Quelle: Pers. Beobachtung bzw. Erfahrung

Beobachtung im Teich

HeiterWolkenlückenGrau bedeckt
TW: 4°C - 4°C - 5°C
OW: <0.5cm Eis - 3°C - 5°C
Siehe Teichprotokoll

Übersicht: Beobachtbare M.ocellatus-Aktivität während des Winters

In diesem Winter (2010-2011) gab es am 25.11.10 das erste Eis auf dem Teich und seitdem bewegten sich die Wassertemperaturen der Teichanlage immer zwischen 3°C und aufgerundet 6°C im Tiefenwasser sowie 0°C und 6°C im Oberflächenwasser mit wenigen Ausreißern bis ca 7°C.
Die längste Phase mit ununterbrochener Teichabdeckung durch eine geschlossene massive Eisdecke betrug 44 Tage.

Unter geschlossener Eisdecke konnte ich

  1. 3 mal adulte Rundschwanzmakropoden aktiv schwimmend beobachten und
  2. 7 mal juvenile M.ocellatus in eine Größe von 15mm bis 20mm SL

Dabei war allerdings die meiste Zeit das Eis wegen der Dicke, den eingelagerten Blasen und des Schnees vollkommen undurchsichtig und verhinderte damit die Möglichkeit Ativitäten zu beobachten. Alle Aktivitätsbeobachtungen unter Eis wurden in den wenigen Tagen gemacht, wo das Eis durchsichtig genug geblieben ist.

Bei freiem Wasser aber weiterhin winterkalten Wassertemperaturen zwischen 2°C und 6°C
gezählt ab dem ersten Vereisungstag konnte ich

  1. 4 mal adulte Rundschwanzmakropode beim aktiven Schwimmen und
  2. 11 mal juvenile Tiere beobachten

Wenn man bedenkt, dass ich an den Wochentagen kaum Gelegenheit für Beobachtungen hatte, weil Morgens vor und Abends nach der Arbeit es die meiste Zeit zu dunkel war, so bedeutet das bei den juvenilen Rundschwanzmakropoden, dass sobald ich Zeit, Helligkeit und freie Sicht ins Wasser hatte eigentlich immer juvenile Macropodus ocellatus aktiv schwimmend zu sehen waren.

Sowohl juvenle M.ocellatus als auch adulte verbrachten aber auch eindeutig Zeiten in vollkommen inaktiver Ruhe, die sich über mehrere Tage ziehen kann.

Die juvenilen verbringen also den gesamten Winter in einem Wechsel zwischen Aktiv- und und relativ kurzen Schlafphasen.
Aber auch die adulten Tiere werden von den eisigen Wassertemperaturen nicht in einen kältestarreähnlichen Zustand gezwungen, sondern wechseln auch relativ unabhängig von der Wassertemperatur zwischen Aktivität und inaktiver Ruhe. Die Ruhephasen sind allerdings um ein Vielfaches länger und die Aktivitätsphasen deutlich kürzer als bei den Juvenilen.
Haben juvenile einmal eine Aktivitätsphase begonnen, dann bleiben sie unter Umständen trotz eisigen Wassers und grauen Wetters mehere Tage aktiv, bis sie sich in einer Ruhephase zurückziehen. Adulte Rundschwanzmakropoden jedoch scheinen doch sehr direkt der Sonne zu folgen: Wenn sie aus der Ruhe aufwachen, dann weil es so um 1 bis 2 Stunden pralle Sonneneinstrahlung auf den Teich gab - auch wenn das Wasser in der Zeit nicht schafft wesentlich wärmer zu werden -. Verschwindet die ungehinderte Sonneneinstrahlung für einige Stunden wieder, dann sind auch die adulten bald wieder irgendwo "vergraben" und lassen sich für Tage nicht mehr sehen.

Geweckt werden sowohl adulte wie juvenile typischerweise - gab auch Ausnahmen - durch ungehinderte Sonneneinstrahlung auf den Teich - ob mit oder ohne Eisabdeckung -. Damit adulte aufwachen, muss die Sonne deutlich länger scheinen als für die juvenilen.
Für letztere reicht schon eine viertel Stunde aus, dann steigt die Anzahl der beobachtbaren juvenilen deutlich an. Aber auch bei schlechtem Wetter sind eigentlich immer wenigstens einige junge Rundschwanzmakropoden in der Größenklasse von 15mm bis 20mm umtriebig.

Die Beeinträchtigung in der Geschmeidigkeit/Beweglichkeit in Folge des eisigen Wassers ist bei adulten und juvenilen deutlich unterschiedlich ausgeprägt.
Beide sind durch das kalte Wasser in ihrer Geschmeidigkeit eingeschränkt - wie übrigens auch die im selben Teich lebenden Stichlinge -.
Während aber bei den Adulten diese Einschränkung kaum auffällt und mit der der Stichlinge vergleichbar ist - sie wirken beim Schwimmen in diesem kalten Wasser eher wie kleine Karauschen als wie die schlangengleich beweglichen Fische des Sommers - sind die Juvenilen ganz deutlich in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Allen Jungtieren ist die viel größere Anstrengung bei der Bewegung in eisigem Wasser deutlich anzusehen. Ihre Bewegunsgweise gleicht ziemlich stark der von Kaulquappen, was sie aber nicht davon abhält recht rege unterwegs zu bleiben.

Juvenile Rundschwanzmakropoden (Macropodus ocellatus) beim Sonnenbaden

Heute fing der Tag im Teich mit einer mm-dünnen nächtlichen Eisdecke an, die sich dann bis 10:00h in der Sonne aufgelöst hatte.
Die Temperaturen lagen morgens früh bei 4°C TW(Tiefenwasser) und Eis auf dem Wasser, zwischen 10:00h und 12:00h war das Eis weggetaut und die Wassertemperaturen lagen bei 4°C TW und 3°C OW(Oberflächenwasser).

Um 11:00h rum konnte ich dann bei heiter sonnigem Wetter und Wassertemperaturen an der Oberfläche von 3°C! relativ ausführlich die juvenilen Rundschwanzmakropoden beim Sonnentanken beobachten.
Es waren zu der Zeit als die Sonne den Teich 2 (Beobachtungsteich) erreichte schon einige kleine unterwegs. Diese suchten - nicht alle! - schon bald gezielt die unbeschatteten Wasserflächen auf und stellten sich gezielt quer und mit der Fläche der Körperseite senkrecht in die Sonne gerichtet zum Sonnetanken auf. Ein paar Fotos sind mir auch gelungen, die dieses Verhalten zeigen.
Sie zeigen damit ein Verhalten wie Eidechsen, die sich morgens auf sonnenexponierten Flächen auf Betriebstemperatur bringen.
Und es ist bei den Rundschwanzmakropoden kein zufälliges Verhalten, sondern eindeutig genau zu diesem Zweck entwickelt, was gut daran zu erkennen ist, dass sie zur Not sich mit den Brustflossen in eine fast waagerechte Lage steuern nur um die maximale Breitseite der Sonnen zu präsentieren. So verharren sie dann entweder an der freien Wasseroberfläche oder auf/an Algenpolster gestützt über lange Zeit und führen die Körperschräghaltung immer schön dem Sonnenverlauf hinterher. Einer hat das durchgehalten bis gegen Mittag die Sonne dann hinter einem grauen Himmel endgültig verschwand. Erst dann hat er sich wieder aufgerichtet und ist durch den Teich gezogen.

Juvenile Rundschwanzmakropoden - aber auch adulte konnte ich letztes Frühjahr dabei beobachten!. Adulte tun dies allerdings vorsichtiger und versteckter zwischen Pflanzenpolstern - haben also ein Verhalten zur Verfügung, um ihre Körpertemperatur in eisigem Wasser über die des Wassers zu bringen, nicht viel anders als es Echsen mit ihren Sonnenbädern machen.
Obwohl, wie oben geschrieben, dieses Verhalten auch die adulten kennen, setzen juvenile das Wärmetanken in der Sonne sowohl im Winter wie auch im restlichen Jahr um ein vielfaches häufiger ein als die adulten.

Hier nun einige Bilder die ich dabei machen konnte:

Rundschwanzmakropode Dieser hier steht zwar nicht still sondern wandert aber er hält sich beim Schwimmen leicht schräg, so dass die linke Breitseite besser der Sonne ausgesetzt ist.
Rundschwanzmakropode Hier stellt sich einer im freien Wasser wie ein Sonnenkollektor sauber in die Sonne gerichtet zum Wärmetanken auf. Er schwimmt nicht, sondern hält sich mit den schwirrenden Bustflossen immer brav der Sonne zu
Rundschwanzmakropode Hier liegt er nun fast flach im Wasser, um nur ja keinen Strahl zu verpassen.
Rundschwanzmakropode Der nutzt eine Algenpolster als Stütze, um seine seitliche Sonnenposition zu stützen
Rundschwanzmakropode
Rundschwanzmakropode
Rundschwanzmakropode
Oben links sonnt sich der eine in bequemer algengestützter Lage, während unten rechts ein anderer, gerade weniger an der Sonne interessiert, vorbeizieht
Rundschwanzmakropode
Rundschwanzmakropode
Hier ein anderer grade nicht sonneninterssiert auf Inspektionstour an der Algenwand.
Wohgemerkt: Die Wassertemperatur in seinem Bereich ist (nachgemessen!) 3°C, nicht mehr.
Rundschwanzmakropode wieder ein anderer
Rundschwanzmakropode Und hier zwischen den Riesenvalisnerien treibt sich jemand herum, der gleich von was ganz anderem neugierig gemacht und abgelenkt wird. Rechts vom ihm ist nämlich gerade ein frosch zwischen den Valisnerien hochgeklettert.
Rundschwanzmakropode der nun die ganze neugierige Aufmerksamkeit des juvenilen Rundschwanzmakropoden auf sich zieht. Dazu sind 3°C dem kleinen offensichtlich nicht zu kalt, denn er hat sich schon ein wenig von seinem ursprünglichen Weg ab nach links zum Frosch gewendet.
Rundschwanzmakropode Hier ist er schon ein gutes Stück näher an den Frosch hinan geschwommen.
Rundschwanzmakropode und inspiziert diesen Riesen jetzt erstaml ausgiebigst
Rundschwanzmakropode Was dem Frosch dann wohl auf Dauer auf die Nerven ging, denn er hat sich soeben mit einigen Beischwüngen nach links vorne in die Wurzeln einer Schilfgrasregion verdünnisiert. Nix mehr mit neugierigem Umschwimmen für den kleinen M.ocellatus

Diese Fotos zeigen also, wie juvenile Macropodus ocellatus bei 3°C Wassertemperatur sich mit Hilfe der Sonne aktiv aufwärmen, nicht müde und träge sondern relativ rege den Teich durchstreifen und sogar genug Laune zum neugierigen Umschwimmen und Inspizieren eine Frosches aufbringen.

Kommentare

Eigentlich unerwartetes

Quelle: Perönliche Interpretation bzw. Meinungsäußerung Erwartet hätte ich eigentlich, dass die juvenilen Rundschwanzmakropoden je kleiner je mehr unter dem Winter erkennbar belastet wären.
Was ich aber sehe, sind juvenile M.ocellatus die selbst bei Größen von ca 15mm SL den ganzen Winter über aktiver erscheinen als die adulten. Und obwohl sie deutlich in ihrer Beweglichkeit reduziert sind scheinen sie recht wenig Wert auf sparsame Bewegung zu legen.

Im Winter laufen prinzipiell alle Lebensprozesse der wechselwarmen Tiere und der Pflanzen im Teich langsamer ab und zusätzlich herrscht über lange Zeiten im Wasser für die Pflanzen unter Eis mit Schnee Lichtmangel. Die verfügbare Nahrungsmenge im Teich ist also entsprechend niedriger.

Wegen all dieser Eigenschafte hätte ich erwartet, dass der Winter auf die ganz kleinen, späten juvenilen stark ausdünnend wirken müsste.
Unerwarteterweise sieht es aber so aus, als seien selbst die 15mm Tierchen kaum wirklich beeindruckt vom Winter?!

Da kleine Fische weniger Reserven mit in den Winter nehmen können als größere Fische und diese Reserven auch noch schneller aufbrauchen, könnte es da sein, dass die juvenilen Macropodus ocellatus deswegen aktiver im Winter bleiben, weil sie in Ruhe ohne zusätzliche Nahrungsaufnahme nicht so lange wie die adulten durchhalten können? Das würde aber voraussetzen, dass sie im Winter nicht nur aktiv sind sondern auch fressen?! Könnte sein, wenn es auch im Teich schwer zu beobachten wäre?!
Es wäre aber nicht ungewöhnlich, wenn sie im Winter weiterfressen würden. Warum sollte sie sonst so rege unterwegs sein? Und viele Fische aus gemäßigten Zonen fressen im Winter weiter - wie z.B. auch die Stichlinge im selben Teich -.




'Es spielt keine Rolle, wie schön deine Theorie ist. Es spielt keine Rolle, wie klug du bist. Passt sie nicht zu den experimentellen Ergebnissen/Beobachtungen, dann ist sie falsch!'. {nach Richard Feynman, Nobelpreis für Physik 1965}