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Quelle: Fachpublikationen

Wenn ich hier von Fischen rede ist das natürlich eine sehr unterschiedliche Gemeinschaft, die im Falle der Knochenfische nur die Mitglieder dieser Gruppe meint, die sich nicht zum Landleben entschlossen haben wie die Lurche, Echsen, Säuger obwohl erstaunlicherweise andere Fischgruppen, die sich zum (teilweisen) Landleben entschlossen haben wie die Schlammspringer oder auch ein Zahnkärpfling aus Südamerika wieder dazu gehören. Und es ist so natürlich auch klar, dass damit eine extrem heterogene Gruppe gemeint ist, die man nicht wirklich gut über einen Kamm scheren kann Wink .
In der Regel bezieht sich der Begriff Fisch - im Aquarienhobby und Süßwasser - aber auf die Teilgruppe der Strahlenflosser, also jener großen und sehr erfolgreichen Teilgruppe der Knochenfische, die alle, wie wir selbst, von einem mit Hilfe einer Lunge atmenden Knochenfischvorfahren abstammen, diese Lunge aber zu einem hydrostatischen Organ, der Schwimmblase umfunktioniert/entwickelt haben.

Allgemeines

Wechselwarme Fische, die in gemäßigtem Klima überwintern müssen, haben einige Herausforderungen zu bewältigen.
So muss ihre Physiologie in der Lage sein z.B. sowohl den Gasstaustausch als auch den Stoffwechsel in jahreszeitlich extrem unterschiedlichen Temperaturbereichen wirkungsvoll zu betreiben. So reicht es z.B. für einen solchen Fisch nicht aus, auch in eiskaltem Wasser seine Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten, er muss auch in der Lage sein, den zu jeder Jahreszeit, also auch im Winter stattfindenden Abbau von Körpersubstanz durch ausreichenden Neuaufbau auszugleichen. Dazu ist aber notwendig einen ausreichenden Fluss von Nährtsoffen in den Körper gewährleisten zu können. Offensichtlich bedeutet das, der Fisch muss in der Lage sein, spätestens wenn seine Reserven (Körperfett) verbraucht sind, Nahrung in ausreichender Menge zu beschaffen. Das ist im Winter viel energieaufwendiger als im Sommer, weil 1. das dichtere Wasser eine höhere Viskosität aufweist und 2. die physiologischen Prozesse mit fallender Temperatur überproportional an Effizienz einbüßen. Ein wechelwarmer Fisch muss also für die Bewegung in kaltem Wasser viel mehr Ressourcen einsetzen.
Aber nicht nur der erhöhte Energieverbrauch in kaltem Wasser für die Fortbewegung stellt ein Problem dar, auch der Stoffwechselablauf innerhalb des Körpers ist bei niedrigeren Köpertemperaturen überproportional langsamer als bei höheren.
Also selbst, wenn ein Fisch mehr Nahrung besorgen kann, als er für die Beschaffung verbraucht, so kann es immer noch sein, dass in den niedrigen Temperaturen die Umsetzung der Nahrung zu langsam stattfindet, so dass trotzdem weniger Nahrung in den Körper aufgenommen wird und so für den Aufbau zur Verfügung steht als benötigt würde. Ein solcher Fisch würden dann möglicherweise kürzere Kälteperioden ohne Probleme tolerieren können, da aber in dieser kalten Phase der Körper nur abgebaut wird ist irgendwann eine zeitliche Grenze überschritten zu der der Fisch Schaden nimmt. In Folge dieser Wirkung der Kälte auf die physiologischen Prozesse fallen viele Fischarten in der kalten Jahreszeit in eine bewegungsarme Kälteträgheit oder gar Kältestarre und sind mangels Nahrungsaufnahme zum Überleben auf die Körperreserven angewiesen. Andere wiederum passen die physiologischen Prozesse des Körpers an die Kälte an indem sie mehr Ressourcen mobilieren, um in kaltem Wasser weiterhin agil zu bleiben und Nahrung aufnehmen zu können. Aber auch dem Winterschlaf bei Warmblütern ähnliche Strategien finden sich bei Fischen, also das Herunterfahren des Stoffumsatzes im Körper ohne von der Kälte induziert zu sein, sondern bei gleichbleibender Wassertemperatur - egal ob gleichbleibend kalt wie bei Fischen in Polarregionen oder gleichbleibend warm anderswo -, um auf diese Weise aktiv Zeiten reduzierter Nahrungsvorkommen schlafend mit minimalem Energieverbrauch zu überbrücken.
Bei wechselwarmen Fischen gibt es also alle möglichen Strategien, mit kaltem Wasser im Lebensraum zurechtzukommen: Erhöhter Ressourceneinsatz, um trotz Kälte agil und nahrungsaufnahmefähig zu bleiben, bei kälteinduzierter Trägheit bis Starre mittels Körperreserven zeitlich begrenzte Kältephasen überbrücken bis hin zu aktiv eingenommenen Schlafphasen ohne dass sie als direkte Folge der Kältewirkung auf die physiologischen Prozesse folgen um Nahrungsengpässe zu überbrücken. Bei Lebensräumen in gemäßigten Regionen muss möglicherweise zwischen der Sommer- und Winterzeit die Körperphysiologie "umbaut" werden - analog z.B. dem Verlängern/Verkürzen von Flossen -, um in der Lage zu sein die Winterzeit zu überstehen. So kann z.B. das Temperaturtoleranzintervall zu schmal sein, um sowohl die Sommer, als auch die Wintertemperaturen zu überdecken, dann muss dieses Intervall periodisch angepasst, auf die kommende Jahreszeit eingestellt werden. Oder das Temperaturtoleranzfenster überdeckt zwar sowohl den Bereich der Sommer wie der Wintertemperaturen aber die Ab- und Aufbauprozesse im Körper verlangen eine physiologische Umbauanpassung an die jeweiligen Jahreszeiten. In letzterem Falle hätte man einen Fisch, welcher mitten im Sommer problemlos relativ kurzfristige Wasserabühlungen von z.B. 20°C auf 4°C verkraftet/hinnimmt. Halten die Kaltphasen aber zu lange an, nimmt der Körper dennoch Schaden, weil die Abbau- und Aufbauprozesse im Körper nicht im Gleichgewicht sind, weil das Tier nicht genügend Zeit hatte die Physiologie entsprechend umzustellen.

Davon abgesehen stellen Lebensräume in gemäßigten Klimaregionen für einen Fisch noch viele andere Herausforderungen durch starke saisonale Unterschiede in der Verfügbarkeit von Pflanzen, Nahrung, der Wasserbewegungen, im Trübungszustand und bei Eisabdeckung in stehenden Gewässern in der Verfügbarkeit von Sauerstoff.

Als Folge dieser starken saisonalen Änderungen führen Fische gemäßigter (oder noch kälterer) Regionen oft den Jahreszeiten folgende Wanderungen zwischen ufernahen Niedrigwasserzonen und tiefen Wasserbereichen durch.
So sind z.B. die Niedrigwasserbereiche in Ufernähe oft vom Winter bis ins zeitige Frühjahr hinein von Fischen nahezu verlassen. Erst wenn die Oberflächenwassertemperatur so um 10°C erreicht wandern die Fische wieder zahlreicher in die ufernahen Gewässerbereiche ein.
Bei einer Wassertemperatur von 15°C beginnen viele Arten dann bereits mit dem Laichgeschäft.
Fallen die Temperaturen dann im Herbst wieder unter 15°C entsteht eine weitere Wanderbewegung von Fischen aus den tieferen Wasserschichten in die Flachwasserregionen bis dann beim Unterschreiten der 10°C-Grenze alle zusammen wieder den Flachwasser-/Uferbereich in Richtung tieferes Wasser verlassen.

Das Verlassen der ufernahen Flachwasserbereiche im späten Herbst zugunsten tieferer Wasserzonen ist außer durch die auf Dauer zu erwartenden tieferen Temperaturen des Oberflächenwassers nicht zuletzt auch dadurch gegründet, dass die nun gehäuft auftretenden Herbststürme Flachwasserbereiche in Folge der starken Turbulenzen/Wellen destabilisieren und bei größeren Wasserflächen durch gebrochene Eissplitter die in der turbulenten windgetriebenen Wasserbewegung driften die Fische gefährden können. Dieser Zustand hält in den Uferbereichen an, bis sich die Eisdecke geschlossen hat und so den darunter liegenden Wasserkörper von den Unbilden des Wetters schützt.
Manche Fische kommen dann, wenn das Wasser durch eine Eisschicht beruhigt ist wieder in die flacheren Zonen zurürck, während andere dort geblieben sind, sich aber in schützenden Höhlungen oder dem Bodengrund vor den Sturmturbulenzen verankern/verstecken.

In kleinen Gewässern ohne Verbindung zu einem Fließgewässer wie Pohle und kleine Weiher (auch dauerhaftere Überschwemmungstümpel) sind noch drastischere Umweltbedingungen zu bestehen.
Sobald diese Gewässer mit einer Eisschicht abgedeckt sind bilden sich wenigstens sporadisch sauerstoffverarmte Zonen, die sich vom Gewässergrund aufsteigend nach oben arbeiten. Fische, die in solchen Gewässern ihre Heimat finden, haben spezielle Strategien entwickelt, um mit diesen sporadischen Extrembedingungen zurecht zu kommen.
So wandern Fische wie z.B. die Hundsfische sobald das Gewässer mit Eis vor den Herbststürmen geschützt ist, dafür aber von unten kommend die Sauerstoffarmut droht aus dem tieferen Wasser wieder nach oben und verbringen die Winterzeit direkt unter der Eisschicht, wo sie am dünnsten ist und die Gefahr der Sauerstoffverarmung am geringsten. Dort suchen sie dann nach Sauerstoffblasen und atmen aus dem Wasser direkt neben diesen Blasen (Petrosky, Magnuson 1973, Klinger 1982). Unsere einheimische Karausche ist geradezu ein Spezialist für das Überleben in zeitweise vollkommen sauerstoffreien Gewässern, indem sie in der Lage ist, bei Zimmertemperatur für Tage auf einen anäroben Stoffwechsel umzuschalten, so vollkommen ohne Sauerstoff auszukommen und gleichzeitig aktiv zu bleiben. In der Winterzeit ist sie sogar in der Lage, für Monate unter Eis in sauerstofffreiem! Wasser zu überleben1. { Quelle: Eigene Beobachtung bzw. Erfahrung Und wie ich aus eigener Kindheiterfahrung weiß, kann ihr Verwandter, der Goldfisch - und damit wahrscheinlich sie selbst wohl auch - für wenigstens eine Nacht vollkommen in einem Eisblock hart eingefroren überleben.}

Im Allgemeinen ist jedoch über die Fischbiologie im Winter, was sie z.B. unter Eis wirklich tun, ihre Strategien zum Überstehen dieser Zeit verglichen mit dem Wissen über andere Jahreszeiten bisher wenig wirklich bekannt.




Zwei Gläubige auf einem Kissen, da schläft der Teufel dazwischen. {}