teich hatte große weiche Algenmengen erzeugt in die sich nun die Rundschwanzmakropoden alle verdrückten. Ich musste also den Algenbrei mit der Hand herausschöpfen und sorgfältig nach Rundschwanzmakropoden durchsuchen. Dabei dürfte ich wohl etliche letztlich doch übersehen haben und mit dem Algenbrei entsorgt. Das zeigte sich schon alleine darin, dass ich nach einer größeren Pause, wenn ich den trockengefallenen Algenbrei betrachtete immer mal wieder einen Kleinen entdeckte, der sich aus diesem Brei nach oben gearbeitet hatte.
Auch die Gesamtausbeute von letztlich 19 Tieren passte deutlich nicht zu der recht großen Anzahl an Juvenilen, die Tage vorher in dem Teich leicht zu beobachten waren.
Aber es waren immerhin ausreichend, um den Bestand im neuen Teich neu zu begründen und es war eh nicht möglich die restlichen in dem Schlamm- und Algenbrei ausfindig zu machen.

Nochmals, die meisten konnten wir nur durch mühsames Durchsuchen des Schlammes ausfindig machen, selbst, wenn mal einer sich freiwillig auf trockenfallendem Brei nach oben arbeitete, verstanden auch diese es sich sofort und schneller als ich sie meist packen konnte wieder in dem Schlamm hineinzuverstecken, wenn sie mich sahen.
Es drüften wirklich viele ungefunden im Schlamm geblieben sein.

Am Schluss kam der dann Teich der Kupfer-und Grauklaner, also mein Mischbestand und der größte der alten Teiche mit 15m Länge, dran.

Den Kern dieses Mischbestandes bilden seit Sommer 2009 die Kupferklaner, die um einige Tiere aus dem "alten DDR-Bestand", die ich Grauklaner nenne ergänzt wurden. 2010 wurde diese Teichpopulation dann nochmal um 2 Tiere angereichert, die zumindest optisch wohl wieder eine andere Herkunft hatten: Bestand SWAllgäu und auch ein Wildfangpaar aus dem Mimbon-Guangzhou-Import kam nach dem Kauf bei Kölle zu diesem Bestand statt in den Guangzhou-Teich.

Wie man sieht, stellt also der Mischbestand mit den Kupferklanern seit Sommer 2009 die Teichpopulation dar, die ich unter dem Ziel führe einen möglichst variablen Genpool zu erhalten. Dies grenzt diesen Bestand von meinen anderen ab, die streng nach Fundortregion getrennte Teiche bewohnen.
Letztere nach Fundortregion getrennte Teichpopulationen dienen mir zum Vergleich zwischen möglichst nördlichen und möglichst südlichen Populationen der Rundschwanzmakropoden. Derzeit vertreten durch Tiere aus Korea, als Vertreter einer relativ nördlichen und Tiere aus dem Guangzhou-Import als Vertreter einer möglichst südlichen Population der Rundschwanzmakropoden.
Der Grundbestand meiner Mixpopulation, also die Kupferklaner(Bestand/633), leben und erhalten sich nachweislich bereits seit 2004 ununterbrochen Sommers wie Winters in Freilandteichen ohne je ein Aquarium gesehen zu haben.

Das Abfischen dieses 15m-Teiches brachte nun richtige Überraschungen.
Das Abfischen und Leerpumpen hatte am 28.4.12 Nachmittags begonnen. Die bis zum Abend gefangen Tiere wurden zur Nacht bereits in den neuen Teich gesetzt.
Am nächsten Morgen, dem 29.4.12 kamen wir dann um 11:12h zurück, um weiterzumachen.
Und was finden ich zu meiner großen Überraschung:
Es gab dort eine große Rohrkolbenzone, die ein watteartig dichtes Wurzelgeflecht von mehr als 10cm Dicke bildete.
Diese Wurzelgeflecht, also die Rohrkolbenzone lag seit dem Vorabend 19:00h bereits mit 4cm vollkommen trocken und auf eben dieser Wurzelschicht sehe ich nun einen adulten Rundschwanzmakropoden oben auf liegen. Er bewegt sich nicht und liegt damit schon 15h! quasi trocken, wenn man von der leichten Feuchte des Wurzelgeflechtes absieht.
Als ich ihn aufhebe fühlt sich die haut leicht wie Sandpapier an, etwas angetrocknet, die Augen aber in Ordnung und obwohl er sich auch in der Hand nicht bewegt, schien er mir doch lebendig.
Und richtig, kaum habe ich ihn in den Wassereimer entlassen, schwimmt wer sofort los, als sei überhaupt nichts gewesen. Ja und er ist auch später nicht gestorben und konnte so den Umzug erfolgreich mitmachen. Mit einer solchen Fähigkeit 15h außerhalb des Wassers zu überleben als sei nichts passiert hätte ich nie gerechnet.
Rundschwanzmakropoden sind wirklich erstaunlich vielseitige Fische.

Als ich daraufhin das Wurzelgeflecht nochmals genauer angeschaut hatte konnte ich aber keinen weiteren entdecken, was aber nichts heißt, da ich auch den im trockenliegenden nicht gefunden hatte bevor er sich selbst aus seinem Wurzelgeflecht hochgearbeitet hatte.

Über die Mittagspause haben wir uns dann damit beschäftigt, den Teichschlamm, den wir auf den Rasen geschöpft hatten genau zu durchsuchen.
Nachdem wir darin aber nichts mehr gefunden hatten, wurden die bis dahin gefangenen Fische wieder zum neuen Teich gefahren und darin entlassen.
Damit waren wir etwa 1h beschäftigt.
Als wir wieder zurück waren, fanden wir auf dem Schlamm auf der Wiese, den wir vorher genau mit den Fingern durchsiebt und -tastet hatten wieder ein adulter Rundschwanzmakropode oben auf. Es ist erstaunlich, wie sich diese Tiere im Schlamm selbst außerhalb des Wassers geradezu unsichtbar machen können, sich nicht rühren solange sie Gefahr vermuten und dann wenn alles lange genug ruhig ist sich wieder frei arbeiten. Natürlich war auch dieser Fisch vollkommen unbeschadet und konnte dank seiner "klugen" Entscheidung, sich sichtbar zu machen im neuen Teich weiterleben.
Mit diesen zwei Überraschungsfunden konnte ich 36 adulte Rundschwanzmakropoden aus diesem Teich holen. Die Mischpopulation hat also aus mindesten 36 Adulten bestanden.

Was gab es noch zu entdecken und zu zählen

Die Teiche, insbesondere der Große Siehe Schema der alten Teiche T1/T2, haben natürlich noch viele andere Bewohner gehabt.

Die Pflanzen wurden selbstverständlich in die neuen Teiche überführt, insbesondere die inzwischen großen Bestände meiner winterharten Riesenvallisnerie - bis auf den Rohrkolben: Zeitmangel -. Die Riesenvallisnerie sind meine Versicherung gegen Sauerstoffunterversorgung unter Eis, die ich jedem Empfehlen möchte für einen Gartenteich.
Schnecken: Posthorn, Spitzschlamm usw. wurden, soweit groß genug, in Massen auch überführt.
Viele Großlibellenlarven fanden sich und ergab die Zählung noch:

90 Neunstachelige Stichlinge,
von den Lurchen
30 Bergmolche, die wir zählen konnten bevor sie sich aus den leerlaufenden Teichen davon machten
15 Teichfrösche
gut 20 Grasfrösche (soweit auch diese sich nicht davon gemacht hatten)

Alle diese Tiere waren in der Lage ohne Unterstützungsmaßnahme und Fütterung rein aus den natürlichen Ressourcen dieser doch relativ kleinen Gartenteichen zu leben.
Dabei waren die Populationen der Bergmolche und Grasfrösche nach wie vor in der Wachstumsphase! und das wohlgemerkt in einem Teich (T1/T2) voll mit Libellenlarven, haufenweise Stichlingen und nicht zu kapp Rundschwanzmakropoden.
Die Population der Teichfrösche jedoch ist seit einiger Zeit bereits stabil, da sie auf die Teiche direkt angewiesen sind und so über den Kanibalismus der Teichfrösche einfach nicht mehr als für etwa 25 ausgewachsene Platz ist.
Erdkröten konnte ich zwar keine zählen, aber über die Laichmenge lässt sich erkennen, dass auch deren Population noch wuchs, wenn auch deutlich langsamer als die der Grasfrösche,
was daran liegt, dass so gut wie alle Krötenquappen den Libellenlarven zum Opfer fallen.

Auffällig in der Zählung finde ich das Verhältnis zwischen Neunstacheligen Stichlingen und den Rundschwanzmakropoden:
3 mal soviel Stichlinge wie Macropodus ocellatus.
Wenn man die Körperstatur der Adulten dieser beide Arten vergleicht, so scheint das dem Verhältnis der Körpermassen zueinander zu entsprechen. Die Rundschwanzmakropoden sind etwa 2 mal so hoch wie die Stichlinge haben also ungefähr die 3fache Masse eines Stichlingweibchens.
Damit scheinen die Individuenzahlen nahezulegen, dass sich beide Arten die verfügbaren Nahrungsressourcen einfach gleichberechtigt aufgeteilt haben, ohne dass eine die Oberhand über die andere gewonnen hätte.




'Es ist nicht das Ziel der Wissenschaften, der unendlichen Weisheit eine Tür zu öffnen, sondern eine Grenze zu setzen dem unendlichen Irrtum'. {BRECHT}